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Gdingen (Gdynia) - Meereshof

Ein Zentrum des Hafens in Gdingen (Gdynia) bildete der Meereshof. Er wurde in den Jahren 1932 bis 1933 nach Plänen der Architekten Dyckerhoff und Widman aus Katowice an der Passagiermole (am Franzosenkai) gebaut. Hier legten die polnischen Passagierschiffe für die Transatlantikroute an, von denen die polnische Flotte vor dem II. Weltkrieg fünf besaß. Die "Polonia", die "Pulaski" und die "Kosciuszko" kaufte die Reederei 1930. Die stolzesten Liner waren aber das Flaggschiff der Reederei, die "Piłsudski", und die "M. S. Batory". Die beiden Schiffe wurden in Italien gebaut und 1935 bzw. 1939 in Dienst gestellt. Legendär ist der Luxus auf den beiden Schiffen. Sogar die Kleidung der Stewards und das Geschirr wurden extra angefertigt.

Meereshof in Gdingen (Gdynia)
Meeereshof in Gdingen (Gdynia). Von hier legten in der Vorkriegszeit die Passagierschiffe nach Nordamerika ab. Foto: Frank Hilbert

In Gdingen begannen nicht nur die "Reichen und Schönen" ihre Reise nach Nordamerika. Den Meereshof wurde für tausende von Auswanderern zur letzten Station auf heimatlichem Boden. Eigens für sie wurde in Grabówek (Grabau), einem Vorort von Gdynia, auf dem Gelände einer preußischen Kaserne aus dem 19. Jahrhundert, ein Abfertigungszentrum (poln. „Etap Emigracyjny“) errichtet. Es war durch eine direkte Eisenbahnlinie mit dem Meereshof verbunden. Der Gebäudekomplex bestand aus Unterkünften, einem Speisesaal, einer Küche, einer Kapelle und sogar einer kleinen Schule. Für Menschen, die ansteckende Krankheiten hatten, wurde hinter der Stadt ein Spital gebaut. Die Kranken konnten sowohl direkt vom Festland gebracht als auch von der Bucht mit einem eigens dafür zur Verfügung stehenden Motorboot transportiert werden. Das Abfertigungszentrum für die Emigranten wurde zwar schon 1933 in Betrieb genommen, aber erst 1935 in Anwesenheit von Außenminister Józef Beck und des Schatzministers Eugeniusz Kwiatkowski feierlich eröffnet.
Vor der Errichtung des Abfertigungszentrums waren die Auswanderer in einer Holzbaracke in der Nähe des sich im Bau befindenden Hafens und in Wejherowo (einer Stadt bei Gdynia) untergebracht.

Der Ausbruch des II. Weltkrieges markiert das Ende der Passagierschifffahrt in Gdingen. Von den Luxuslinern überstanden nur die Sobieski und die Batory den Krieg. Die Sobieski verkaufte Polen an die Sowjetunion. Die Batory beförderte noch bis 1972 Passagiere, bevor sie an Hongkong verkauft und dort abgewrackt wurde.

Der Meereshof am Franzosenkai steht heute für Besucher offen. Eine (leider nur kleine) Ausstellung in der Empfangshalle informiert über die Geschichte der Passagierschifffahrt in Gdingen. Vom ehemaligen Abfertigungszentrum in Grabówek nutzt die Armee einige Gebäude als Kasernen. (fh)