Polish Online
Polen: Übersetzungsdienst & Reiseinfos
Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

Hauptnavigation

Unternavigation Städte & Regionen

Weberhäuser in Schömberg (Chełmsko Śląskie)

Die 12 Weberhäuser in Schömberg (Chełmsko Śląskie), die als die 12 Apostel bezeichnet werden, haben im Jahr 1707 Zisterziensern erbaut. Vom zweiten Weberhäuserkomplex der "Sieben Brüder" steht nur noch ein Haus. Typisch für die Häuser sind ihre Holzbauweise mit vorspringenden Giebeln, Lauben und Holzschindeldächer.

Fassaden der Weberhäuser in Schömberg (Chełmsko Śląskie)Polen Fotos
Von den ursprünglich 12 Weberhäusern aus dem Jahr 1707 sind noch 11 erhalten. Fotos: Frank Hilbert

Die niedrige Eingangstür führt in einen kleinen Flur mit niedrig hängender Holzdecke. In der winzigen Küche sitzt eine ältere Frau mit ihrem erwachsenen Sohn zu Tisch. Es ist Mittagszeit. Der Hausherr führt die Besucher in die Wohnstube, in die durch kleine Fenster nur spärlich Licht einfällt, obwohl die Sonne diesen heißen Julitag in ein gleißendes Licht taucht. Der Tisch und das Sofa sind mit Decken in den unterschiedlichsten Größen und mit Leinentüchern geschmückt, an denen kleine Preisschilder angeheftet sind. Die Familie scheint ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf der Textilwaren, die in den nahegelegenen Textilfabriken produziert wurden, zu bestreiten.
Wir sind in einem der Weberhäuser in Schömberg (Chełmsko Śląskie), die zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichtet worden sind. Von den ursprünglich 12 Häusern, den sogenannten 12 Aposteln, sind noch 11 erhalten. Der vorspringende Giebel der Holzhäuser und die darunterliegenden Lauben schützen den Eingang vor extremer Witterung. Das Innere war aufgeteilt in einen Wohnbereich und in eine Werkstatt. In den winzigen Häusern haben kinderreiche Familien gelebt und gearbeitet. Ihr Leben war ärmlich, besonders seit dem Ende des 18. Jahrhundert.
Nach dem ersten Schlesischen Krieg wechselte Schömberg von der Habsburgermonarchie zu Preußen. Gegen Ende der Regierungszeit von Friedrich II. (1712-1786) erreichte der Handel mit schlesischen Leinenwaren zwar eine Blütezeit. Exportiert wurden sie nach ganz Europa und bis nach Übersee. Rosig können die Lebensverhältnisse der Weber und ihrer Familien trotzdem nicht gewesen sein. Bereits 1793 brach in Schömberg, Liebau und Landeshut der erste Weberaufstand aus. Es entstand eine revolutionäre Stimmung, die durch die Französische Revolution angeheizt wurde. Unmittelbarer Auslöser der Unruhen sollen die „unchristlichen Wucher“-Preise der Händler gewesen sein. Als sich Weber über die niedrigen Aufkaufpreise ihrer Waren beschwerten, erhielten sie von einem Kaufmann als Antwort:

Ihr könnt Heu und Stroh fressen.
Laubengang der Weberhäuser in Schömberg (Chełmsko Śląskie)
Die vorspringenden Giebel der Weberhäuser bilden eine Laube, die im Sommer angenehm kühlen Schatten spendet. Die Häuser wurden liebevoll restauriert.

Der Aufstand wurde niedergeschlagen und die Anführer bestraft. Es trat Ruhe ein. Die sozialen Verhältnisse besserten sich jedoch nicht. Das lag daran, dass sich in den folgenden Jahrzehnten die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschlechterten und damit der Handel mit schlesischen Leinenwaren immer schwieriger wurde. Dazu trugen die von Napoleon 1806 gegen Großbritannien verhängte Kontinentalsperre und die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Russland gegen Preußen verhängte Grenzsperre bei. Auf der anderen Seite gelang es den Webern in Schlesien nicht, die Produktionskosten durch eine Modernisierung der Leinenproduktion zu senken. Ihnen fehlte das Geld für die teuren Investitionen. 1830 soll es nur eine mechanische Flachsspinnerei gegeben haben. Die modernen englischen Webereien und Spinnereien konnten nach der Beendigung der Kontinentalsperre den europäischen Markt mit ihren preiswerteren Erzeugnissen erobern. Preußen lehnte Schutzzölle zugunsten der schlesischen Weber ab und beharrte auf dem „Grundsatze des unbeschränkten Verkehrs“.
Alexander Schneer bereiste im Auftrag des Breslauer „Vereins zur Abhilfe der Noth unter den Webern in Schlesien“ die Weberdistrikte Langenbielau und Peterswaldau und verfasste einen Bericht „Über die Noth der Leinenarbeiter in Schlesien und die Mittel ihr abzuhelfen“, der 1844 von einem Berliner Verlag gedruckt wurde:

Man wird sich am Leichtesten den Zustand denken können, wenn man erwägt, dass für Hunderte, ja Tausende dieser unglücklichen Familien der tägliche Erwerb von 9 Pfennigen bis 1 Silbergroschen, 3 Pfennige, den Mann, Frau und ein Kind erarbeiten, oft für sechs Köpfe ausreichen soll.

1844 bricht in Schlesien erneut ein spontaner Weberaufstand aus. Eine Hungerrevolte, die Gerhart Hauptmann zum Thema seines Dramas „Die Weber“ (Uraufführung am 26. Februar 1893) macht.

Weitere Sehenswürdigkeiten

  • Ein einzelnes Weberhaus steht in der ul. Kamiennogórska 21. Es gehörte zu einem Komplex von Weberhäusern ("Sieben Brüder) der bayrischen Damaskweber.
  • Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Barockhaus, in dem sich früher einmal ein Webereimuseum befand.

Informationen für Touristen

Die Weberhäuser in der ul. Sądecka sind nur wenige Gehminuten vom Markt in Schömberg entfernt, wo es Parkmöglichkeiten gibt. Schömberg ist von Glatz (Kłodzko) 60 km, von Krummhübel (Karpacz) 40 km und von Waldenburg (Wałbrzych) 28 km entfernt.
Wer sich über die Arbeits- und Lebensbedingungen der Weber informieren möchte, kann das Museum der Schlesischen Weberei in Landeshut (Kamienna Góra), plac Wolności, besuchen. (fh)

Karte

Landkarte von Polen mit Schömberg (Chełmsko Śląskie)

Wetter

Chełmsko Śląskie

Wetter Polen Luftfeuchte:
(CC BY-SA 2.0: OpenWeatherMap)

Sehenswürdigkeit

Weberhäuser von 1707
ul. Sądecka
58-407 Chełmsko Śląskie

Karte

Schömberg - Weberhäuser, ul. Sądecka, 58-407
Schömberg - Weberhäuser, ul. Sądecka, 58-407 Chełmsko Śląskie (Google Maps)