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Ausgegeben am
Freitag, dem 03.09.2010, um 16:26 Uhr.
Die geistige Entwicklung der Stadt ist mit den Orden der Franziskaner eng verbunden, an dessen großen Einfluss die prachtvollen Bauten des Franziskanerklosters und der dazugehörigen zweitürmigen Barockkirche Maria Rosenkranz (kościół Matki Boskiej Różańcowej). Von hier spannt sich eine gotische Brücke über Młynówka, den kleinen Kanal der Glatzer Neiße. Mit ihren lebensgroßen steinernen Figuren, die sie zur Miniaturausgabe der Prager Karlsbrücke machen, ist sie die berühmteste und wertvollste Brücke Schlesiens.
An Gründerzeithäusern vorbei geht es zum Marktplatz hinauf. Das neugotische Rathaus ist so wuchtig, dass der ihn umringende Markt eher an bunt durcheinander gewürfelte breitere Gassen erinnert, denn an einen zentralen städtischen Platz. Vor dem Rathaus steht eine Mariensäule mit einem schlafenden Ritter im Sockel. Nur wenige Gehminuten vom Marktplatz entfernt befindet sich die gotische Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt (kościół Wniebowzięcia Najświętszej Marii Panny). Die aus Backstein gemauerte dreischiffige Basilika mit zwei unvollendet gebliebenen Türmen gilt dank ihrer architektonischen Klasse und der reichen Innenausstattung als eines der wertvollsten Monumente der Sakralarchitektur in der ganze Region.
In der Straße ulica Lukasiewicza 4 informiert das Museum des Glatzer Landes (Muzeum Ziemi Kłodzkiej) über die Geschichte von Glatz. Hier erfährt der Besucher auch, dass die gesamte Altstadt unterkellert ist. Die mehrgeschossigen, miteinander verbundenen Kellergewölbe wurden über viele Jahrhunderte von Kaufleuten als Lagerräume benutzt. Sie können auf dem "Unterirdischen Jahrtausendweg" (Podziemna Trasa Turystyczna im. Tysiąclecia Państwa) erkundet werden. Der Eingang befindet sich in der Straße ulica Zawiszy Czarnego 3. Die Tour endet am Eingang zur Festung, die sich auf dem Felsenhügel des Schlossberges (ca. 370 m hoch) über der Stadt erhebt. Bereits seit dem 10. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine slawische Wehrburg. Die strategische Bedeutung von Glatz veranlasste die Habsburger, im ausgehenden 17. Jahrhundert an Stelle der ursprünglichen Burg eine Festung zu bauen. Im ersten Schlesischen Kriege fiel die Festung 1742 an die preußischen Truppen. Nach den Schlesischen Kriegen begann der preußische König Friedrichs II. (der Große) die neugewonnen Gebiete zu sichern. Auf seinen Befehl wurde die Glatzer Festung ausgebaut und war - neben den Fortifikationen in Silberberg (Srebrna Góra) und Schweidnitz (Świdnica) – Teil eines größeren Festungssystems. Zur Anlage gehörte auch ein Netz aus kilometerweiten unterirdischen Gängen. 1807 wurde die Festung erfolglos von napoleonischen Truppen belagert. In der Mitte des 19. Jahrhunderts verlor die Festung ihre militärische Bedeutung. Teile der Befestigungsanlagen wurden abgetragen und für Besucher zugänglich gemacht. Zur gleichen Zeit errichtete man hier ein Militärgefängnis für Dissidenten, u. a. die Teilnehmer des polnischen Januaraufstands von 1863 und zahlreiche deutsche Revolutionäre. Während des Zweiten Weltkriegs nutzten die Nazis die Festung als Gefängnis und als Munitionsfabrik, in der ca. 1000 polnische Zwangsarbeiter beschäftigt waren. Heute kann die Festung besichtigt werden, von deren Mauern aus Besucher einen wunderbaren Ausblick auf die historische Altstadt von Glatz genießen können. (bw)
