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Danzig (Gdańsk) - Wanderung durch Langfuhr und Jäschkental

Nach ca. 4 Minuten Fahrt vom Danziger Hauptbahnhof mit der städtischen Schnellbahn erreichen wir die Station Gdansk Politechnika in Wrzeszcz (Langfuhr). Wir bewegen uns heute auf den Spuren von Günter Grass und wollen uns darüber hinaus die hübschen Villen im Jäschkental (Jaśkowa Dolina) anschauen.

Villa im Danziger Stadtteil Jäschkental
Villa in der ulica Pawłowskiego. Fotos: Frank Hilbert

Vor uns die erste Station, das „Conradinum“. Diese Ehrfurcht einflößende, wuchtige Lehranstalt aus Backstein in der ul. Piramowicza hat Grass in den 30-ern besucht und u. a. in seinem letzten Werk „Beim Häuten der Zwiebel“ erwähnt. Auf der Aleja Zwyciestwa, der Hauptverkehrsstraße zwischen Danzig und Gdynia, biegen wir nach links ab und laufen vorbei an dem in einer hübschen Villa untergebrachten Konsulat der Bundesrepublik Deutschland und der eher tristen baltischen Oper. Am Operhaus überqueren wir die Aleja Zwyciestwa und laufen quer durch den Akademischen Park, der 1956 auf einem alten Friedhofsgelände angelegt wurde. Dort ist ein Lapidarium: Alte Grabsteine aus dem 18. und 19. Jahrhundert vom katholischen Friedhof. Nicht weit von hier erinnert ein kleiner Gedenkstein an die jüngsten polnischen Soldaten, die im II. Weltkrieg ihr Leben verloren haben. Wir biegen auf der ul. Narutowicza nach links ab und gehen direkt auf den Eingang der Technischen Hochschule zu. An dieser Schule hatte - so erfährt der fleißige Leser von Günter Grassens Autobiographie "Beim Häuten der Zwiebel" - seine Kunstlehrerin an der Petri-Oberschule studiert. Ihr Lehrer war Professor Pfuhle, bei dem auch Grass "später einen Laienkurs besuchte".

Das Hauptgebäude aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert mit seiner prächtig mit maritimen Motiven und technischen Symbolen geschmückten Fassade sowie die umliegenden Gebäude der einzelnen Institute sind eine interessante Sehenswürdigkeit. Erhalten geblieben ist der Torso der Maschinenhalle, die zwischen 1900 und 1904 zusammen mit dem Hauptgebäude der Technischen Hochschule errichtet wurde. Die Maschinenhalle diente der Erzeugung von Elektroenergie und zur Versorgung der Hochschulgebäude mit Wärme. Neben seiner Funktion als Kraftwerk diente sie auch für den Unterricht der Studenten. Zur Maschinenhalle gehörte ein 28 m hoher Kühlturm aus Stahl. Der Turm wurde 1994 abgerissen, weil er in einem sehr schlechten technischen Zustand war. Der obere Teil des Turms wurde neben die Maschinenhalle gestellt. Auf informativen Schautafeln mit Fotos und Kopien technischer Zeichnungen können die Besucher Interessantes über die Entstehungsgeschichte und Funktion des Kühlturms nachlesen.

Bronzene Figur des Oskars Mazerath aus der Blechtrommel.

Rechts vom Haupteingang zur Hochschule, in der ul. Bracka, stehen einstöckige Arbeiterhäuser aus Backstein. Sie sind zwar sehr verfallen, dafür aber bis auf die Originalblumenkästen in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten.
Die ul. Bracka mündet zunächst in die ul. Fiszera und schließlich in die ul. Matejki, die von palastähnlichen, jedoch stark verfallenen Bürgerhäusern umsäumt ist. Von hier aus sind es nur noch wenige Gehminuten zum Jäschkental. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden hier zahlreiche verspielte Villen. Besonders sehenswert sind das Haus der Familie Steffens im Stil der Neo-Renaissance sowie eine Backsteinvilla mit Turm von 1899 in der ul. Jaśkowa Dolina 19. Das hübscheste Haus von allen steht in der ulica Pawłowskiego: eine märchenhafte Villa nach dem Entwurf von Henenhanf, die sehr dem Haus von Gerhard Hauptmann im Riesengebirge ähnelt. Heute ist hier ein Altersheim untergebracht. Der Zahn der Zeit hat an dem Haus deutlich genagt, das umliegende Gärtchen wird jedoch von den hier lebenden älteren Damen gehegt und gepflegt.

Wir gehen nun auf der ul. Do Studzienki in Richtung Norden unter den Bahngleisen, die Wrzeszcz (Langfuhr) durchschneiden, hindurch zum Plac Ks. B. Komorowskiego und biegen von dort in die ul. Lelewa (früher Labesweg) ein. Eines der eher unscheinbaren Arbeiterhäuser, die Nummer 13, bewohnte in den 30er Jahren die Familie Grass. Einhundert Meter weiter wurde in einer kleinen Grünanlage zu Ehren des berühmten Stadtsohns, Günter Grass, eine Bank mit der bronzenen Figur des Oskars Mazerath aus der Blechtrommel aufgestellt. Unser Spaziergang durch das frühere Langfuhr und Jäschkental endet am Bahnhof der städtischen Schnellbahn Wrzeszcz. Von hier sind es nur etwa sechs Minuten bis zum Hauptbahnhof von Danzig. (fh)