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Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki) - Schloss und Kloster

Über dem Dorf Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki) - auf dem auf dem Harthaberg - thront ein Schloss aus Backstein, mit Türmen und einem Schlosspark. Marianne Prinzessin der Niederlande ließ es im 19. Jahrhundert nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel erbauen.

Schlossturm in Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki)Polen Fotos
Touristen vor dem Eingang des Schlosses Kamenz. Foto: Frank Hilbert

Vor dem Eingang steht ein Paar. Entsprechend der Mode des Fin de Siècle hat sie ihr wundervolles schwarzes Haar hochgesteckt und unter einem Hut mit überbreiter Krempe verborgen. Der feine Herr trägt nebst Frack einen hohen Zylinder. Ihr dunkelblaues Kleid hat die Dame in mühevoller Kleinarbeit nach alten Entwürfen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert selbst genäht, erzählt sie uns auf Deutsch, das sie von ihrer Großmutter gelernt hat. Das Paar gehört einem Verein an, der sich der Pflege der Mode aus dem 19. Jahrhundert verschrieben hat. Auf Polnisch heißt er Stowarzyszenie Rekonstrukcji Historycznej i Kostiumingu „Krynolina“. Eine Fotografin, die das Paar begleitet, hantiert im Hintergrund an ihrer Ausrüstung. Es verwundert nicht, dass sich die Gruppe das Schloss in Kamenz als Kulisse für das Fotoshooting ausgesucht hat. Es ist ein Prachtbau aus Backstein mit einem ausgedehnten Park, der noch darauf wartet, aus seinem Dornröschenschlaf erweckt zu werden.

Karl Friedrich Schinkel lieferte den Entwurf

Im 19. Jahrhundert ließ Marianne Prinzessin der Niederlande, die mit dem Hohenzollern Prinz Albrecht von Preußen verheiratet war, das Schloss im neogotischen Stil errichten. Von keinem geringeren als Karl Friedrich Schinkel stammten die Entwürfe für den wuchtigen Bau mit einer Grundfläche von 88 mal 61 Meter, dessen Architektur Elemente der norddeutschen Backsteingotik, der englischen Neogotik und maurisch-sizilianischer Schlösser in sich vereint und dem Schloss – trotz seiner Größe – ein beinahe verspieltes Aussehen verleiht. Schinkel setzte an jede Ecke des Baus einen mit Zinnen verzierten Turm und versah die Gartenseite mit Spitzbogenarkaden. Die Backsteinfassade verkleidete er zum Teil mit Marmor, Sandstein und Glimmerschiefer, was die Wuchtigkeit des Schlosses noch einmal mildert. Es war Schinkels größter und letzter Bau. Drei Jahre, nachdem er den Auftrag erhalten hatte, verstarb er 1841 in Berlin. Schinkels Schüler, Ferdinand Marius, führte schließlich den Bau zu Ende. 1873 waren das Schloss, die Inneneinrichtung, der Schlosspark vollendet.

Baustopp nach Scheidung

Dass der Bau 35 Jahre in Anspruch nahm, lag nicht nur an dessen Größe und daran, dass auf Wunsch einer einzelnen Prinzessin zahlreiche Änderungen vorgenommen wurden, die immer wieder zu Bauverzögerungen führten. Grund waren familiäre Turbulenzen. Marianne Prinzessin der Niederlande ließ sich 1849 von ihrem Mann nach mehrmaligen Anläufen scheiden. Erstmalig kam es zu einer tiefgreifenden Ehekrise, als Prinz Albrecht 1845 eine Liaison mit Rosalie von Rauch, der Tochter des preußischen Kriegsministers, einging. Der Scheidung stimmten die Familien der Ehepartner jedoch erst 1849 zu, als Marianne von ihrem Leibkutscher Johann van Rossum ein Kind erwartete. Nach der Scheidung verbot ihr ihr Schwiegervater und Preußenkönig Wilhelm IV., länger als 24 Stunden am Stück in Preußen zu verweilen. Deshalb kaufte sie das nur etwa 10 Kilometer von Kamenz und in Österreich gelegene Jagdschloss Weißwasser. Von hier aus konnte sie innerhalb von 24 Stunden Kamenz und andere Güter in Schlesien besuchen und rechtzeitig wieder nach Weißwasser zurückkehren. Übrigens wurde - Gleichbehandlung musste sein - auch Prinz Albrecht von seinem Vater für seine Eheeskapaden bestraft. Wie seine Ex-Gattin durfte er nur noch für 24 Stunden am Stück nach Preußen einreisen. Albrecht zog nach Dresden.
Für die Schlosspläne in Kamenz bedeutete die Scheidung zunächst einmal ein Ende der Bauarbeiten, bis Mariannes Sohn, Albrecht Hohenzollern, sie wiederaufnahm und schließlich in das fertige Schloss einzog.

Überreste eines Kreuzganges im Kloster Kamenz
Im Zisterzienserkloster, das ein Brand 1817 zum großen zerstörte. Der fehlende Putz an den Hausfassaden und die angedeuteten Grundmauern sollen den Besuchern zeigen, dass sich hier ein Innenhof mit Kreuzgang befand. Foto: Frank Hilbert

Die einstige Pracht des Schlossparks lässt sich nur erahnen. Sein Anblick (2016) ist ein Trauerspiel. Der Zugang ist durch Bauzäune verwehrt, die Treppen sind verwittert, Wände mit Graffiti beschmiert und von prachtvollen Blumenbeeten fehlt jede Spur.
Angelegt hat die Schlossgärten Peter Joseph Lennés zwischen 1858 und 1868, mit Terrassen und Wasserspielen. Gespeist wurden sie mit Wasser aus dem Pausebach (Budzówka), das in runde Zisternen gepumpt wurde, die noch heute hinter dem Schloss im dichten Wald des Schlossparks versteckt liegen. Die Pumpstation unterhalb des Schlossberges, deren Architektur sich an die des Schlosses anlehnt, ist restauriert und beherbergt ein Restaurant. Das Ufer des vor der Pumpstation aufgestauten Sees ist saniert, der Rasen gepflegt und die Wege instandgesetzt. Ein Wanderweg mit Bänken, die zum Ausruhen einladen, umrundet den See.

1817 - ein Feuer zerstörte das Kloster

Das Schloss ist nicht die einzige Sehenswürdigkeit. Südwestlich von ihm stehen die ebenfalls im neogotischen Stil errichtete Schlosskirche und das Zisterzienserkloster Kamenz, das 1810 säkularisiert und von Friedrich Wilhelm III. zusammen mit den zum Kloster gehörenden Ländereien an Prinzessin Frederike Louise von Oranje verkauft wurde. Frederike Louises vererbte schließlich ihrer Tochter Marianne Prinzessin der Niederlande die Herrschaft Kamenz.
Ein Brand zerstörte jedoch das Kloster 1817. Nur die Kirche und das Prälatengebäude wurden wiederaufgebaut. Ein Hingucker ist die Klosterkirche Mariä Himmelfahrt. Der ursprünglich gotische Bau aus dem 14. Jahrhundert wurde um 1700 im Stil des Barocks umgebaut und beherbergt einige sehenswerte Kunstschätze. Dazu zählen die Kanzel und 17 barocke Seitenaltäre. Das barocke Prälatengebäude aus dem Jahr 1663 nutzt das Breslauer Staatsarchiv und ist für Besucher nicht zugänglich.

Privatmann plante Hotel und Erholungszentrum im Schloss

Dass das Schloss Kamenz heute noch steht und besichtigt werden kann, ist der Initiative eines Poseners zu verdanken. Den Zweiten Weltkrieg hatte das Schloss zwar unbeschadet überstanden. Aber es folgte eine Zeit, in der es geplündert wurde und verfiel. Treppen der Terrassen sollen nach Warschau (Warszawa) gebracht worden sein, wo sie heute zum Eingang des Kulturpalastes hinaufführen, erzählt uns ein Ortsansässiger.
In den 1980er Jahren begann Włodzimierz Sobiech, der als Dozent an der Technischen Hochschule in Posen (Poznań) arbeitete, mit der Instandsetzung des Schlosses. Er hatte im Westen ein Vermögen geerbt, pachtete von der Gemeinde das Schloss für 40 Jahre und wollte es zu einem Hotel und Erholungszentrum ausbauen. Nach seinem Tod im Jahr 2010 übernahm die Gemeinde das Schloss und setzt die Restaurierungsarbeiten fort.
Die Inneneinrichtung des Schlosses ist verlorengegangen. Besichtigt werden können jedoch die Prachträume im Rahmen von Führungen: Der Audienzsaal mit seinem Palmengewölbe und der stützenlose Speisesaal mit Wandmalereien „Die Hochzeit in Kana“ und „Das Gastmahl Balthasar“ sind besonders zu empfehlen. Als Vorbild für den Speisesaal soll der Remter der Marienburg (Malbork) gedient haben.
Allenthalben macht der Ort Kamienz einen gepflegten Eindruck, die großzügigen Rasenflächen um das Kloster herum und die Wege sind pikobello gepflegt. Es gibt einen öffentlichen Fitnesspark und eine neue Fußgängerbrücke über den Pausebach (Budzówka). Für Besucher steht ein großer Parkplatz zur Verfügung. (fh)

Karte

Landkarte von Polen mit Kamenz

Wetter

Kamenz (Kamieniec Ząbkowicki), Polen23.03.2017 – 15:10 Uhr
wolkenbedeckt
KamenzWetter Polen7 °CLuftfeuchte: 81%
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(CC BY-SA 2.0: OpenWeatherMap)

Sehenswürdigkeit

Schloss von Marianne von Oranje (Pałac Marianny Orańskiej)
Zamkowa 9
57-230 Kamieniec Ząbkowicki
Tel.: +48 (0) 74 6370167
Internet: www.palacmarianny.com.pl

Karte

Kamenz - Schloss von Marianne von Oranje, Zamkowa 9, 57-230
Kamenz - Schloss von Marianne von Oranje, Zamkowa 9, 57-230 Kamieniec Ząbkowicki (Google Maps)