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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Thorn (Toruń) in Polen - Geburtsort von Nikolaus Kopernikus

Viele Wege führen nach Thorn, das heutige Toruń, das nur knapp 200 km westlich von der polnischen Hauptstadt Warschau liegt. Für mich ergab sich jedoch die Gelegenheit, diese schöne Stadt an der Weichsel zum ersten Mal zu besuchen, als ich von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Kiel eingeladen wurde, im Frühjahr 2010 an einer Studienfahrt teilzunehmen. Was verbindet man in erster Linie mit der ehemaligen Hansestadt? Natürlich zunächst einmal ihren bedeutendsten Sohn, Nikolaus Kopernikus, und – die berühmten Thorner Pfefferkuchen. Doch die Stadt hat weitaus mehr zu bieten und blickt auf eine ruhmreiche aber auch wechselvolle Geschichte zurück.

Blick über die Weichsel auf die Thorner Altstadt
Altstadt von Thorn (Toruń). Fotos: Frank Hilbert

Zwischen Preußen und Polen

Im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts im Zuge der Schenkung des Kulmer Landes durch Herzog Konrad von Masowien an den Deutschen Ritterorden (aus Dankbarkeit für die Unterstützung der Kreuzritter bei der Bekämpfung der heidnischen Pruzzen) auf den Überresten einer slawischen Wehranlage erbaut, entwickelt sich die Thorner Ordensburg schon bald dank ihrer günstigen Lage an der Kreuzung weitreichender Handelswege zu einer bedeutenden Handelsstadt. Der Legende nach verdankt Thorn übrigens seinen Namen der Festung Toron  im Heiligen Land – heute Tebnine im Libanon. Nach der Niederlage des Deutschen Ritterordens in der Schlacht bei Tannenberg (1410) nahm der polnische König Władysław Jagiełło Thorn ein, der Erste Thorner Frieden (1411) entschied jedoch über der Verbleib der Stadt bei den Kreuzrittern. Der Machtmissbrauch des Ritterordens im Kulmer Land führte zur Unzufriedenheit des aus der Ritterschaft des Kulmer Landes hervorgegangenen Preußischen Bundes, einer Interessensvertretung der preußischen Städte, die im Jahr 1454 dem Hochmeister den Treueeid kündigte und sich dem polnischen König unterstellte. Damit begann der 13-jährige Krieg, der in der Teilung des Deutschordensstaates  mündete. Beim Zweiten Thorner Frieden (1466) kam ein beträchtlicher Teil des Ordensreiches – einschließlich Thorn – zu Polen. Thorn wurde, ebenso wie Danzig (Gdańsk) und Elbing (Elbląg), als eines der Zentren des Handelsbundes der Hanse zum Freistaat. Danach erlebte Thorn seine zweite Blütezeit als Handelsstaat. Die Schiffe konnten auf der Weichsel bis Thorn vordringen und Waren in ganz Europa transportieren. Prächtige Kaufmannhäuser, die gleichzeitig Wohn- und Geschäftsräume einschließlich der Warenlager beherbergten, wurden erbaut. 1500 entstand über der Weichsel die längste Brücke Europas. Erst die Teilung Polens im ausgehenden 18. Jahrhundert führte zu einem Rückschlag: 1773 fielt Thorn an Preußen und verlor die Selbstverwaltung. Erst nach dem Versailler Vertrag von 1919 wurde Thorn wieder polnisch.

Innenstadt von Thorn (Toruń)
Die Thorner Innenstadt.

Der berühmte Astronom

Die beiden Patrizierhäuser in der Ulica Kopernika 15 und 17 mit ihren prachtvollen gotischen Fassaden zeugen heute noch vom Wohlstand der ehemaligen Eigentümer. In einem der beiden Gebäude erblickte am 19. Februar 1473 der wohl berühmteste Astronom aller Zeiten – Nikolaus Kopernikus – das Licht der Welt. „Hervor brachte ihn der polnische Stamm, die Sonne hielt er an“ – dieses Leitmotiv wiederholt sich stets in Polen, wenn man über Nikolaus Kopernikus spricht. Nun, es entspricht nur teilweise der Wahrheit. Nikolaus Kopernikus (eigentlich Nikolas Koppernigk, lateinisch Nicolaus Copernicus, in der polnischen Übersetzung Mikołaj Kopernik) war der Sohn des wohlhabenden Kupferhändlers und Schöffen in Thorn, Niklas Kopernigk, und dessen Frau Barbara Watzenrode. Die Familie Koppernigk gehörte zur deutschsprachigen Bürgerschaft Thorns. Nach dem frühen Tod der Eltern kamen Nikolaus und  seine Geschwister unter die Obhut des Onkels, Lucas Watzenrode, Fürstbischof im Ermland, der für die Ausbildung der Waisen sorgte.

Ab 1491 studierte Nikolaus Kopernikus in Krakau, Bologna und Padua Recht, Medizin und Astronomie. 1503 schloss er seine Universitätsausbildung in Ferrara als Doktor des Kirchenrechtes ab. Nach der Rückkehr in seine Heimat übte er diverse Kirchenämter aus, u.a. als Domherr und Administrator in Frauenburg (Frombork). Hier, im „hintersten Winkel der Welt“, wie er die ermländische Stadt am Frischen Haff bezeichnete, machte er in einem Turmzimmer seine bedeutendsten astronomischen Versuche und Himmelbeobachtungen. Er postulierte die zentrale Stellung der Sonne und die dreifache Rotation der Erde (tägliche Rotation, jährlicher Bahndurchlauf, Präzession der Erdachse) und stellte das geozentrische Weltbild der katholischen Kirche in Frage. Die Ergebnisse seiner Arbeit präsentierte er nur einem kleinen Kreis von Fachleuten. Sein Hauptwerk „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ (Von den Drehungen der Himmelskreise, Nürnberg 1543) erschien erst nach seinem Tod.  Kopernikus starb am 24. Mai 1543 in Frauenburg (Frombork) und fand im Frauenburger Dom seine letzte Ruhestätte.

Das Geburtshaus von Kopernikus beherbergt heute ein Museum (Dom Kopernika), das sich natürlich der Lebensgeschichte des berühmtesten Sohnes der Stadt widmet. (fh)

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Landkarte von Polen mit Thorn (Toruń)

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Thorn (Toruń), Polen26.03.2017 – 14:55 Uhr
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Toruń (Thorn), Rynek Staromiejski 25, 87-100
Toruń (Thorn), Rynek Staromiejski 25, 87-100 Toruń (Google Maps)
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