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Ausgegeben am
Freitag, dem 09.05.2008, um 14:56 Uhr.

Rathaus
Das Rathaus, das Wahrzeichen der Stadt, ist ein Beispiel der gotischen Architektur. Sein heutiges Aussehen verdankt es einem Umbau zwischen 1470 und 1510. Die Südfassade wurde 1871 mit neugotischen Steinmetzarbeiten verziert. Im Inneren des Rathauses befinden sich beeindruckende Gewölbesäle und mehrere Türen im Stil der Spätgotik und der Renaissance. Untergebracht sind im Rathaus das Historische Museum und das Rynek Stary Museum. Das Rathaus ist auch deshalb etwas ganz besonderes, weil es zu den wenigen Gebäuden der Stadt gehört, die den II. Weltkrieg fast unversehrt überstanden hatten. Das grenzt fast an ein Wunder, denn die Innenstadt war zu 90 Prozent zerstört. Pablo Picasso muss, als er 1948 auf Einladung des „Weltkongress der Intellektuellen für den Frieden“ in der Stadt weilte, der Anblick der Ruinen so erschüttert haben, dass er spontan seine inzwischen weltbekannte Friedenstaube malte.
Marktplatz
Der Marktplatz, in dessen Mitte das Rathaus steht, ist der zweitgrößte in Polen und umgeben von Häusern aller architektonischen Stilrichtungen seit der Renaissance. Zu den schönsten gehören das Haus der Goldenen Sonne und das Haus der Sieben Kurfürsten, mit einer Bemalung aus dem Jahr 1672, an der Westseite des Marktes. Weitere architektonische Perlen sind der „Goldene Hund“ aus dem Jahr 1713 und das Kaufhaus Phönix aus dem Jahr 1904. Beide Häuser finden Sie an der Ostseite. Die Nordseite dagegen wurde nach 1945 umgebaut. Nur in einer Ecke stehen noch zwei Akolythenhäuser. Sie werden Ja¶ (Renaissancestil) und Ma³gosin (Barock) genannt. Gleich dahinter erhebt sich die St. Elisabeth Kirche, deren Turm den Marktplatz weit überragt und damit beherrscht. Die gotische Basilika stammt aus dem 14. Jahrhundert. Ihre Türme wurden erst 1482 fertig gestellt. Die Kirche beherbergt rund 350 Epilophe und Grabsteine, die die Ausstellung schlesischer Steinmetzkunst von der Gotik bis zur Renaissance bilden.
Dominsel
Die Dominsel erreichen Sie über die Dombrücke (Most Tumski), die in den Jahren von 1888 bis 1892 gebaut wurde. Die Statuen der Heiligen Hedwig und Johannes des Täufers, die links und rechts von der Brücke stehen, scheinen den Zugang zur Insel zu bewachen. Die Bezeichnung Insel trifft aber nicht mehr zu. Im 19. Jahrhundert ließen die Breslauer Bürger den nördlichen Arm der Oder zuschütten. Damit war die Dominsel keine Insel mehr.
Die Dominsel ist wahrscheinlich der Geburtsort Breslaus. Als sich das politische Machtzentrum auf das linke Oderufer verlagerte, blieb die Dominsel dennoch das geistliche Zentrum der Stadt. Den architektonischen Mittelpunkt bildet die Johanniskathedrale, die im II. Weltkrieg zu zwei Dritteln zerstört und nach 1945 wieder aufgebaut wurde. Wie viele Kirchen ist auch die Johanniskathedrale ein Sammelsurium der verschiedensten architektonischen Stilrichtungen. Das Presbyterium stammt aus der Zeit zwischen 1242 und 1272, im römisch barocken Stil baute der Italiener Giacomo Scianzi im Jahr 1680 die Kapelle der hl. Elisabeth im Südschiff und 1991 erhielt die Kathedrale ihre beiden Spitztürme. Neben der Johanniskathedrale können Sie auf der Insel aber auch noch andere Kirchen besichtigen. Die Kirche Maria in der ul. Naj¶wiêtszej Panny 1 stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde für Kanoniker (Chorherren) errichtet. Sie ist sehr wuchtig und ihr Turm scheint etwas zu klein geraten zu sein. Die Martinskirche aus dem 13. Jahrhundert wurde im II. Weltkrieg stark beschädigt und nach 1945 umgebaut. Das besondere an ihr ist ihr achteckiges Schiff.
Im Erzdiözesenmuseum, einem neugotischen Bau aus dem Jahr 1886, beherbergt eine schlesische Sammlung von Sakralkunst. Das Museum finden Sie am pl. Katedralny 16. Von der Besichtigungstour erholen können Sie sich im Botanischen Garten, der 1811 angelegt wurde. Es gibt Palmen, einen Alpingarten und Kakteen – insgesamt 700 verschiedene Pflanzenarten sind im Botanischen Garten zu finden.
Rotunde und Nationalmuseum
Wenn Sie vom Marktplatz nach Osten die ul. Wita Stwosza hinuntergehen, die in die Aleja Juliusza S³owackiego übergeht, gelangen Sie zum S³owacki Park mit der Rotunde und dem Panorama von Rac³awice. Das Panorama erinnert an die Schlacht vom 4. April 1794, in der Tadeusz Kosciuszko mit einem Heer von Bauern-Soldaten die Russen geschlagen hat. 1946 ist das Panorama, an dem Jan Styka und Wojciech Kossak neun Monate lang gearbeitet hatten, bevor es der Öffentlichkeit präsentiert werden konnte, von Lemberg nach Polen gekommen. 1985 ist die Rotunde sein neues Zuhause, die extra für diesen Zweck erbaut worden war.
Gleich hinter dem Park, am pl. Powstañców Warszawy 5, steht das Nationalmuseum mit Gemälden aus dem 16. und 17. Jahrhundert und Werken moderner polnischer Künstler. (Frank Hilbert)
