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Danzig (Gdańsk) - Konzentrationslager Stutthof

Das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof liegt - idyllisch im Wald - östlich der Weichselmündung zwischen Ostsee und Haff. Besucher fahren auf der Straße nach Krynica Morska und biegen nach links ab. An der Straßenecke steht das Haus, in dem der zweite Lagerkommandant Werner Hoppe gewohnt hat. Es ist ein Haus im Stil der 30er Jahre mit Garten und Kinderschaukel.

Gaskammer und Krematorium im KZ Stutthof
Gaskammer und Krematorium im KZ Stutthof. Foto: Hans Weingartz
Der Eingang zur Gedenkstätte KZ-Stutthof ist nur einige hundert Meter entfernt. Kindern unter 13 Jahren ist der Zugang zum Museum verwehrt, ist auf der Website des Museums www.stutthof.pl zu lesen. Das verwundert nicht angesichts der Grausamkeiten, die Deutsche hier verübten. In Stutthof starben von 1939 bis 1945 zwischen 65.000 und 85.000 Menschen: Polen, Sowjets, Norweger, Franzosen, Tschechen, Litauer, Letten, Dänen, Deutsche und Ungarn. Sie lebten in unvorstellbarer Enge und unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen. An ihr Leiden erinnert heute ein Denkmal, das das Grauen fassbar macht. Hinter Glas liegt die Asche von ermordeten Menschen.

Schwarze Listen mit Namen von Polen

Pläne für die Errichtung eines Konzentrationslagers gab es schon in den 30er Jahren. Seit 1936 legten die Nazis in Danzig Schwarze Listen mit Namen von "unerwünschten polnischen Elementen" an, die im Konfliktfall mit Polen interniert werden sollten. Auf dem Gelände, das zum Freistaat Danzig gehörte, befand sich vor Ausbruch des II. Weltkrieges ein Altenheim. Mitte August 1939 rückten SS-Mannschaften mit Gefängnisinsassen aus Danzig an und begannen, einen Zaun um das Gelände zu ziehen. Erster Lagerkommandant wurde - bis 1942 - Max Pauly. Sein Nachfolger hieß Werner Hoppe.

Am 2. September 1939  überführten die  Nazis aus dem Gestapo-Sammellager in der Victoria-Schule in Danzig 150  Gefangene nach Stutthof, die am 3. September mit dem Bau der Gebäude auf dem KZ-Gelände beginnen mussten. Das Konzentrationslager diente zunächst als Zivilgefangenenlager vor allem für Polen. Die ersten Juden kamen ebenfalls im September 1939 nach Stutthof. Große Transporte mit Juden erreichten Stutthof aber erst 1944 im Zuge der Evakuierung der Konzentrationslager im Osten Polens. Ende 1944 deportierten die Nazis auch etwa 44.000 jüdische Frauen aus Ungarn nach Stutthof. Das KL Stutthof (KL war in der Amtsspreche der Nazis die Bezeichnung für Konzentrationslager.) wurde zu einem Massenvernichtungslager.

Brief eines Gefangenen im KZ Stutthof
Brief eines Gefangenen im KZ Stutthof vom 24. Dezember 1944: "Meine Lieben! Wenn auch stets meine Gedanken bei Euch sind, so sind sie heute am Weihnachtsheiligabend ganz besonders bei Euch. Ob Ihr wohl auch ein klein wenig an mich denken werdet? Ich wünsche Euch allen ein frohes & gesundes Weihnachtsfest. Möge Friede & Eintracht bei Euch sein & möget Ihr [... untere Hälfte fehlt] Einen besonderen herzl. Gruß an Ine, Erna + alle, die nach mir fragen sollten. Könnt Ihr mir etwas Brot schicken? + auch Rauchwaren". Quelle: Unknown, Stutthof-2, CC BY-SA 2.0 DE

Töten mit Benzin- und Giftspritzen

Zum KZ Stutthof gehörten 39 Außenstellen. Die größten befanden sich in Thorn und Elbing. Insgesamt  waren 110.000 Häftlinge in Stutthof inhaftiert. Für weitere 50.000 Häftlinge war das Konzentratioslager Durchgangsstation. Die meisten der Inhaftierten kamen ums Leben. Sie starben an den Folgen von Unterernährung oder erkrankten aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen. Daneben mordeten die Nazis systematisch. Sie töteten die Häftlinge mit einer eigens entwickelten Genickschussanlage, vergasten sie in der 1944 gebauten Gaskammer oder gaben den Kranken - wie im KZ Auschwitz - Phenolspritzen. Zum Repertoire des Mordens gehörten außerdem Foltern und Erhängen. Kurz vor Ende des Krieges, im Januar 1945, schickte die SS rund 11.000 Häftlinge auf Todesmärsche in Richtung Westen oder brachte sie auf Schiffen nach Schleswig-Holstein. Die Hälfte von ihnen starb.

Stutthof war das erste Konzentrationslager außerhalb des deutschen Reichsgebietes und das letzte Konzentrationslager, das befreit wurde. Am 9. Mai marschierten Soldaten der Roten Armee (48. Armee der III. Bellorussischen Front) in das Konzentrationslager Stutthof ein.

Der Kommandant des KZ Stutthof Werner Hoppe wurde 1957 in Bochum wegen Beihilfe zum Mord zu neun Jahren Haft verurteilt. (fh)

Karte

Landkarte von Polen mit Stutthof (Sztutowo)

Sehenswürdigkeit

KZ Stutthof (Muzeum Stutthof w Sztutowie)
ul. Muzealna 6
82-110 Sztutowo
Tel.: +48 (0) 55 2478353
Fax: +48 (0) 55 2478353
E-Mail: sekretariat@stutthof.org
Internet: www.stutthof.org

Öffnungszeiten:
täglich geöffnet
1. Mai bis 30. September: 08.00 - 18.00 Uhr
1. Oktober bis 30.April: 08.00 Uhr - 15.00 Uhr

Anmerkung:
Der Eintritt ist frei.