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Ausgegeben am Dienstag, dem 29.07.2014, um 8.38 Uhr.


Ermland - Frauenburg (Frombork)


Dom in Frauenburg (Frombork) im Ermland, Polen
Dom in Frauenburg (Frombork) im Ermland, Polen. Foto: Frank Hilbert Vom Glockentrum, der schräg gegenüber vom gotischen Dom in Frauenburg (Frombork) steht, reicht der Blick weit über das Frische Haff und - bei guter Sicht - in die russische Exklave Kaliningrad (Königsberg) hinein. Neben dem herrlichen Ausblick hat der Glockenturm seinen Gästen aber noch ein Planetarium mit einem Foucault’sches Pendel zu bieten. Dass ausgerechnet in einer kleinen verträumten Stadt im Nordosten Polens ein Planetarium zum Besuch einlädt, haben die Frauenburger Nikolaus Kopernikus zu verdanken. Der Astronom lebte hier von 1517 bis zu seinem Tod am 24. Mai 1543.


Er hat die heliozentrische Theorie entwickelt, die besagt, dass sich die Erde um ihre eigene Achse und jedes Jahr einmal um die Sonne dreht. Mithilfe des Foucault�schen Pendels lässt sich die Erdrotation nachweisen. In Frauenburg begann Kopernikus mit der Arbeit an seinem Hauptwerk "De Revolutionibus Orbium Coelestium" ("Von den Bewegungen der Himmelskörper"). Darin heißt es:

"Die erste und oberste Sphäre ist die der Fixsterne, die sich selbst und alles andere enthält [...] Es folgt der erste Planet Saturn, der in dreißig Jahren seinen Umlauf vollendet. Hierauf Jupiter mit seinem zwölfjährigen Umlauf. Dann Mars, der in zwei Jahren seine Bahn durchläuft. Den vierten Platz in der Reihe mit der jährlichen Kreisbahn ein, in dem, wie wir gesagt haben, die Erde mit der Mondbahn als Enzykel enthalten ist."  

Nach Frauenburg kam Kopernikus durch seinen Onkel Lukas Watzenrode, der Fürstbischof  vom Bistum Ermland war. 1510, 1519, 1528 wird Kopernikus zum Kanzler des Ermländischen Domkapitels bestellt. Seine wirtschaftliche Unabhängig erlaubte Kopernikus die wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Astronomie.  Als  Renaissancegelehrter beschäftigte er sich  darüber hinaus   mit Medizin und Recht.   Kopernikus hat  Lukas Watzenrode  viel zu verdanken. Als er zehn Jahre alt war, starb  sein Vater in Thorn. Watzenrode war der Bruder seiner Mutter, der seinem Neffen eine umfassende Ausbildung an den besten Universitäten in Europa ermöglichte.

Der Dom

Bischof Eberhard von Neisse verlieh Frauenburg 1310 das Stadtrecht nach Lübischen Recht. Wie die anderen drei Bistümer erhielt auch das Bistum Ermland einen Dom, mit dessen Bau die Kirche 1329 auf einem Hügel über der Stadt begann, dem heutigen Domkomplex. Die Bauarbeiten konnte 1388 abgeschlossen werden. Das endgültige Ende der Bauarbeiten markiert dieses Jahr jedoch nicht. In den kommenden Jahrhunderten wurde die Kathedrale immer wieder erweitert und umgebaut. Den Dom errichete die Kirche aus Angst vor Überfällen der Pruzzen in Frauenburg. Die ermländischen Bischöfe residierten zwischen 1350 und 1795 allerdings in dem nur wenige Kilometer entfernten Heilsberg.

Der Dom  besitzt - überraschenderweise - keinen Westturm, dafür aber ein achtjochiges Kirchenschiff. Die Prunkstücke des Doms sind die Orgel, die der Danziger Daniel Nitrowski 1683 und 1684 baute, und der Hochaltar. Die Mitteltafel des Altars, den Franciszek Placidi zwischen 1742 und 1752 anfertigte, stellt Maria dar. Im Nordteil  finden  die Besucher ein spätgotisches Polytychon, das bis  zur Mitte des 18. Jahrhunderts der Hauptaltar war. Gestiftet hatte ihn 1504 Watzenrode.  Sehenswert ist  darüber hinaus  der St.-Anna-Altar, der sich ebenfalls an der Nordseite des Doms befindet.  Das Gemälde in der Mitte malte  der Danziger Handwerker Bartholomäus Strobel im Jahr 1639.

Umgeben ist der Dom von einer Wehrmauer, in deren Nordwestecke ein Glockenturm steht. Er befand sich der Überlieferung nach zwischen 1504 und 1543 im Besitz von Kopernikus. Hier soll sich der Astronom ein Arbeitszimmer und ein Observatorium eingerichtet haben. Beweisen lässt sich diese Vermutung aber nicht. Wahrscheinlicher ist, dass Kopernikus in seinem Haus unweit der Kathedrale gearbeitet hat.

Lange war umstritten, ob sich im Dom von Frauenburg wirklich das Grab von Nikolaus Kopernikus befindet. Der Streit scheint beendet zu sein. Im Herbst 2005 fanden Archäologen bei Ausgrabungen im Dom die sterblichen Überreste des Astronomen. Ein Ereignis, das sogar der Ableger der Bild-Zeitung in Polen, die Fakt, auf seine Titelseite setzte - mit einem Foto des vermeintlichen Kopernikus-Schädels.

Die Bibliothek von Kopernikus

Im Bischofspalast neben dem Dom ist heute das Kopernikus-Museum untergebracht, in dem verschiedene Gegenstände zu sehen sind, die an Kopernikus  erinnern. Darunter  sind eine frühe Ausgabe seines Werkes "De Revolutionibus Orbium Coelestium" und  weitere Bücher von Kopernikus über Astronomie, Medizin, Politik und Wirtschaft.   Bewundern können die Besucher im Museum neben den bereits genannten Ausstellungsstücken Portraits des Renaissancegelehrten. Die Bibliothek von Kopernikus ist heute nicht mehr zu besichtigen. Die Schweden haben sie während der "Sinflut" im Jahr 1626 geplündert.

Wirtschaftlich konnte sich Frauenburg im Schatten der nahe gelegenen Hansestädte Elbing und Braunsberg nie entfalten. An Versuchen hat es in der Geschichte der Stadt jedoch nicht gemangelt. Anfang des 17. Jahrhunderts baute die Stadt zum Beispiel einen Handelshafen. Elbing witterte Konkurrenz und klagte 1617 gegen den Bau. Das königliche Urteil gestand Frauenburg lediglich eine Anlegestelle für Fischerboote zu.

Ausstellungen außerhalb des Domgeländes

Außerhalb des Domgeländes gibt es nur noch wenige historische Gebäude, die sehenswert sind. Die Front hatte die kleine Stadt kurz vor Ende des  II. Weltkrieges  überrollt und keinen Stein auf dem anderen gelassen. Auch das Domgelände blieb nicht verschont. Der Bischofspalast brannte nieder und wurde in fünfjähriger Arbeit - zwischen 1965 und 1970 - wieder aufgebaut. Die Stadt war 1945 so sehr zerstört und die Einwohnerzahl derart gesunken, dass Frauenburg vorübergehend das Stadtrecht aberkannt wurde. Hinzu kommen noch einige Bausünden in der Nachkriegszeit. Bis 1954 wurden historische Gebäude in der bis zu 70 Prozent zerstörten Stadt abgerissen. Unter ihnen war das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert.

Das  Heilig-Geist-Spital gehört zum Nicolaus-Kopernikus-Museum.  Untergebracht ist hier  die medizin-geschichtliche Abteilung des Museums.  Zu den Ausstellungsstücken gehören  unter anderem  medizinische Fachbücher aus dem 18. Jahrhundert und eine Arzneiliste der königlichen Apotheke in Warschau.  Hinter dem Spital hat das Museum einen  Garten mit einer Vielzahl von Blumen und Kräutern angelegt. Spaziergänger können auf Bänken die Ruhe  und Schönheit des Gartens genießen.

Einen Tagesausflug ist Frauenburg  immer wert. Die Stadt ist nur 55 km von Danzig entfernt. Im Sommer finden an den Sonntagen oft Orgelkonzerte im Dom statt. (Frank Hilbert)


Landkarte:

Landkarte von Polen mit Frauenburg

Wetter:


Wirtschaft:

Toursimus, Fischerei

Einwohner:

2.700

Sehenswürdigkeit:

Museum Nikolaus Kopernikus (Muzeum Mikołaja Kopernika w Fromborku)
+48 (0) 55 2440070  Frombork
Tel.: +48 (0) 55 243-72-18
Fax: +48 (0) 55 243-72-18
E-Mail: frombork@frombork.art.pl
Internet: frombork.art.pl/pl

Touristeninformation:

Centrum Informacji Turystycznej
ul. Młynarska 5a
14-530  Frombork
Tel.: +48 (0) 55 2440677
E-Mail: informacja.turystyczna@frombork.pl

Stadtplan

Frauenburg (Frombork), ul. Młynarska 5a, 14-530 Frauenburg (Frombork), ul. Młynarska 5a, 14-530 Frombork (Google Maps)



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