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Ausgegeben am Samstag, dem 20.12.2014, um 19.46 Uhr.


Danzig - das Rechtstädtische Rathaus


Roter Saal im Rechtstädtischen Rathaus in Danzig
Roter Saal im Rechtstädtischen Fotos: Hilbert Nach der völligen Zerstörung der Stadt Danzig durch den Deutschen Orden im Jahr 1308 - Danzig ging damals an den Deutschen Orden - begann der Wiederaufbau der Stadt und der Bau des heutigen Rathauses. Es handelte sich dabei um ein einstöckiges Gebäude aus Holz und Ziegelsteinen. Die Danziger errichteten es zwischen 1327 und 1336. Gleichzeit gestalteten die Danziger den Grundriss der Stadt neu. Es entstanden die Rechtstadt (1340), die Jungstadt (1380) und die Vorstadt (1393).


Bereits Ende des 14. Jahrhundert wurde das Rechtstädtische Rathaus um- und ausgebaut. Anlass war die Einführung des Kulmer Rechts. Nach dem Kulmer Recht bestand die Stadtverwaltung aus dem Rat, der über die Stadt regierte, und dem Schöffengericht, dem die Gerichtsbarkeit unterstellt war. Für die erweiterten Aufgaben der Stadtverwaltung war das Rathaus zu klein. Aus diesem Grund beauftragte die Stadt den Baumeister Hinrich Legeade mit dem Ausbau des Rathauses. In den Jahren zwischen 1379 und 1382 unterkellerte er das Gebäude. Es erhielt eine rechteckige Form, ein zweistufiges Dach und einen 15 m hohen Turm mit einer Betzeitglocke.

Das Rathaus – Residenz des Königs

Im 15. Jahrhundert  - nach der Niederlage des Deutschen Ordens in der Schlacht von Tannenberg 1410 - strebten die Städte in Westpreußen, zu denen Danzig, Thorn und Elbing gehörten, nach politischer Unabhängigkeit und damit mehr wirtschaftlicher Unabhängigkeit vom Deutschen Orden. Dazu gründeten die drei Städte 1440 den Preußischen Bund, der 1454 den polnischen König Kazimierz Jagiełło um Hilfe gegen den Deutschen Orden bat. Es begann der dreizehnjährige Krieg, der im Thorner Frieden von 1466 mündetet. Westpreußen – und damit Danzig, Thorn und Elbing – fielen an Polen. Danzig behielt seine Privilegien, die der polnische König bereits während eines Besuches am 25. Mai 1457 bestätigt hatte. Zu den Privilegien zählte:

  • Befreiung von allen Zöllen und Abgaben,
  • das Recht, das Stapelrecht und
  • die freie Entscheidung über Krieg,
  • Bündnisse und Frieden).

Danzig wurde Königsstadt. Besuchte der König die Hansestadt, residierte er im Rathaus. Also musste das Rathaus umgebaut werden, damit es den repräsentativen Ansprüchen genügte, die an eine Wohnstätte des Königs gestellt wurden. Der Turm wurde erhöht und erhielt eine Haube mit Kupferdach und die Ostfassade, die an den Langmarkt grenzt, erhielt eine Reihe architektonischer Verzierungen.

Programmierbares Glockenspiel

Seinen Renaissancestil erhielt das Rathaus im 16. Jahrhundert. Auslöser für den erneuten Umbau war ein Brand am 3. Oktober 1558, der das Rathaus zum Teil zerstörte. Die Danziger begannen zunächst mit der Umgestaltung des Turmes, indem sie ihm eine prächtig verzierte Haube aufsetzten, deren Spitze ab 1561 eine mit Blattgold überzogene Statue des polnischen Königs Sigismund II. August zierte. Mit der Königsstatue wollten die Danziger ihre Dankbarkeit gegenüber dem König ausdrücken, der die Danziger Protestanten durch die Verleihung des Religionsprivelegs mit den Katholiken gleichgestellt hatte.

Für jeden Stadtbewohner hörbar war eine andere Neuerung im Rechtstädtischen Rathaus. In den Turm zog ein Glockenspiel ein, das aus 14 Glocken bestand. Jede der Glocken war verziert mit den Wappen des königlichen Preußens, Danzigs und Polens. Mithilfe eines Drehzylinders konnte das Glockenspiel zu bestimmten Anlässen mit unterschiedlichen Melodien programmiert werden. Zur Begrüßung des polnischen Königs spielten die Danziger zum Beispiel „Te Deum Landamus“ („Dich Gott loben wir“).

Das Rathaus erhielt während der Umbauarbeiten außerdem eine Ballustrade mit Renaissancetürmchen an den Ecken. In einem der Türmchen befand sich die „Armesünderglocke“, die während der Vollstreckung von Todesstrafen geläutet wurde.

Große Galerie und Roter Saal

Der großzügige Umbau des Rechtstädtischen Rathauses spiegelte die wirtschaftliche Macht und den Reichtum der Danziger Bürger wider und setzte sich in den folgenden zwei Jahrhunderten im Inneren des Rathauses fort. Vom Hauptportal, das zwischen Daniel Eggert zwischen 1766 und 1768 errichtete, gelangt man über eine Steintreppe in die Hauptdiele. Blickfang der Diele sind eine Galerie und eine Wendeltreppe, die sich um eine 7,5 m hohe Eichensäule windet. Die Eichensäule endet in einer Statue der griechischen Kriegsgöttin Pullas Athena. Die Einrichtung der Diele wurde während des Rathausbrandes im März 1945 völlig zerstört. Galerie und Wendeltreppe konnten von polnischen Restauratoren nach dem II. Weltkrieg wieder rekonstruiert werden.

Zu den wenigen geretteten Teilen der Hauptdiele gehört ein spätbarockes Portal (1685), durch das man in den prächtigsten Raum des Rathauses, den Roten Saal, gelangt. Blickfang im Roten Saal ist ein prunkvoller Kamin, den das Danziger Wappen ziert. Errichtet hat ihn der holländische Bildhauer Willem van der Meer im Jahr 1593. An die Wände des Saales lehnen sich die Sitzstühle der Ratsherren. Der Raum unter den Bänken diente als Aufbewahrungsort für Bücher und ist mit Türen verschlossen, die kunstvoll mit Intarsien verziert sind. Über den Bänken sind die Wände bis zur Mitte mit rotem Jacquardsamt bespannt. Die obere Hälfte der Wände ist geschmückt mit Bildern des holländischen Malers Vredeman de Vries, der sie zwischen 1592 und 1595 malte. Geprägt sind die Bilder durch moralische und ethische Inhalte.

Isaak an den Block zeichnet verantwortlich für die Deckenverzierung. Auf die mit Schnitzereien verzierte Holzdecke hat er 25 Bilder gemalt, die Szenen aus der Bibel und der Antike zeigen. Die Inneneinrichtung des Roten Saales hat den II. Weltkrieg nur deshalb unbeschadet überstanden, weil die Deutschen die Inneneinrichtung und das bereits erwähnte spätbarocke Portal 1943 in die Umgebung von Danzig ausgelagert hatten. Nach einer aufwendigen Restaurierung konnte die Einrichtung des Roten Saales Ende der 1960er Jahre wieder in das Rathaus zurückkehren.

Der Weiße Saal

Die Einrichtung der anderen Räume fiel im II. Weltkrieg dagegen den Flammen zum Oper. Dazu gehört die des Großen Wettsaales, der auch Weißer Saal genannt wird. Er liegt rechts von der Großen Diele. In ihm hielten die polnischen Könige ihre Audienzen ab, wenn sie sich in Danzig aufhielten. Ursprünglich war der Saal mit Darstellungen der Schlacht von Tannenberg und der Seeschlacht der polnischen Flotte gegen die Schweden vor Danzig am 28. November 1627 geschmückt. Nach der II. Teilung Polens entfernten die preußischen Machthaber die Bilder. Sie wurden unter anderem durch eine Darstellung des Abzuges der französischen Armee aus Danzig am 2. Januar 1814 ersetzt. Die Decke erhielt ein neogotisches Gewölbe, das weiß gestrichen war. Daher der Name Weißer Saal. Wie bereits erwähnt, ging die Einrichtung gegen Ende des II. Weltkrieges in Flammen auf. Heute zieren den Saal Bilder und Wandteppiche polnischer Künstler.

Kleiner Saal

Hinter dem Roten Saal liegt der Kleine Saal, der als Tagungssaal und als Arbeitszimmer des Bürgermeisters diente. Von den Gemälden des Meisters Isaak van den Block, die sich zwischen den Gewölbebögen auf der linken Seite des Raumes befanden, hat nur das mit dem Titel „Strafe und Belohnung“ (1612) den II. Weltkrieg überstanden. An der Stirnseite des Zimmers befindet sich ein Kamin aus Marmor, der in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet worden ist. Er trägt die Inschrift „Candite et since“ („Unschuldig und ehrlich“).

1. und 2. Obergeschoss

Im 1. Obergeschoss ist noch der Tierkreissaal zu erwähnen. Er besitzt ein Tonnengewölbe mit Tierkreiszeichen. Sie sind das Werk des polnischen Künstlers Jacek Zuławski. Das 2. Obergeschoss wird für Ausstellungen genutzt. Die Inneneinrichtungen und Malereien an den Decken und Wänden sind nicht erhalten. Lediglich in der früheren Stadtkasse hängen einige Bilder von Isaak van den Block („Vor der Sintflut“, „Noah mit der Familie auf dem Weg zur Arche“, „Die Sintflut“, „Noahs Opfer“, „Der Bau des Turmes Babel“) und ein Bild von Anton Möller („Zinsgroschen“, 1601).

Vom Rathausturm hat man übrigens einen hervorragenden Blick auf die ul. Długa, den Długi Targ und die Marienkirche. Der Aufstieg lohnt sich. (Frank Hilbert)


Sehenswürdigkeit:

Museum für Geschichte der Stadt Danzig (Muzeum Historyczne Miasta Gdańska)
ul. Długa 47
80-861  Gdańsk (Danzig)
Tel.: +48 (0) 58 7679100
E-Mail: kancelaria@mhmg.pl
Internet: www.mhmg.gda.pl

Stadtplan

Danzig (Gdańsk) - Museum für Geschichte der Stadt Danzig, ul. Długa 47, 80-861 Danzig (Gdańsk) - Museum für Geschichte der Stadt Danzig, ul. Długa 47, 80-861 Gdańsk (Danzig) (Google Maps)



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