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Polnische Literatur - Aufklärung (Oświecenie): 18. Jahrhundert

Die Grundideen der Aufklärung basieren auf zwei großen philosophischen Denkrichtungen: dem Rationalismus und dem Empirismus. Als Begründer des modernen frühneuzeitlichen Rationalismus gilt der französische Philosoph und Mathematiker René Descartes (1596-1650), der in der Vernunft (Ratio) die einzige Quelle des Wissens sah. Der Empirismus dagegen beruht auf der These, dass Wissen und Erkenntnis aufgrund von Erfahrungen und sinnlichen Wahrnehmungen entstehen. Als Stammvater des Empirismus gilt der englische Philosoph und Staatsmann Francis Bacon (1561-1626). Weitere Hauptvertreter des Empirismus sind die englischen Philosophen John Locke (1632-1704) und George Berkeley (1685-753) und der schottische Philosoph David Hume (1711-1776).

Reichan Wojciech Bogusławski
Wojciech Bogusławski. Foto: cyfrowe.mnw.art.pl

Das Zeitalter der Aufklärung charakterisierte die Überzeugung von den unbegrenzten Möglichkeiten des menschlichen Geistes allein durch die Kraft des Gedankens die Welt kennenzulernen. Angezweifelt wurde das Diktat der Tradition, das dem "aufgeklärten" Verstand widersprach. Die gesellschaftliche Grundlage für die Aufklärungsbewegung bildete der Zerfall der absolutistischen Monarchie im feudalen Frankreich. Dieser Prozess wurde von einer Krise der politischen und religiösen Institutionen sowie der ethischen Normen begleitet, die 1789 in der Französischen Revolution mündete. Als Ursprungsland der Aufklärung kann demnach zu Recht Frankreich genannt werden. Mitte des 18. Jahrhunderts war in Frankreich eine Reihe führender Philosophen tätig: Voltaire (eigentlich François Marie Arouet, 1694-1778), Charles-Louis de Secondat Montesquieu (1689-1755), Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Denis Diderot (1713-1784) etc. Von Frankreich aus breiteten sich die neuen Ideen rasch über ganz Europa aus.

In der polnischen Kulturgeschichte markierte traditionell die dreißigjährige Regierungszeit von Stanisław August Poniatowski (1764-1795) das Zeitalter der Aufklärung. Die Aufklärung endete in Polen mit der dritten und letzten Teilung des Landes, die den Verlust dessen Souveränität bedeutete

Mit diesen Worten fasste der bekannte polnische Literaturhistoriker Julian Krzyżanowski knapp die neue Epoche zusammen. Über die genaue Geburtsstunde der Aufklärung in Polen sind sich die Gelehrten uneinig. Fakt ist jedoch, dass sich das Ende des Barocks und die Anfänge der Aufklärung mit politischen und sozialen Umwälzungen in der Republik Polen zu Beginn des 18. Jahrhunderts überlappen. Einer der wichtigsten Wegbereiter der Aufklärung in Polen war der Piarist Stanisław Konarski (1700-1773), der 1740 in Warschau eine Schule für Kinder wohlhabender Adelsfamilien, das sog. "Collegium Nobilium", gründete. Bildung und Erziehung wurden modernisiert und bildeten den Grundstein für eine grundlegende Reform des Schulsystems in der Republik Polen. 1773 wurde in Polen das erste Bildungsministerium in Europa gegründet, das u. a. eine einheitliche Lehrerausbildung und eine neue, verbindliche Unterrichtsmethodik sowie neue Lehrbücher einführte.

Das 18. Jahrhundert in Polen ist auch durch eine Reihe von Veränderungen und Reformen gekennzeichnet, die eine Einschränkung der Adelsprivilegien, politische und rechtliche Zugeständnisse zugunsten anderer Gesellschaftsschichten und eine Zentralisierung der Macht (und damit die Stärkung der Macht des Königs, um die Anarchie des Adels zu vereiteln) zum Ziel hatten. 1765 wurde die Ritterschule gegründet, die ebenfalls viel zur Festigung des weltlichen Charakters und der Modernisierung der Bildung beitrug. Seit den 70-er Jahren des 18. Jahrhunderts traf sich immer donnerstags die intellektuelle Elite Polens zu sog. "Gesprächen beim Mittagessen" im Palast des Königs Stanisław August Poniatowski, um über Themen von staatstragender Bedeutung sowie über neue Literaturwerke zu diskutieren. Das Presseorgan dieser Treffen war die Zeitschrift "Zabawy Przyjemne i Pożyteczne" (dts.: "Angenehme und nützliche Spiele"), die die Ideen der Aufklärung und die Grundsätze des literarischen Klassizismus popularisierte. (Fortsetzung folgt)

Polnische Dichter der Aufklärung:

  • Wojciech Bogusławski (1757-1829)
  • Franciszek Bohomolec (1720-1784)
  • Franciszek Salezy Jezierski (1740-1791)
  • Franciszek Karpiński (1741-1825)
  • Franciszek Dionizy Kniaźnin (1750-1807)
  • Hugo Kołłątaj (1750-1812)
  • Stanisław Konarski (1700-1773)
  • Ignacy Krasicki (1735-1801)
  • Adam Naruszewicz (1733-1796)
  • Julian Ursyn Niemcewicz (1757-1841)
  • Stanisław Staszic (1755-1826)
  • Stanisław Trembecki (1739-1812)
  • Franciszek Zabłocki (1754-1821)