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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Polnische Literatur - Mittelalter (Średniowiecze): 4./5. - 15. Jahrhundert

Der Verfall und Untergang des Weströmischen Reiches im Jahr 476 markieren den Beginn des Mittelalters. Das dominierende sozial-politische System ist der Feudalismus, Landbesitz ist ein wichtiger Faktor. Kaiser und Päpste tragen Machtkämpfe um den Einfluss in Europa aus (10.-13. Jh.). Das hierarchisch strukturierte Sozialgefüge besteht aus unterschiedlichen Ständen mit unterschiedlichen Rechten und Pflichten. Das scheinbar stabile und geregelte System gerät regelmäßig ins Wanken, was sich in sozial und religiös bedingten Auseinandersetzungen manifestiert, die bereits die Reformation im 16. Jahrhundert ankündigen. Zu den mittelalterlichen Vordenkern, die eine Reform der Kirche anstreben oder diese als Institution gar ablehnen, gehören u. a. Thomas Münzer (Deutschland) und Jan Hus (Böhmen). Ein wichtiges historisches Ereignis für Polen ist die Taufe im Jahr 966, die das Land zum politischen Partner des christlichen Europa macht.

Skulpturen der Hochmeister des Deutschen Ordens in der Marienburg
Skulpturen der Hochmeister des Deutschen Ordens in der Marienburg. Foto: Frank Hilbert
Merkmale der Literatur im Mittelalter:
  • Zweisprachigkeit: Latein ist die Amtssprache im Schul- und Gerichtswesen, in der Literatur und Kirche. Außerhalb dieser Bereiche werden die Landessprachen gebraucht.
  • Anonymität: Die Autoren signieren ihre Werke nicht, so dass ihre Namen der Nachwelt unbekannt bleiben. Die Literatur dient nicht dem persönlichen, sondern dem Ruhm Gottes.
  • Universalität: Im Mittelalter glaubt man, dass die ganze Menschheit einen gemeinsamen Staat auf Erden bilde, dessen Ziel es sei, ein Gottesstaat mit einem geistlichen (Papst) und einem weltlichen Herrscher (Kaiser), einer gemeinsamen Sprache (Latein), einer Religion (Christentum) und einem gesellschaftlichen System (Feudalismus) zu werden.

Ihre Inspiration schöpft die mittelalterliche Literatur aus der christlichen Religion. Die Rolle des Kulturträgers fällt der Kirche zu, weshalb auch die ältesten Zeugnisse der polnischen Sprache einen sakralen Charakter haben. Zunächst werden die Schriftstücke aus dem Westen „importiert”, doch schon bald verfassen die polnischen „scriptores“ ihre eigenen Werke. Die Autoren sind vermutlich Geistliche, deren Namen meist anonym bleiben.
Die drei großen Genres der mittelalterlichen Literatur sind die Ritterdichtung, die Liebeslyrik (Minne) und die Heiligenlegenden. (fh)

Die ältesten Zeugnisse der polnischen Sprache:

  • Einige polnische Begriffe in der Gnesener Bulla (Bulla gnieźnieńska, 12. Jh.
  • Der polnische Satz „daj, ać ja pobruszę, a ty poczywaj“ im Heinrichauer Gründungsbuch (Księga Henrykowska, 13. Jh.)
  • Bogurodzica (ein religiöses Lied, das von polnischen Rittern vor den Schlachten gesungen wurde - 13. Jh.)
  • Heiligenkreuzer Predigten (Kazania świętokrzyskie), 14. Jh.
  • Psalmenbuch „Psałterz floriański“, 14. Jh.
  • Gnesener Predigten (Kazania gnieźnieńskie), 15. Jh.
  • Psalmenbuch „Psałterz puławski”, 15. Jh.
  • Die Bibel der Königin Sophie (Biblia królowej Zofii), 15. Jh.

Chronisten (schrieben in lateinischer Sprache):

  • Gallus Anonymus (12. Jh.)
  • Wincenty Kadłubek (13. Jh.)
  • Jan Długosz (15. Jh.)