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Ausgegeben am
Dienstag, dem 13.05.2008, um 00:29 Uhr.

Schwarze Listen mit Namen von Polen
Pläne für die Errichtung eines Konzentrationslagers gab es schon in den 30er Jahren. Seit 1936 legten die Nazis in Danzig Schwarze Listen mit Namen von "unerwünschten polnischen Elementen" an, die im Konfliktfall mit Polen interniert werden sollten. Auf dem Gelände, das zum Freistaat Danzig gehörte, befand sich vor Ausbruch des II. Weltkrieges ein Altenheim. Mitte August 1939 rückten SS-Mannschaften mit Gefängnisinsassen aus Danzig an und begannen, einen Zaun um das Gelände zu ziehen. Erster Lagerkommandant wurde - bis 1942 - Max Pauly. Sein Nachfolger hieß Werner Hoppe.
Am 2. September 1939 überführten die Nazis aus dem Gestapo-Sammellager in der Victoria-Schule in Danzig 150 Gefangene nach Stutthof, die am 3. September mit dem Bau der Gebäude auf dem KZ-Gelände beginnen mussten. Das Konzentrationslager diente zunächst als Zivilgefangenenlager vor allem für Polen. Die ersten Juden kamen ebenfalls im September 1939 nach Stutthof. Große Transporte mit Juden erreichten Stutthof aber erst 1944 im Zuge der Evakuierung der Konzentrationslager im Osten Polens. Ende 1944 deportierten die Nazis auch etwa 44.000 jüdische Frauen aus Ungarn nach Stutthof. Das KL Stutthof (KL war in der Amtsspreche der Nazis die Bezeichnung für Konzentrationslager.) wurde zu einem Massenvernichtungslager.
Töten mit Benzin- und Giftspritzen
Zum KZ Stutthof gehörten 39 Außenstellen. Die größten befanden sich in Thorn und Elbing. Insgesamt waren 110.000 Häftlinge in Stutthof inhaftiert. Für weitere 50.000 Häftlinge war das Konzentratioslager Durchgangsstation. Die meisten der Inhaftierten kamen ums Leben. Sie starben an den Folgen von Unterernährung oder erkrankten aufgrund der katastrophalen hygienischen Bedingungen. Daneben mordeten die Nazis systematisch. Sie töteten die Häftlinge mit einer eigens entwickelten Genickschussanlage, vergasten sie in der 1944 gebauten Gaskammer oder gaben den Kranken - wie im KZ Auschwitz - Phenolspritzen. Zum Repertoire des Mordens gehörten außerdem Foltern und Erhängen. Kurz vor Ende des Krieges, im Januar 1945, schickte die SS rund 11.000 Häftlinge auf Todesmärsche in Richtung Westen oder brachte sie auf Schiffen nach Schleswig-Holstein. Die Hälfte von ihnen starb.
Stutthof war das erste Konzentrationslager außerhalb des deutschen Reichsgebietes und das letzte Konzentrationslager, das befreit wurde. Am 9. Mai marschierten Soldaten der Roten Armee (48. Armee der III. Bellorussischen Front) in das Konzentrationslager Stutthof ein.
Der Kommandant des KZ Stutthof Werner Hoppe wurde 1957 in Bochum wegen Beihilfe zum Mord zu neun Jahren Haft verurteilt. (Frank Hilbert)