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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 2.07 Uhr.

Benzin in die Kellerräume gepumpt
Auf deutscher Seite war ein Angriffsplan auf die Post bereits am 3. Juli 1939 ausgearbeitet worden. Er sah den Einsatz von Stoßtrupps zu je 15 Mann vor. Am 1. September hielten sich in der Post 58 Personen auf, darunter die Frau des Hausmeister Margorzata Pipka und ihre 11jährige Pflegetochter Erwina Borzychowska. Gegen vier Uhr kappten die Deutschen die Telefonleitung und stellten den Strom ab. Mit Sprengladungen versuchten Angehörige der Danziger Schutzpolizei und der SS-Heimwehr die Post zu erobern. Die Postangestellten wehrten sich mit Pistolen, leichten Maschinengewehren und Handgranaten. Erst nach der vierten Angriffswelle gaben die Postangestellten auf. Der Leiter des deutschen Angriffs, Willy Bethke, hatte Benzin in die Kellerräume des Gebäudes pumpen und anzünden lassen. Fünf Menschen verbrannten. Die 11jährige Erwina Borzychowska starb wenige Tage später im Krankenhaus an ihren Brandverletzungen. Als erster verließ der Direktor Jan Michon mit einem weißen Laken in der Hand das Postgebäude. Er wurde mit einem Bauchschuss getötet. 27 Postangestellte und Margorzata Pipka wurden mit einem Lastwagen in eine Gestapo-Sammelstelle transport. 16 Schwerverletzte kamen ins Krankenhaus.
Schläge mit dem Gewehr
Die Danzigerin Lisa Barendt, die in der Nähe der Polnischen Post wohnte, erinnert sich in ihrem Buch "Danziger Jahre":
"Wir wurden von SS-Männern aufgehalten und sahen, wie Polen im Schlafanzug, deren Frauen im Morgenrock, einen Lastwagen besteigen mussten. Wenn sie nicht schnell genug waren, bekamen sie Schläge mit dem Gewehr. [...] Den ganzen Tag hörten wir das Geheule der Stukas und das Bersten der Bomben, die auf die Westerplatte fielen. Wir vernahmen auch das Getöse der Geschütze vom Schiff und etwas näher den Kampf um die polnische Post. [...] Am nächsten Nachmittag dauerte der Kampf um die Post noch an, doch dann folgte eine unheimliche Ruhe. Es kamen etwas später zwei geschlossene Lastwagen vorbeigefahren, in denen sich die Polen befanden, die sich, nach dem Einsatz von Flammenwerfern, ergeben hatten."
Die Überlebenden, die Lisa Barendt in ihrem Buch erwähnt, verurteilte ein deutsches Kriegsgericht wegen Freischärlerei zum Tode. Die Todesurteile wurden am 5. Oktober auf dem Friedhof Saspe (Zaspa) vollstreckt. Die sterblichen Überreste der Hingerichteten fand man übrigens erst in den 1990er Jahren bei Bauarbeiten.
In der Post ist heute das Museum für Post- und Fernmeldewesen untergebracht. (Frank Hilbert)