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Breslau - Auf den Spuren von Kriminalrat Eberhard Mock

Er ist kein glattgebügelter, eloquent-charmanter Ermittler a la Sherlock Holmes oder Monsieur Poirot: Die Methoden des Kriminalrats Eberhard Mock, der durch dunkle Gassen des Vorkriegs-Breslau streift, um bestialische Morde aufklären, zeichnen sich durch Scharfsinn, aber auch durch Korruptheit, Brutalität und Zusammenarbeit mit der Breslauer Unterwelt aus. Er flaniert nicht durch die erholsamen Parkanlagen Breslaus oder über die idyllische Dominsel - sein Milieu sind verruchte Kneipen, Bordelle und andere zwielichtige Etablissements, denen er selbst nicht abgeneigt gegenübersteht. Folgen Sie den Spuren der fiktiven Romanfigur des Erfolgsautors Marek Krajewski und lernen die Original-Schauplätze dessen spannender Kriminalromane kennen.

Der Schweidnitzer Keller im Rauthaus von Breslau (Wrocław)
Der Schweidnitzer Keller im Breslauer Rauthaus. Fotos: Frank Hilbert

1. Polizeipräsidium (ul. Szewska 49 - Schuhbrücke)

Das Gebäude stammte aus dem 15. Jahrhundert und war ursprünglich eine Residenz der Fürsten von Liegnitz und Brieg. In den Jahren von 1809 bis 1927 befand sich hier das Breslauer Polizeipräsidium. Nach 1927 wurde das Gebäude der Universität zur Nutzung übergeben. Hier, im zweiten Stock, besprach Eberhard Mock zusammen mit anderen Inspektoren der Breslauer Polizei den Lauf der Ermittlungen der einzelnen Kriminalfälle.

2. Universitätsbibliothek (ul. Łšw. Jadwigi - Neue Sandstraße)

Die alte Universitätsbibliothek befindet sich in einem Gebäude aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde in den Jahren 1811-1815 im Zuge einer Zusammenlegung der Bibliotheken der Jesuitenhochschule, der Universität in Frankfurt an der Oder und der Bibliotheken mehrerer schlesischer Klöster eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die wertvollsten Bestände der Bibliothek ausgelagert, 500.000 alte Drucke jedoch, die im Gebäude verblieben waren, verbrannten 1945. Nach dem Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren wurden hier wertvolle Archivbestände (alte Drucke, Handschriften, Karten, Grafiken etc.) aufbewahrt.
Während seiner Ermittlungen konsultierte Eberhard Mock mehrere Male die Mitarbeiter der Universitätsbibliothek. So auch in dem Roman "Der Kalenderblattmörder", in dem Leo Hartner, der neue Direktor der Universitätsbibliothek, eine verschollene Handschrift aus dem 14. Jahrhundert wiederfand. Diese trug dazu bei, den Mord an der Tochter des Grafen von der Malten zu klären.

3. Der Schweidnitzer Keller (Rynek / Ratusz 1 - Am Rathause)

"Wer nicht im Schweidnitzer Keller war, ist nicht in Breslau gewesen" - lautet ein alter Breslauer Spruch. Urkundlich wurde der Ratskeller erstmals im Jahr 1303 erwähnt. Schon im frühen Mittelalter wurde hier Bier ausgeschenkt. Im Jahr 1519 wurde im Hof eines Bürgerhauses gegenüber der Briestube eine Brauerei eröffnet, die durch einen unterirdischen Tunnel (der übrigens bis heute existiert) mit dem Schweidnitzer Keller verbunden war.
Eberhard Mock war Stammkunde dieses Lokals und genoss hier den einen oder anderen Krug "Breslauer Schöpfs" mit Wurst und Meerrettich - einer Breslauer Spezialität - während er über die noch ungelösten Fälle grübelte.

4. Das Haus unter den Greifen (Rynek 2 - Der Ring)

Erbaut wurde das Haus mit den schönen Greifendarstellungen an den Fassadengiebeln gegen Ende des 14. Jahrhunderts. Es ist das bedeutendste Beispiel für den niederländischen Manierismus in der Breslauer Architektur. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde ein großer Saal im zweiten Stockwerk des Hauses für Theateraufführungen vermietet. Seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert befand sich hier eine Stiftung für wohltätige Zwecke. Heute beherbergt das Haus "Unter den Greifen" ein Restaurant, ein Cafe und ein Antiquariat.
Im Hinterhof des Hauses begann Eberhard Mock seine Ermittlungen zu einem Verbrechen in "Der Kalenderblattmörder". Noch wusste er nicht, dass die Stelle, an der das Haus erbaut wurde, ein äußerst dunkles Geheimnis aus der Zeit der Anfänge der Stadt Breslau verbirg t...

Kaufhaus Wertheim in Breslau (Wrocław)
Kaufhaus Wertheim in Breslau (Wrocław).

5. Bürogebäude (Rynek 9-11, heute Bank BZ WBK)

Gleich nach seiner Errichtung im Jahr 1931 löste das Bürohochhaus kontroverse Kritiken aus, da es aufgrund seines modernistischen Aussehens nicht zu den historischen Bürgerhäusern am Markt passte. Interessant ist das Haus u. a. wegen seines immer noch funktionierenden historischen Fahrstuhls, des "Paternoster". Früher in öffentlichen Gebäuden häufig anzutreffen, wird der Paternoster heute aus Sicherheitsgründen heute nicht mehr eingesetzt. Der Name geht übrigens auf eine Schnur zurück, die Mönchen im Mittelalter beim Beten des Vaterunser ("Pater Noster") diente (ähnlich dem Rosenkranz, der für das Beten des Ave Maria verwendet wird).
In diesem Fahrstuhl segnet in "Tod in Breslau" Max Forster, der Assistent von Eberhard Mock und Zuträger der SS, auf eine recht üble Weise das Zeitliche ...

6. Das Gasthaus zum "Grünen Polen" (ul. Ruska 64 - Reuschestraße)

In der Ulica Ruska 64 (Reuscherstraße) befand sich einst die Schenke "Zum Grünen Polen". Ihr Name geht auf das Mittelalter zurück, als sich an dieser Stelle als Gasthaus befand, in dem gern reisende polnische Händlern abstiegen. Auf einem Schild über dem Eingang war ein schnurrbärtiger Kaufmann mit Pelzmütze und einem grünen Mantel abgebildet.
Bei dicken Scheiben Roggenbrot mit Mettwurst überlegte hier der Kriminalrat Eberhard Mock am 15. Mai 1933, wie er den Mörder der Tochter des Grafen von der Malten auf die Schliche kommt.

7. Pokoyhof (ul. Antoniego/Włodkowica - Antonienstraße/Wallstraße)

An der Stelle, wo die beiden Straßen zusammenkommen, unweit der barocken Kirche St. Antonius von Padua und der Synagoge "Unter dem weißen Storch", befand sich einst das jüdische Gasthaus "Pokoyhof". Es wurde in der Reichskristallnacht 1938 zerstört.
Kriminalrat Eberhard Mock kehrte gern in "Pokoyhof" ein. Eines Abends im Jahr 1919 saß er hier - ohne etwas zu bestellen - mit einem düsteren Gesichtsausdruck an der Bar und überlegte, wie er einen psychopatischen Mörder, der ihn erpresste, zu fassen kriegt.

8. Kaufhaus Wertheim (Eingang: ul. Łšwidnicka 40 / Schweidnitzer Straße)

Das prunkvolle Kaufhaus Wertheim, erbaut nach den Plänen des Architekten Hermann Dernburg und 1930 eröffnet, war seinerzeit mit einer Gesamtfläche von 35.000 Quadratmetern das größte Kaufhaus in Breslau. Die Fassade ist mit verschiedenfarbigen glasierten Ziegeln verkleidet. Auf den senkrechten Stützen zwischen den Fenstern sind plastisch herausgearbeitete, teilweise vergoldete Schmuckornamente angebracht. Mehrere, entlang der Fassade verlaufende Fensterbänder verhindern, verleihen dem massiven Kubus eine gewisse Leichtigkeit. Besonders prachtvoll ist der mit viel Gold und Säulen geschmückte Eingangsbereich, der wie das Tor zu einem altägyptischen Tempel anmutet. In der fünften Etage befindet sich ein Lichthof, der mit einem Glasdach abgedeckt ist.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kaufhaus innen stark beschädigt, die Stahlkonstruktion des Kolosses hielt dem Feuer und den Bombeneinschlägen jedoch stand. Heute erstrahlt das Kaufhaus, das jetzt "Renoma" heißt, wieder im alten Glanz. Die Innenaufteilung ist leider einem modernen Shopping-Center angepasst worden, wodurch das Haus seinen ursprünglichen Charme, den man noch auf alten Aufnahmen erahnen kann, verloren hat.
Eberhard Mock liebte es, bei Wertheim vorbeizuschauen. Dies bot sich umso häufiger an, als das Kaufhaus unmittelbar auf Strecken zwischen dem Polizeipräsidium und der Altstadt lag. Hier frönte der Kriminalrat einem Hauch von Luxus und deckte sich mit teuren Zigarren oder erlesenem Cognac ein. (fh)