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Ausgegeben am Sonntag, dem 20.05.2013, um 0.55 Uhr.

Der Königsweg
Der Königsweg begann am Hohen Tor und führte an der Peinkammer vorbei durch das Goldene Tor in die Langgasse, überquerte den Langen Markt und endete am Grünen Tor an der Mottlau. Die Langgasse ist die Hauptstraße der Rechtstadt, die heute eine Fußgängerzone ist. In ihr wohnten die wohlhabenden Patrizier. Die Häuser besitzen die für Danzig typischen schmalen Fassaden. Das Grundstück der Hausnummer 12, auf dem das Uphagenhaus steht, ist nur 9 Meter breit. Das Haus selbst erhielt seine heutige Gestalt, nachdem der Ratsherr Johann Uphagen es 1775 erworben hatte. Die Fassade des Uphagenhauses ist schlicht gestaltet. Ganz im Gegensatz zum Löwenschloss in der Langgasse Nr. 35, schräg gegenüber vom Rathaus. Es stellt ein hervorragendes Beispiel des Danziger Manierismus dar (Spätform der Renaissance). Das Portal krönen zwei Löwen. Daher der Name. Das Rathaus entstand im 14. Jahrhundert als ein einstöckiger Bau und wurde im Laufe der folgenden Jahrhunderte immer wieder umgebaut und erweitert. Der repräsentative Bau mit seinen reich verzierten Innenräumen spiegelt die wirtschaftliche Macht Danzigs wieder. Der prächtigste Saal ist der Rote Saal, dessen Wände bis zur Mitte mit rotem Jacquardsamt bespannt sind. Die obere Hälfte der Wände ist geschmückt mit Bildern des holländischen Malers Vredeman de Vries.
Hinter dem Rathaus beginnt der Lange Markt, dessen Blickfang der Neptunbrunnen ist. Er wurde auf Initiative des Danziger Bürgermeisters Bartolomeo Schachmann errichtet. Die Neptunfigur wurde nach Vorlagen der Bildhauer Peter Husen angefertigt. Gegossen wurde sie aber nicht in Danzig, sondern 1615 im weit entfernten Augsburg. Das reich verzierte Gitter ist ein Werk von Hans Rogge aus dem Jahr 1634 und das Brunnenbecken schuf H. C. Stender zwischen 1757 und 1761.
Der Brunnen steht vor dem Artushof, in dem sich seit dem Mittelalter die Kaufleute trafen. Nachdem das Gebäude 1476 abgebrannt war, errichteten es die Danziger zwei Jahre später im spätgotischen Stil. 1616 baute der Architekt Abraham van der Blocke den Artushof im Renaissancestil um. Die Decke des 350 m² Großen Saales des Artushofes ruht auf vier schlangenförmigen Granitpfeilern. Zu den besonderen Einrichtungsgegenständen des Großen Saales gehört ein zwölf Meter hoher Kachelofen.
Auf dem Langen Markt sind zwei der prächtigsten Bürgerhäuser von Danzig zu finden. Das Schöffenhaus mit seiner spätgotischen Fassade und seinem barocken Giebel ist die Nr. 43 und das Goldene Haus mit der Hausnummer 41, das zwischen 1609 und 1618 nach einem Entwurf von Abraham van den Blocke entstand.
Am Ende des Königsweges steht das Grüne Tor aus den Jahren zwischen 1564 und 1568. Es war als repräsentativer Bau geplant und sollte als eine Art Gästehaus für Hohe Besucher der Stadt dienen. Gleich hinter dem Grünen verläuft die Mottlau. Zum anderen Ufer führt die Grüne Brücke (früher Koggenbrücke).
Am Ufer der Mottlau
Links vom Tor ist in einigen hunderte Meter Entfernung das Krantor zu sehen. Es wurde zwischen 1442 und 1444 im gotischen Stil errichtet. Es ist das bekannteste Wahrzeichen der Stadt und auf vielen Postkarten und Bildern zu finden. Das Krantor diente zum Be- und Entladen von Schiffen. Zwischen seinen beiden Türmen ragt ein Holzüberbau über die Mottlau, an dem zwei Hebevorrichtungen angebracht sind. Mit der oberen konnten Lasten mit einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen in eine Höhe von 27 m gehoben werden. Die untere Hebevorrichtung befand sich in 11 m Höhe. Die Kraft zum Heben der Lasten wurde mithilfe von zwei Laufrädern erzeugt, in denen die Kranarbeiter auf Sprossen treten mussten. Ihre Funktionsweise entspricht der von Laufrädern für Mäuse und Hamster.
Zwischen dem Grünen Tor und dem Krantor verläuft die Lange Brücke, die Uferstraße. Von hier aus fahren Schiffe zur Westerplatte, nach Gdingen und zur Halbinsel Hela. Die Häuser in der Uferstraße wurden in den 90er Jahren restauriert. Unterbrochen wird die Häuserfront vom Brotbänkentor (Brama Chlebnicka), vom Frauentor (Brama Mariacka) und vom Brama Sw. Ducha.
Brotbänkengasse
Durch das Brotbänkentor gelangt man in die Brotbänkengasse, die am Englischen Haus und an der Marienkirche vorbeiführt und schließlich am Großen Zeughaus endet. 1560 erhielt Johann Kramer von Kaufmann Dirk Lydge den Auftrag zum Bau des Englischen Hauses. Mit seinen acht Stockwerken war es mit seiner Renaissancefassade das höchste Gebäude seiner Zeit in der Stadt.
Die Marienkirche dagegen ist die höchste Backsteinkirche der Welt. Auch heute noch. Mit ihren 4.900 m² soll sie 25.000 Menschen Platz bieten. Die 26 Pfeiler im Inneren der Kirche, die die Gewölbe der drei Kirchenschiffe stützen, erreichen die Schwindel erregende Höhe von 30 m. Die gotische dreischiffige Kirche entstand in vier Etappen: 1343 Baubeginn, 1379 Beginn des Baus von Querhaus und Apsis, 1466 Ende des Turmbaus, 1498 bis 1502 Gewölbebau. Einige Jahre später, nämlich zwischen 1510 und 1517 schuf der Meister Michael den Hauptaltar in Augsburg. An der Westseite des Hauptschiffes – gleich hinter dem Eingang der Kirche - schwebt das zwischen 1625 und 1629 von Peter Bringemann geschaffene Orgelprospekt, das zwischen 1980 und 1985 restauriert wurde. In der Marienkirche sind zahlreiche Kunstschätze zu bewundern. Zu ihnen gehören die Astronomische Uhr (1464 bis 1470, von Hans Düringer), ein Gotisches Sakramenthaus (nördliche Seite des Hauptschiffes), das Epitaph der Valentine von Karnitz (1590), das Gemälde „Taten der Barmherzigkeit“ (1607, von Anton Möller, nördliche Seite des Hauptschiffes) und die Orgel (um 1630, von Martin Friese).
Die Brotbänkengasse endet schließlich am Großen Zeughaus, das im Stil des niederländischen Manierismus errichtet wurde. Der Architekt war Hans Straforski. Die Fassade des Zeughauses, in das heute ein Supermarkt zum Shoppen einlädt, wurde erst 2005 restauriert und erstrahlt nun wieder in altem Glanz.
Frauengasse
Doch zurück zur Mottlau. Das nächste Tor hinter dem Brotbänkentor ist das Frauentor (zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts), das in die Frauengasse führt. Charakteristisch für die Frauengasse sind die Beischläge, die früher vor Hochwasser schützen sollten. In den unteren Geschossen haben sich vor allem Juweliere niedergelassen, die auf die Anfertigung von Bernsteinschmuck spezialisiert sind. Ein Blick in die Schaufenster verrät, dass es sich bei den meisten Schmuckgegenständen um Unikate handelt. Die Preise sind dementsprechend hoch. Mit ein wenig Glück kann man einem Handwerker bei der Arbeit zuschauen. In den Sommermonaten ist die Frauengasse hoffnungslos überlaufen. Die Touristen drängeln sich förmlich von einem Ende zum anderen. Am Rand der Gasse haben die Geschäfte kleine Verkaufsstände aufgebaut, Straßenhändler bieten ihre Waren an und Straßenmusiker unterhalten die Touristen. Am Ende der Frauengasse erhebt sich die Marienkirche.
Heilig-Gasse
Das dritte Tor zwischen Grünen Tor und Krantor ist das Brama Sw. Ducha, das in die Heilig-Gasse führt. Im Juli und August beginnt hier der Dominakermarkt, der sich in den Gassen und Straßen Richtung Norden ausbreitet.
Altstadt
Bereits im 13. Jahrhundert existierte auf dem Gebiet der Altstadt, eine Siedlung. Die Altstadt, die nördlich von der Rechtstadt liegt und in der sich vor allem Handwerker lebten und arbeiteten, ist damit älter als die Rechtstadt. Die einzelnen Stadtteile Danzigs entwickelten sich im Mittelalter nicht gleichmäßig, weil sie anfangs selbstständige Verwaltungseinheiten bildeten und unterschiedliche Rechte hatten. Zwei Beispiele: Während die Rechtstadt bereits 1343 vom Deutschen Orden das Stadtrecht nach kulmischen Recht erhielt, bekam die Altstadt es erst 1375. Auch wurde zunächst nur die Rechtstadt 1361 Mitglied der Hanse.
Beim Gang durch die Altstadt fällt heute auf, dass die historische Bausubstanz kein geschlossenes Ensemble mehr darstellt. Nach dem II. Weltkrieg haben die Danziger nur die wertvollsten historischen Gebäude wieder aufgebaut. Zu ihnen zählt die Große Mühle, die auf einer kleinen Insel im Kanal steht Durch die Altstadt zieht sich der Radaune-Kanal, der die zwölf (später 16) Wasserräder der Mühle antrieb. Ihren Betrieb nahm die Mühle 1650 auf. Heute beherbergt sie ein Einkaufszentrum. Nur wenige Meter entfernt steht die Kleine Mühle. Erhalten geblieben (bzw. rekonstruiert) sind alle Kirchen in der Altstadt. Sie heißen Bartholomäuskirche, Brigittenkirche, Elisabethkirche, Jakobskirche, Josephskirche und Katharinenkirche. (Frank Hilbert)
