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Danzig (Gdańsk) - Festung Weichselmündung


Festung Weichselmündung
Festung Weichselmündung. Fotos: Frank Hilbert „Die Dampfbootfahrt nach Neufahrwasser ist sehr zu empfehlen. Das Boot windet sich auf der Mottlau durch Fahrzeuge aller Art hindurch und gelangt dem Holm gegenüber in die Weichsel. Bei der Festung Weichselmünde, aus deren grünen Wällen ein uralter nicht mehr gebrauchter Verteidigungsthurm hervorblickt, legt das Boot an und hält darauf bei dem schräg gegenüber gelegenen Neufahrwasser, einem nur vom Schiffsverkehr lebenden Ort. Zwei Stunden reichen zur Besichtigung der Molen, des Leuchtthurmes und zu einem Seebad aus, so dass die Rückfahrt mit dem nächsten Boot geschehen kann.“ Eher beiläufig erwähnt der Baedeker-Reiseführer „Mittel- und Nord-Deutschland“ von 1862 die Festung Weichselmündung, die dreihundert Jahre lang die Einfahrt zum Danziger Hafen kontrollierte. Dabei wäre die Festung durchaus einen Besuch wert, wenn sie ihre Tore für Besucher geöffnet hätte. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird jedoch seit Jahren restauriert und ist aus diesem Grund geschlossen. Betrieb herrscht hier in den Sommermonaten trotzdem. Der Wassergraben, der die Festung umgibt, dient als Seglerhafen.


Die Geschichte der Festung reicht bis in die Zeit des Deutschen Ordens zurück. Im 14. Jahrhundert stand an dieser Stelle eine Wache aus Holz, die zu Beginn des 15. Jahrhunderts abbrannte und – diesmal aus Ziegelsteinen – neu errichtet wurde. Mit dem Bau der Festung begannen die Danziger erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts. 1482 errichteten sie an der Stelle einen runden Turm aus Backstein. Zu den Aufgaben der Besatzung des Turmes, der auch als Leuchtturm diente, gehörte die Überwachung des Schiffsverkehrs, die Verteidigung des Zugangs zum Danziger Hafen und das Kassieren von Zöllen.

Offiziersunterkünfte am Mauerkranz am TurmUmgeben ist der Turm von einem kranzförmigen Mauerwerk mit Unterkünften für Offiziere. Errichtet wurde das Mauerwerk zwischen 1562 und 1563. Die Offiziersunterkünfte, 15 schmale Häuser, entstanden im 17. Jahrhundert. Zwischen 1562 und 1563 ließen die Danziger ein Festungswerk nach den Plänen von Antonius von Obbergen und Stadtbaumeister Hans Strakofski errichten. Im 17. Jahrhundert wurde das Festungswerk durch eine Schanze nach holländischem Vorbild erweitert. Das äußere Festungswerk besteht aus einem Fort Carr� und einer Schanze mit fünf Basteien.

Alte Wasserleitungen aus Holz in der Festung WeichelmündungAlte Wasserleitungen aus Holz.In ihrer Geschichte war die Festung Weichselmündung oft Schauplatz von Kämpfen. 1577 belagerte König Stefan Batory mit seinen Truppen die Festung erfolglos. Während der Schlacht von Oliva im Jahr 1627 beschossen die Schweden die Festung von See aus. 1734 erfolgte ein Angriff der russisch-sächsischen Armee. 1793 und 1814 rannten die Preußen gegen die Festungsmauern an und 1806 war es die napoleonische Armee, die die Festung angriff. Zeitweise diente sie auch als Stützpunkt für die polnische Flotte. Zwischen 1626 und 1629 lagen die polnischen Kriegsschiffe hier im Schutz der Kanonen vor Anker. Das hielt die Schweden 1628 jedoch nicht davon ab, die Schiffe mit Bodentruppen und Geschützen anzugreifen und die „Zołty Lew“ (Gelber Löwe) sowie die „Swięty Jerzy“ (Heiliger Georg) zu versenken.

Bastion am inneren Festungswerk der Festung Weichselmündung.Bastion am inneren Festungswerk.Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Festung ihre strategische Bedeutung. Am gegenüberliegenden Ufer der Weichsel befanden sich ebenfalls Verteidigungsanlagen, die abgerissen wurden. Die Verteidigung der Weichselmündung übernahmen die Festungen Weichselmündung und die Möwenschanzen. Im 19. Jahrhundert und zu Beginn des 20. Jahrhunderts diente die Festung als Gefängnis für politische Gefangene. Zwischen den Kriegen war sie das Zuhause eines Seglervereins. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Festungsbau beschädigt und war zunächst dem Verfall preisgegeben. Erst seit 1974 gehört die Anlage zum Historischen Museum der Stadt Danzig. Inzwischen ist die Festung in die Liste der 100 der am meisten bedrohten Denkmäler der Welt des World Monuments Watch aufgenommen worden und wird aufwendig restauriert. (Frank Hilbert)

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