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Ausgegeben am
Freitag, dem 09.05.2008, um 22:59 Uhr.

Die holländische Reisegruppe mit ihrem polnischen Führer macht sich auf den Weg zum Eingang des Nationalparks. Zunächst passiert sie einen Obelisk, der seit 1752 an eine Jagd August III. erinnert. In den Obelisk, der idyllisch auf einem Damm zwischen zwei Teichen steht, sind die Namen der wichtigsten Persönlichkeiten der Jagdgesellschaft aus dem Jahr 1752 eingemeißelt. Nur wenige Meter vom Obelisk entfernt steht das Jagdhaus, ein einstöckiges Holzhaus, das auch Dworek (Kleiner Palast) genannt wird. In ihm ist das Bildungszentrum des Nationalparks untergebracht. Unser Führer verliert nicht viele Worte über den Schlosspark. Dabei gebe es hier eine Menge zu sehen. 89 Baum- und Straucharten wachsen auf dem 47,77 ha großen Areal. Zu ihnen zählen Sommereichen, Bergulmen, Hängebirken und Linden. Verstreut über das Parkgelände stehen einige wenige Gebäude. Vom einstigen Zarenschloss ist das Tor übriggeblieben. Die Reste des Schlosses wurden geräumt und an seiner Stelle entstand zwischen 1965 und 1971 ein Museumsgebäude mit einem Hotel, mit dessen - wie bereits erwähnt - Modernisierung und Erweiterung 1999 begonnen worden war. Im früheren Pferdestall des Zaren befindet sich heute eine PTTK-Herberge und im Marschallhaus hat die Direktion des Nationalparks ihr Zuhause gefunden.
An Feldern vorbei geht es zum Eingang des Nationalparks, den ein hohes Holztor markiert. Es ist - wie an den letzten Tagen - drückend heiß. Kaum aber betreten wir den dichten Urwald, wird es angenehm kühl. Der Wald, eine riesige Klimaanlage. Die Führung dauert zwei Stunden. In Bia³owie¼a greifen die Menschen nicht in die Natur ein. Der Wald ist deshalb ein undurchdringliches Dickicht. Riesige Eichen stehen hier. Ihre Stämme sind nicht so verknöchert, wie man sie von freistehenden Eichen kennt. Sie wachsen schnurgerade in den Himmel und nur ganz oben entwickeln sie ein Ästegewirr. “Ganz klar”, meint unser Führer. Blätter seien für die Photosynthese verantwortlich. Und dafür bräuchten sie Licht. Über 40 m groß können die Eichen werden. Einige von ihnen sind zwischen 400 und 500 Jahre alt. Wisente oder Wölfe bekommen wir während unseres Ausfluges nicht zu sehen. Selbst wenn sich die scheuen Tiere uns nähern würden, wären sie nicht durch das undurchdringliche Dickicht des Urwaldes zu sehen, sagt unser Führer. Wer Wisente aus unmittelbarer Nähe beobachten möchte, kann das Reservat Zubrów zwei Kilometer westlich von Bia³owie¿a besuchen. In riesigen Freigehegen leben hier Wisente, Wölfe, Elche, Wildpferde und Wildschweine.
Zwischen der wuchernden Fauna liegen umgestürzte Eichen. Mehrere Meter hoch sind ihre flachen Wurzelteller, die nun senkrecht stehen. An vielen Beispielen erklärt uns unser deutschsprachige Führer die verschiedenen Stadien des Verfalls toter Bäume. Er zieht Vergleiche, erzählt von Besuchen in einem Urwald in Kanada und von Nationalparks in den USA. Er erzählt so interessant, dass sich sogar die Kinder während der zwei Stunden dauernden Wanderung nicht langweilen. Ich schaue auf das Namensschild an seiner Bluse. Er heißt Czes³aw Oko³ów. Kein Wunder also, dass er so viel weiß. Oko³ów war bis 2003 Direktor des Nationalparks. (Frank Hilbert)
