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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Gdingen (Gdynia) - Stadtteil Oxhöft (Oksywie)

Gdynias Stadtteil Oxhöft wurde im September 1939 bekannt, als die auf dem dortigen Marinestützpunkt stationierten Soldaten den deutschen Okkupanten bis zum 19. September Widerstand leisteten. Oxhöft war der letzte polnische Stützpunkt, der vor den Deutschen kapitulierte. Die Soldaten standen unter dem Kommando von Stanisław Dąbek (28. März 1892 – 19. September 1939). Der polnische Stützpunkt wurde auch vom deutschen Linienschiff „Schleswig-Holstein“ angegriffen, das am 1. September mit einem Schuss auf die Westerplatte den II. Weltkrieg eröffnet hatte. Der Auftrag des Kriegsschiffes lautetete: Zerstörung der Küstenbatterien bei Oxhöft.

Torhaus zu den Kasernen des Architekten Marian LalewiczPolen Fotos
Torhaus zu den Kasernen des Architekten Marian Lalewicz. Fotos: Frank Hilbert
Der Name Oxhöft leitet sich vermutlich von dem altskandinavischen Wort „Oxihoved“ ab. Der Ort erhielt den Namen, weil die Oxhöfter Kämpe der Form eines Ochsenkopfes ähnelt.

Oxhöft war ein Fischerdorf, das bereits im Mittelalter existierte. Im Jahr 1214  wurde der Ort erstmals erwähnt und 1224 gründet die Kirche eine Pfarrerei. Im Zuge des Baus des Überseehafens in Gdingen wurde Oxhöft 1926 in das Stadtgebiet eingemeindet. Im neuen Stadtteil sollten Arbeiterwohnungen entstehen. An der Oxhöfter Kämpe baute die Marine jedoch einen Flottenstützpunkt. Die Kasernen des Stützpunktes entstanden nach Plänen des Architekten Marian Lalewicz im Stil des akademischen Klassizismus. Sie stehen entlang von drei in Fächerform verlaufenden Alleen, die an einem Torhaus zusammentreffen. Der Schriftzug auf der Fassade des Torhauses erinnert an die Gründung der polnischen Marine nach der wiedererlangten Unabhängigkeit Polens nach dem I. Weltkrieg: "Zum 28. November 1918 befehle ich die Schaffung der Polnischen Marine, Jósef Piłsudski, 28. November 1918". In der ul. Zeglarska baute Lalewicz zwischen 1935 und 1939 auf einer Anhöhe eine Garnisonskirche, dessen schnörkelloser Kubus über die Hafenanlagen von Öxhöft hinausragt.

Kirche St. Michaelis aus dem 13. Jahrhundert
Kirche St. Michaelis aus dem 13. Jahrhundert.

Folgt man vom Torhaus der Kasernen ul. Arciszewskich Richtung Norden, gelangt man zur Kirche St. Michaelis aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist umgeben von einem Friedhof, von dem man einen Teil des Hafens sehen kann. Nur etwa 15 Minuten Fußweg von der Kirche entfernt, in der ul. Antoniego Muchowskiego, befindet sich ein Marinefriedhof. Die Grabsteine sind schnörkellos. Die Inschriften geben jedoch interessante Details über das Leben der Menschen preis, die hier begraben sind. Zum Beispiel Andrej Kłopotowski. Der 2004 verstorbene Marinesoldat war der letzte Kommandeur des Zerstörers ORP "Dzik" (ORP=Okręt Rzeczpospolitej Polski / Schiff der Republik Polen). Ausgezeichnet wurde er mit dem britischen Distinguished Service Cross und einer norwegischen Medaille für die Teilnahme an den Kämpfen vor Narvik.

Wer sich aber nicht für die Geschichte des Ortes und die polnische Marinegeschichte interessiert, kann mit dem Auto zur Fischersiedlung am Ende der ul. Osada Rybacka fahren oder zu Fuß laufen. Nur wenige Touristen finden den Weg hierher. Am Strand unterhalb der Steilküste liegen Fischerboote am Strand und vereinzelt sonnen sich bei schönem Wetter Badegäste am idyllisch gelegenen Strand. (fh)