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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 1.46 Uhr.


Krakau unterirdisch erleben


Ausstellung Unterirdische Route Krakau
Foto: Frank Hilbert Die Mitarbeiterin des Museums in den Tuchhallen von Krakau verdreht die Augen. „Der Eingang zum unterirdischen Museum ist am anderen Ende des Gebäudes“, faucht sie mich an. Freundlich ist anders, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Touristen, die aus aller Welt nach Krakau strömen, das Stadtsäckel ordentlich füllen, aus dem mit größter Wahrscheinlichkeit auch der Arbeitsplatz der Dame finanziert wird. Wir laufen in die uns gezeigte Richtung. Drinnen vor einer massiven Glastür, die zum Museum führt, geht eine Aufpasserin auf und ab und schaut regelmäßig auf ihre Armbanduhr. Es sind wenige Minuten vor 10 Uhr. Bis punkt 10 Uhr bleibt die Tür geschlossen. Ein Aushang an der Tür informiert, dass der Einlass alle halbe Stunde erfolgt und dass man die Eintrittskarten online reservieren muss – was wir natürlich nicht getan haben, denn woher hätten wir das auch wissen sollen?


Die Aufpasserin schließt die Tür auf und eine weitere Museumsmitarbeiterin mit einer Liste in der Hand steckt ihren Kopf raus: „Ist die für 10 Uhr angemeldete Gruppe schon da?“, fragt sie. Vor der Tür hat sich bereits eine Menschenmenge versammelt, aber keiner von uns hat sich vorher angemeldet. „Sie haben sich falsch eingeordnet!“, werden wir angeraunzt. „Hier dürfen nur Gruppen stehen!“ Raunend machen die Wartenden zwei Schritte nach links. Ich will wissen, ob und wann wir überhaupt reinkommen. „Ohne eine Reservierung sieht es schlecht aus“, antwortet die Frau mit der Liste. „Wenn die angemeldete Gruppe jedoch nicht kommt, dürfen Sie rein.“ Wir haben Glück. Die Gruppe kommt nicht, und wir dürfen – aber nur die ersten Zehn – in die Krakauer Unterwelt hinabsteigen. Der Abstieg auf fünf Meter unterhalb des Pflasters bedeutet eine Zeitreise in 1000 Jahre Geschichte des Krakauer Marktes. Die mittelalterlichen Erlebnisräume, die sich uns anschließend offenbaren, sind das Ergebnis archäologischer Ausgrabungsarbeiten, die im Sommer 2005 begonnen wurden. Sie waren ursprünglich für nur sechs Monate angedacht, doch der Umfang der Ausgrabungen bewirkte, dass sie erst viel später abgeschlossen wurden. Die Ausgrabungsstätte wurde mit einer Betondecke überdacht, eine Ausstellung eingerichtet und 2010 für der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Auf rund 4.000 qm Fläche können wir in die spannende Geschichte Krakaus eintauchen – von der Steinzeit über den Mongoleneinfall im 13. Jahrhundert bis in die Neuzeit. Archäologische Funde wie befestigte, erstaunlich gut erhaltene Pflasterwege aus dem frühen Mittelalter, Brunnen, Fundamente alter Wohn- und Geschäftshäuser, Kellergewölbe, die einst den Händlern als Warenlager dienten sowie mittelalterliche Grabstätten wurden sorgsam rekonstruiert, konserviert und durch anschauliche Informationen in multimedialer Form (Touchscreens, Filmleinwände, audiovisuelle Effekte) über die Geschichte der Stadt und ihre Bedeutung im weit verzweigten Flechtwerk der Handelsrouten ergänzt. Die Ausstellung befindet sich auf einer Ebene, die noch im 10. Jahrhundert der eigentliche Marktplatz war. Die Tatsache, dass im Mittelalter Abfälle auf Straßen und Plätzen nicht beseitigt, sondern einfach mit Sand zugeschüttet wurden, führte dazu, dass die ehemalige Erdgeschossebene der Häuser zu Kellern wurde. Wir erfahren auch, dass Krakau im Laufe seines Bestehens mehrfach zerstört worden war und dass man die Stadt einfach auf den Überresten der alten Bebauung wieder aufbaute, was ebenfalls zur Erhöhung des Geländes führte.

Eine abschließende Anmerkung zum Museum: Ein bisschen nervig sind die Aufpasser, die die Besucher auf Schritt und Tritt verfolgen und manchmal recht abstruse Anweisungen geben. („Sie dürfen nur die Fundamente und Fundstücke fotografieren, aber keine Infotafeln, Bildschirme oder multimedialen Effekte!“ – Diese Einschränkung wurde uns an der Kasse verschwiegen, als wir eine Genehmigung zum Fotografieren gekauft hatten.) Abgesehen von der Fotoparanoia, die mittlerweile auch zahlreiche andere Museen in Polen erfasst hat,  hat uns die Qualität der Ausstellung im unterirdischen Museum beeindruckt und wir können es jedem Krakau-Besucher wärmstens weiterempfehlen. (bw)


Kontakt:

Podziemia Rynku trasa turystyczna (Krakau - unterirdische touristische Route)
Rynek Główny 1/2
31-042 Kraków
Tel.: +48 (0) 12 4265060
E-Mail: info@podziemiarynku.com
Internet: www.podziemiarynku.com
Öffnungszeiten:
täglich 10.00 - 20.00 Uhr Montags ist der Eintitt frei. Jeden ersten Dienstag im Monat ist die Ausstellung geschlossen.
Anmerkung:
Einlass ist alle 15 Minuten. Es werden max. 30 Personen in die Ausstellung gelassen. Deshalb empfiehlt die Museumsleitung allen Interessierten, sich vorher anzumelden. Tickets kann man über die Internetseite des Museums bestellen. Die Bestellseite findet man unter der Rubrik "Rezerwacja Biletów Online".

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