Städtepartnerschaft Kiel - Gdingen
Skwer Ko¶ciuszki - Brunnen in Gdingen Foto: Frank Hilbert
„Polnische Tage in Kiel“ vom 2. bis 10. Oktober 1971 war die erste
Veranstaltungsreihe dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. Das Kulturamt
der Landeshauptstadt Kiel und die Industrie- und Handelskammer zu Kiel stellten
in mehr als dreißig Veranstaltungen das Nachbarland vor. Oberbürgermeister
Günther Bantzer und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Hendrik Genth sahen gemeinsam
das Ziel, die Stadt Kiel als „Umschlagplatz zum osteuropäischen Kultur- und
Wirtschaftsraum“ auszugestalten.
Politisch ging es darum, auf der
Grundlage des Warschauer Vertrages vom Dezember 1970 zu dem bedeutenden
mitteleuropäischen Nachbarvolk neue Beziehungen anzuknüpfen. Nach den Gräueln
des 2. Weltkrieges und dessen bitteren Folgeerscheinungen galt es, der
Verständigung und der Versöhnung zwischen den Menschen beider Völker Raum zu
schaffen.
Edward Czarnecki, der Leiter der Europaabteilung in der
polnischen Außenhandelskammer, lud unter dem Eindruck der vielseitigen
Veranstaltungen und der angenehmen Gastfreundschaft die Stadt Kiel ein, schon im
folgenden Jahr sich der polnischen Bevölkerung im Danziger Raum vorzustellen.
„Poznaj Kilonie“, — lerne Kiel kennen! — wurde zur Aufforderung der
Kieler Tage, die vom 5. bis 12. Oktober 1972 in Gdynia stattfanden. Die
polnische Außenhandelskammer hatte gut vorgearbeitet, 30 Unternehmen aus dem
Kieler Raum zeigten 70 000 Besuchern ihre Erzeugnisse, und in der Presse
Schleswig-Holsteins hießen die Schlagzeilen: „Das Tor wurde weit aufgemacht“,
„Kiel schuf Modell für die Kooperation mit Polen“, „Steife Stadträte küßten
temperamentvoll die Hände der Damen“, „Es ging um Verständigung“. Nicht nur
Günter Grass nahm mit ausverkauften Lesungen an dem Ereignis teil, auch mehr als
300 Kieler Bürger, die den beachtlichen Beginn miterleben wollten, waren dabei.
Unter ihnen war auch eine Reihe von Mitgliedern der im Frühjahr 1972 gegründeten
Deutsch-PoInischen Gesellschaft Kiel.
Seitdem hat diese Gesellschaft es
als ständige Aufgabe empfunden, die Beziehungen zwischen den beiden großen
Hafenstädten am Baltischen Meer in besonderer Weise zu pflegen. Polnische Segler
wurden als Besucher Kiels empfangen, die polnischen Gäste der Kieler Woche —
Journalisten, Politiker, Sportler, Marinesoldaten — trafen selbstverständlich
bei dem traditionellen „Abend mit Gästen“ mit den Bürgern Kiels zusammen. Diese
Abende wurden zu Höhepunkten der entstehenden Gemeinsamkeit.
Unter den
Gästen aus Gdynia lernten Mitglieder unserer Gesellschaft auch Konrad Ruth und
Kazimierz Malkowski kennen, Männer aus dem Vorstand der TOWARZYSTWO MILOSNIKÓW
GDYNI, der „Gesellschaft der Freunde Gdynias“. Schon in einer Zeit, als
offizielle Beziehungen noch nicht erlaubt waren und politische Ereignisse — das
Danziger-Treffen 1979 — die Annäherung beider Städte behinderten, entstanden mit
dieser Bürgergesellschaft erste partnerschaftliche Beziehungen. Später übernahm
die Polnisch-Deutsche Gesellschaft in Gdynia mit Czeslaw Pietraszek die gleiche
Aufgabe.
An gegenseitigen Vorstellungen beider Städte (1975 und 1978) und
an der Bürgerfahrt 1977, mit 300 Kielern im Charterschiff „Ilmatar“, war die
Deutsch-PoInische Gesellschaft Kiel wieder beteiligt, und so sahen es ihre
Mitglieder auch als ihren Erfolg an, dass 1985 endlich die Städtepartnerschaft
Kiel — Gdynia offiziell begründet werden konnte. In enger Zusammenarbeit mit dem
Kieler Kulturamt wurden zahlreiche Kunstausstellungen, Konzerte und Vorträge
veranstaltet, in denen Gdynia immer wieder durch Beiträge vertreten war.
(Deutsch Polnische Gesellschaft Kiel)
Weiterführende Links
Weitere Informationen über Gdingen
www.kiel.de
www.gdynia.pl