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Ausgegeben am
Freitag, dem 03.09.2010, um 16:27 Uhr.

Ende des 14. Jahrhunderts erwarb die Familie Schaffgotsch das Gut Warmbrunn. Von ihrer Herrschaft zeugt das barocke Schloss der Familie in der Hauptgeschäftsstraße von Bad Warmbrunn, dem Plac Piastowski. Johann Georg Rudolf aus Oppeln hatte es im Auftrag der gräflichen Familie zwischen 1784 und 1789 errichtet. Zu den Schmuckstücken des Palais gehörte zweifellos der Ballsaal im Empirestil und mit Intarsienfußboden.
Das Schaffgotsche Palais.An die früheren Besitzer des Hauses, denen bis 1945 große Teile des schlesischen Riesen- und Isergebirges gehörten, erinnert das Familienwappen der Schaffgotsch – ein Piastenadler – an der vorderen Fassadenfront. Heute befindet sich im Schloss eine Außenstelle der Technischen Hochschule Breslau.
Um die Thermalquellen kümmerten sich jedoch von Anfang des 15. Jahrhunderts an bis zur Säkularisierung in Preußen im Jahr 1810 die Zisterzienser, denen die gräfliche Familie die silizium- und fluoridhaltigen Quellen geschenkt hatten.
Unter den Kurgästen waren eine Anzahl sehr prominenter Persönlichkeiten. 1678 zum Beispiel weilte die polnische Königin Marysienka Sobieska zu einem Kuraufenthalt in Bad Warmbrunn. Die Gäste kamen aus halb Europa, aus Russland, Böhmen, Deutschland und Polen. 1850 zählte der Ort 5.000 Kurgäste.
Barockeinrichtung der Probsteikirche zu St. Johannes
Barockeinrichtung der Probsteikirche zu St. Johannes.Das Schaffgotsche Palais ist ein geeigneter Ausgangspunkt für eine Stadtbesichtigung. Am östlichen Ende des Plac Piastowski steht die Pfarrkirche. Erbaut wurde sie nach einem Entwurf von Kaspar Jentsch in nur zweijähriger Bauzeit zwischen 1712 und 1714. Bauherren waren die Zisterzienser. Die Einrichtung ist – wie es sich für eine Barockkirche geziemt – reich verziert. Blickfang im Inneren ist der Hochaltar im Rokokostil (Spätbarock), den ein Altarbild von Michael Willmann ziert, der den Beinamen Schlesische Raffael trägt. Das besondere an der Kirche ist ihr separat stehender Glockenturm aus dem 18. Jahrhundert.
Einige Minuten Zeit sollte man sich für die Besichtung der Hofmauer nehmen. In ihr sind Renaissance-Grabplatten der Familie Schaffgotsch eingemauert. Mit ein wenig Geduld lassen sich die verwitterten Inschriften der Grabsteine entziffern. So erfährt der Betrachter, dass ein „Schaffgotsches Töchterlein ihres Alters 4 Jahr Ano 1580 den 17. Februar 16 Woche(n) der Gottesgnade ist selig entschlafen Ludmila“. Unweit der Pfarrkirche steht das imposante Zisterzienserkloster mit Kreuzgang und Barockkapellen. Erbaut wurde das einschiffige Gebäude zwischen 1712 und 1714.
Am westlichen Ende wird der Plac Piastowski von der evangelischen Erlöserkirche begrenzt, die im 18. Jahrhundert (1774 bis 1777) im Stil des Rokoko errichtet worden ist. Die schlicht anmutende Innenausstattung aus Holz stammt von dem Hirschberger Künstlers Heinrich Wagner.
Die Hauptgeschäftsstraße gehört zu den schönsten Straßen der Stadt. Bei guter Sicht kann man zwischen den Häusern die Gipfel des Riesengebirges erspähen. Eingerahmt wird das Panorama von farbenfrohen Fassaden. Nicht alle Häuser in der Hauptgeschäftsstraße können jedoch auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken. Nur wenige Meter von der St. Johanneskirche entfernt steht das Kurmittelhaus. Auf den ersten Blick könnte es aus der sozialistischen Ära Polens stammen. Doch der Eindruck täuscht. Gebaut wurde das Kurmittelhaus, in dem die Kurverwaltung ihren Sitz hat, zwischen 1921 und 1931. Damals schmückte es sich mit dem Namen „Kurhotel Quellenhof“. Am Rande sei erwähnt, dass im Mittelalter an dieser Stelle Badebecken standen. Sogar ein Pferdebad zur Behandlung von Tieren soll es hier gegeben haben.
Kurpark
Kurpark.Gleich hinter dem Schaffgotschen Palais beginnt der Kurpark. In dem englischen Garten (seit 1838) laden das im klassizistischen Stil errichtete Theater in den Sommermonaten regelmäßig zu Kurkonzerten ein. Bei der daneben stehenden – ebenfalls im Stil des Klassizismus errichteten – so genannten Galerie (1798 bis 1800) hat es die Kurverwaltung mit dem Denkmalschutz nicht so genau genommen. Unter dem Säuleneingang sind die Facetten an der Decke mit Spanplatten verkleidet. Durch die Bäume hindurch ist vom Theater aus das Kurhaus „Edward“ zu sehen. Im Saal des Kurhauses werden heute die überwiegend aus Deutschland kommenden Kurgäste verköstigt. Die Decke des weiträumigen Saales ist mit Malereien reich verziert und in den Ecken stehen riesige Palmen. Bogenfenster, die vom Fußboden bis unter die Decke reichen, geben den Blick auf die Parkanlage frei.
An der Südseite des Parks grenzt der Norwegische Park an, der früher einmal den Namen Füllnerpark trug. Hier befindet sich das Naturwissenschaftliche Museum von Jelenia Góra mit einer umfangreichen zoologischen Sammlung. Untergebracht ist es im Norwegischen Pavillon aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts, einem Blockhaus. Als Vorbild für den Entwurf des Hauses diente das Restaurant Frognersaeteren in der Nähe der norwegischen Hauptstadt Oslo. (fh)
