Blick von der Schneekoppe

Die Sudeten laden zum Wandern und Skifahren ein.

Dom von Frauenburg

Wirkungsstätte des Astronomen Nikolaus Kopernikus.

Blick auf die Altstadt von Lublin

Die Stadt im Osten Polens strahlt italienisches Flair aus.



Die Orgel in Heilige Linde
Die Orgel hat der k³niglich-preu+ische Orgelmacher, Johann Josua Mosengel, gebaut. Fotos: Frank Hilbert Ein heißer Sommertag geht zu Ende. Im Licht der untergehenden Sonne erstrahlt die gelbe Westfassade der Kirche der Klosteranlage von ¦wiêta Lipka (dts.: Heilige Linde). Der Himmel über dem Kloster leuchtet in einem intensiven Blau. Die Jesuiten haben zu einem Orgelkonzert eingeladen. Nun sitzen etwa 100 Zuhörer in der nur spärlich beleuchteten barocken Kirche und schauen staunend auf die Orgel, die der Königsberger Johann Josua Mosengel Anfang des 18. Jahrhunderts gebaut hat.


Zwei Mönche, die schon lange das Rentenalter erreicht haben, kündigen die beiden Interpreten Maria Perucka (Geige) und Roman Perucki (Orgel) aus Danzig an, die an diesem Abend Stücke von Johann Sebastian Bach, Simon Preston, Kazimierz Wi³komirski und Frédéric Chopin spielen werden. Der eine der beiden Mönche spricht auf Polnisch zu den Gästen. Der andere auf Deutsch.

Seit dem Mittelalter ist Heilige Linde ein Wallfahrtsort. Der Legende nach soll ein zum Tode Verurteilter nach seiner Begnadigung und Entlassung aus der Rastenburger Burg in einer Linde eine Marienfigur aufgestellt haben. Kurze Zeit darauf ereigneten sich an dieser Stelle zahlreiche Wunderheilungen. Die Wunder veranlassten den Deutschen Orden, 1320 an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. Die Arbeiten an der barocken Klosteranlage, die die Besucher noch heute besichtigen können, begannen drei Jahrhunderte später, im Jahr 1686  unter der Leitung von Jerzy Ertly aus Wilna (litauisch: Vilnius). Entstanden ist eine Kirche mit zwei sich nach oben hin verjüngenden 52 m hohen Doppeltürmen, die von niedrigen Kreuzgängen umgeben ist.

Heilige Linde im AbendlichtDen Eingang bildet ein schmiedeeisernes Tor, das aus kunstvoll geschmiedeten Pflanzenornamenten besteht und im vergoldeten Stammbau Christi mündet. Das Tor stammt aus dem 18. Jahrhundert und kommt aus der Werkstatt des Schmieds Johann Schwartz aus Reszel (Rößel). Auf den Arkadengängen links und rechts vom Hoftor stehen 44 steinerne Skulpturen, die Ahnentafel Christi. Sie entstammen aus dem Meißel des Bildhauers Christoph Perwanger. Der Bau der Kreuzgänge fiel in eine politisch turbulente und wirtschaftlich schwierige Zeit. 1702 besetzten die Schweden Heilige Linde und in den Jahren 1709 und 1710 wütete die Pest in der Gegend. Es fehlte an Geld. Aus diesem Grund zog sich der Bau der Kreuzgänge 15 Jahre lang hin. Er konnte erst 1708 abgeschlossen werden. Dabei spielten die Kreuzgänge mit ihren vier Kapellen eine wichtige Rolle im Alltag des Pilgerortes. Sie boten den Pilgern bei schlechtem Wetter Schutz, dienten als Übernachtungsmöglichkeit. Wenn der Ansturm auf Heilige Linde besonders groß war und die Kirche nicht mehr alle Gläubigen aufnehmen konnte, wurden in die Kreuzgängen Messen gehalten.

Malerei in den KreuzgängenNoch heute platzt Heilige Linde in den Sommermonaten proppevoll aus allen Nähten. Tausende Touristen kommen jeden Tag hierher, um sich den Pilgerort anzuschauen. Sie alle müssen durch das Hauptportal, um in die Kirche zu gelangen. Die Fresken im 19 m hohen Mittelschiff schuf Matthias Meyer aus Heilsberg zwischen 1722 und 1727. Beeindruckend sind der Hauptaltar aus dem Jahr 1714 und die Orgel. Der Altar ist aus dunklem Holz gefertigt und stammt von Christoph Peucker. Blickfang ist das Gemälde der Muttergottes, das 1640 der belgische Maler Bartholomäus Pens anfertigte. Sie trägt ein silbernes Kleid aus der Werkstatt des Königsberger Goldschmiedes Samuel Gräwe. An der Westseite des Hauptschiffes – über dem Hauptportal – zieht die Orgel die Blicke der Besucher auf sich. Die Mönche erzählen während des Konzertes, dass Restaurierungsarbeiten anstünden. Heilige Linde hat den II. Weltkrieg fast unbeschadet überstanden. Nur das Kirchengestühl wurde stark beschädigt, als sowjetische Soldaten auf dem Durchzug in der Kirche übernachteten. An der Kirche und ihrer Inneneinrichtung nagt jedoch der Zahn der Zeit. In den 60er Jahren befand sich die Orgel in einem derartig schlechten Zustand, dass sie restauriert werden musste. Nun, so der Mönch, müssten die 3.960 Orgelpfeifen erneuert werden. Die Orgel ist fast dreihundert Jahre alt. Zwischen 1719 und 1721 baute sie der königlich-preußische Orgelmacher, Johann Josua Mosengel aus Königsberg.

Es ist spät geworden. Durch die Lünettenfenster im Gewölbe des Hauptschiffes dringt kaum noch Licht. Maria Perucka (Geige) und Roman Perucki spielen das letzte Stück an diesem Abend: „Alleluja“ von Simon Preston. (Frank Hilbert)

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