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Polnische Literatur - Barock (Barok): 17. Jahrhundert

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Das 17. Jahrhundert ist durch zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen geprägt. Europa wird durch zahlreiche (Religions-) Kriege erschüttert, darunter durch den 30-jährigen Krieg. Zugleich vergrößert sich zunehmend das soziale Gefälle. Der Reichtum und Überfluss, in dem der Adel lebt, kontrastiert krass mit der Armut der unteren Schichten. Für die Menschen beginnt eine Zeit dramatischer Entscheidungen, und die Konflikte dieser Epoche rufen existenzielle Unsicherheit hervor. Die Vergänglichkeit des Lebens wird bewusst wahrgenommen. Der Mensch verirrt sich in der Realität, die für ihn fremd und unverständlich geworden ist und die ihn mit ihrer Komplexität und Unendlichkeit überrascht und überfordert.

St. Josephkirche in Lublin
Barocke St. Josephkirche in Lublin. Foto: Frank Hilbert
Die „Republik Beider Nationen“, wie der polnische Staat seit seiner Personalunion mit Litauen (1569) heißt, ist in jener Zeit eine Großmacht auf einer Gesamtfläche von etwa einer Million Quadratkilometern, doch trotz seiner wirtschaftlichen und politischen Stärke steuert der polnisch-litauische Staat unausweichlich auf seinen Untergang zu. Beinahe grenzenlose Privilegien des Adels rütteln an den Fundamenten des Staates. Ein stabiles Rechtssystem fehlt, der Adel genießt seine Privilegien und legt die Bürde der Pflichten den Ärmsten der Bevölkerung – den Bauern – auf, die ihm schutz- und rechtlos ausgeliefert sind. Die Magnaten kopieren die westliche Lebensweise unter gleichzeitiger Verachtung und Ablehnung des nationalen Kulturerbes und der polnischen Sprache. Das nationale Interesse rückt zugunsten des eigenen Wohlergehens in den Hintergrund. Der Adel der polnisch-litauischen Republik glaubt, in einem idealen Staat zu leben. Basierend auf der Überzeugung von der antiken Herkunft der Polen und ihrer historischen Mission („Messianismus“), wird der Sarmatismus zum Synonym des Brauchtums und der geistige Kultur des Adels. Der Begriff „Sarmatismus“ wird in der Zeit der Aufklärung zur Kennzeichnung der Epoche eingeführt, was in der Anspielung darauf geschieht, dass der polnische Adel seine Abstammung auf das antike Volk der Sarmaten zurückführt (Siedlungsgebiet: heutiges Iran). Der Mythos hält jedoch der Realität nicht stand: Das schöne Ideal vom unbesiegbaren edlen Ritter voller (staatsbürgerlicher) Tugenden geht in Angesicht der Streitsucht und des Egoismus der Adeligen, die politische Entscheidungen im Land lahm legen und notwendige Reformen blockieren, zugrunde.

Im 17. Jahrhundert hält die Gegenreformation ihre Siegeszug ein. Die kirchliche Zensur lebt wieder auf, von der Kirche verbotene Bücher werden auf Indizes gesetzt. Die Literatur spiegelt die in ihrer Existenz erschütterte dramatische Situation des menschlichen Individuum wider. Mittelalterliche Weltanschauungen und Motive (Fantastik, Satanismus, Symbolismus) tauchen wieder auf. Einen Entwicklungsschub durchlebt die metaphysische Literatur, die die menschlichen Ängste und Unruhen beschreibt. Gleichzeitig suchen die Dichter nach „neutraleren“ Themen (Liebe), die keine Konsequenzen seitens der kirchlichen Zensur nach sich ziehen. In der barocken Literatur finden wir sämtliche Elemente wieder, die für die bildenden Künste dieser Zeit charakteristisch sind: eine starke Ausdrucksform, Dynamik, Sinnlichkeit und Verspieltheit. Die Hauptrichtung wird durch den italienischen Dichter Giambattista Marini vorgegeben. Der Schreibstil ist kunstvoll und raffiniert. Die Literatur soll den Leser überraschen und gar schockieren, z. B. durch die Einführung solcher Motive wie Hässlichkeit und Grausamkeit. In der polnischen Literatur kann man den Barock in drei Phasen aufteilen: den Frühbarock (ca. 1580-1620), den Hochbarock (1620-1680) und den Spätbarock (ca. 1680-1764), der schließlich in die Aufklärung übergeht. (fh)

Polnische Dichter der Barockzeit:

  • Sebastian Grabowiecki (1543-1607)
  • Wespazjan Kochowski (1633-1700)
  • Jan Andrzej Morsztyn (1621-1693)
  • Daniel Naborowski (1573-1640)
  • Wacław Potocki (1621-1696)
  • Jan Chryzostom Pasek (1636-1701)
  • Mikołaj Sęp Sarzyński (1550-1581)