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Ausgegeben am
Freitag, dem 09.05.2008, um 15:23 Uhr.

Ein besonderes Erlebnis ist die Fahrt auf dem 80 km langen Elbl±g-Ostróda-Kanal. Der im 19. Jahrhundert gebaute Kanal überwindet einen Höhenunterschied von fast 100 Metern mithilfe einer technischen Raffinesse: Die Schiffe werden auf Schienen über Land transportiert.
Wenige Kilometer weiter östlich, gleich hinter Braniewo (Braunsberg), wartet eine weitere historische Attraktion: die alte und mittlerweile sehr holprige Reichsautobahn 1, auf der man immer noch das alte Königsberg - das heutige Kaliningrad - erreichen kann.
Wer Ritterburgen mag, sollte die im 13./14. Jahrhundert vom Deutschen Kreuzritterorden errichtete Marienburg in Malbork besuchen. In Kêtrzyn (Rastenburg) kann man (auch mit deutscher Führung) die Ruinen der "Wolfschanze", des ehemaligen Hitler-Hauptquartiers besichtigen kann.
Ein weiteres interessantes Ausflugsziel ist die barocke Wahlfahrtskirche Swiêta Lipka (Heilige Linde), eine Niederlassung des Jesuitenordens. Jeden Tag werden in regelmäßigen Zeitabständen kurze Konzerte auf der berühmten Orgel mit beweglichen Figuren gegeben. Die überaus geschäftigen und offenen Jesuitenpater, die zur Erhaltung ihrer Kirche eine kleine Tourismusindustrie aufgebaut haben, freuen sich über die (an manch schönen Sommertagen nicht abreißenden) Besucherströme und sind immer zu einem Plausch aufgelegt.
Auf seinen Erkundungs-Touren trifft der Reisende noch auf jede Menge alte, zum Teil stark verfallene preußische Schlösser. Eines davon ist das Schloss des Grafen von Lehndorff, das sich am Mauersee (Jezioro Mamry) bei Sztynort Du¿y (Steinort) erhebt. Über den kauzigsten Schlossherrn, Carol Lehndorff, der seine Bude verrumpeln zu ließ und deftige Saufgelage abhielt, finden sich viele lustige Geschichten in den Erinnerungen von Marion Dönhoff oder Alexander zu Dohna-Schlobitten.
Einen Hauch des Exotischen bietet die kleine Ortschaft Wojnowo (Eckertsdorf). Hier steht das Kloster und die Kirche der "der heiligen Dreifaltigkeit und des Erlösers" der russisch-orthodoxen Altgläubigen. Anfang des 19. Jahrhunderts flohen sie aus Russland vor der Verfolgung und ließen sich in Eckertsdorf nieder , wo sie eine kleine russische Kolonie bildeten.
Naturliebhaber, die nur entspannen wollen, finden in Masuren ein wahres Refugium. Große Teile der Region sind als Natur- oder Nationalparks ausgewiesen. Viele seltene Tiere und Pflanzen haben dort ihre geschützten Lebensräume.
Auch wenn man "unorganisiert" reist, findet man unterwegs genügend Übernachtungsmöglichkeiten für Individualtouristen. Unterkommen kann man nicht nur in teuren Hotels, sondern auch in preiswerteren kleinen Pensionen, Ferienhäusern oder auf Bauernhöfen oder Campingplätzen. Auf einem der zahlreichen Gestüte kann man sich ein Pferd ausleihen und einen schönen Tag zu einem Reitausflug nutzen. Auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad lässt sich die Gegend wunderbar erkunden. Wo sonst kann kilometerweit wandern, ohne einer Menschenseele zu begegnen? Gerade die schönsten Dinge sieht und erlebt man auf den Nebenstrecken, abseits der üblichen "Trampelpfade".
Und sollte der Besucher erst im Spätsommer oder Anfang September nach Masuren kommen, darf er ein einzigartiges Naturschauspiel nicht verpassen: Scharen von Störchen, die sich vor ihrem Abflug in den Süden auf den Wiesen versammeln. Ein garantiert unvergessener Anblick! (bw)
