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Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

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Pflegekräfte aus Polen

Gegen Ende 2012 waren in Deutschland laut Statistischen Bundesamt knapp 2,54 Millionen Menschen pflegebedürftig, etwa 145.000 von ihnen bezogen Leistungen über eine private Pflegepflichtversicherung, weitere 2,4 Millionen Menschen hingegen über die soziale Pflegeversicherung. Vergleicht man diese Zahlen mit dem Jahr 1995, so lag die Menge der Leistungsbezieher bei der sozialen Pflegeversicherung lediglich bei 1,06 Millionen – das macht einen jährlichen Anstieg von durchschnittlich 4,9 % pro Jahr. Eine Schätzung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung gibt an, dass es bis 2030 nochmals rund ein Drittel mehr Pflegebedürftige geben könnte.

Grafik zum demografischen Wandel in Deutschland

Betroffen sind vor allem die älteren Generationen, deren Zahl laut des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung um mehr als ein Viertel auf 1,3 Millionen Menschen steigen wird. Grund für diese extreme Entwicklung ist insbesondere der demographische Wandel, denn mit ihm zeigt sich eine insgesamt immer höhere Lebenserwartung des Menschen. Mit steigendem Alter wächst allerdings auch gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, dass man zum Pflegefall wird – aus dieser Situation heraus ergibt sich das Problem, dass mittlerweile ein akuter Pflegekräftemangel in Deutschland herrscht. Einerseits sollen die Fachkräfte flexibel, jung und engagiert sein, andererseits werden sie jedoch oftmals schlecht bezahlt, erhalten wenig gesellschaftliche Anerkennung und sind häufig überlastet.

Tatsächlich tendieren deutsche Pflegekräfte sogar zunehmend dazu, ins Ausland abzuwandern, da ihre Arbeit in Nachbarstaaten offenbar eher honoriert wird, sowohl bezüglich des Gehalts als auch der Wertschätzung. Laut eines ZDF Beitrags des heutejournals hatten Pflegekräfte in Luxemburg im Jahr 2011 beispielsweise etwa doppelt so viel auf dem Konto. Dies liegt einerseits an den höheren Pflegeausgaben pro Kopf, andererseits aber auch an niedrigeren Steuern. Hinzu kommt, dass die dortigen Pfleger weitaus mehr Kapazitäten für ihre Patienten haben. Genaueres zu den im Beitrag erwähnten Zahlen ist unter Wohnen-im-Alter.de zu finden. Um der kritischen Situation dennoch Rechnung zu tragen, wird immer häufiger auf Pflegekräfte aus Osteuropa zurückgegriffen, beispielsweise aus Polen. Sie sind für viele Angehörige eine bezahlbare Alternative zum Altenheim.

Wann handelt es sich überhaupt um eine Pflegebedürftigkeit?

Laut Ergo Direkt ist es Grundvoraussetzung zur Einstufung in eine Pflegestufe, dass der Betroffene für einen längeren Zeitraum in erheblichem oder höherem Maße Hilfe benötigt. Generell sind hierbei mindestens sechs Monate gemeint. Grund für eine solche Einstufung in eine Pflegestufe ist entweder eine Krankheit oder eine geistige, körperliche oder seelische Behinderung. Für gewöhnlich handelt es sich dabei um Einschränkungen im Leben, die regelmäßig auftreten und den Alltag stark beeinflussen, so dass eine bestenfalls stets anwesende Hilfskraft notwendig wird. Pflegerinnen aus Osteuropa

Pflegerinnen und Pfleger aus Osteuropa

In der Regel werden Pflegekräfte aus Osteuropa über Vermittlungsagenturen an den Pflegebedürftigen bzw. dessen Vormund weitergeleitet. Im deutschen Pflegealltag sind sie mittlerweile ein fester Bestandteil, laut Stiftung Warentest waren es allein 2009 knapp 100.000 Pflegerinnen aus EU-Beitrittsländern wie Polen, Tschechien und der Slowakei, die in Deutschland gearbeitet haben. Sie ermöglichen die Pflege zuhause und wohnen direkt bei den betroffenen Menschen, so dass sie eine 24-Stunden-Betreuung bieten können. Laut des Testportals kostet diese Betreuung etwa 1200- 2500€ im Monat, dazu kommen außerdem freie Kost und Logis.

Rechtslage ist mittlerweile entspannter als noch vor einigen Jahren

Allerdings gilt zu bedenken, dass die Vermittlung von ausländischen Betreuerinnen nicht völlig unproblematisch ist. Mitunter kann es sogar der Fall sein, dass die Beschäftigung einer Pflegerin aus Polen, Tschechien oder der Slowakei eine Straftat darstellt. Dann können mitunter empfindliche Geldstrafen folgen. Allerdings ist die Beschäftigung einer polnischen Pflegekraft nicht grundsätzlich illegal, es gibt also durchaus einige Möglichkeiten, ein ganz normales Arbeitsverhältnis zu bieten.

  • Selbstanstellung
    Einerseits besteht die Möglichkeit der Selbsteinstellung, die schon immer gegeben war, viele Angehörige und Pflegebedürftige jedoch abschreckt. Grund dafür ist die Tatsache, dass die Betroffenen bzw. Angehörigen hierbei selbst als Arbeitgeber in Aktion treten müssen. Sie müssen sich demnach um den gesamten Prozess der Anstellung kümmern, also beispielsweise eine Betreuerin suchen, die Anreise organisieren, eine Betriebsnummer beantragen, einen Arbeitsvertrag abschließen, die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt tätigen oder wichtige bürokratische Angelegenheiten wie Steuerkarte, Anmeldung bei der Krankenkasse, Abschließen einer Unfallversicherung oder die Erstellung von Lohnabrechnung übernehmen. Daraus ergibt sich eine ganze Menge Arbeit, die gerade für Laien sehr schwierig und komplex sein kann – dass viele diesen Aufwand scheuen, ist also kaum verwunderlich.
  • Beschäftigung von selbständigen Pflegekräften aus dem Ausland
    Ebenfalls beliebt ist die Beschäftigung von selbstständigen Pflegekräften. Sobald es sich hierbei jedoch um eine 24-Stunden-Betreuung handelt – so wie es zumeist der Fall ist – so handelt es sich um eine Straftat, denn die Selbstständigkeit ist nur dann gegeben, wenn mehr als ein Auftraggeber vorhanden ist. Die Rede ist hierbei von der so genannten Scheinselbstständigkeit, die auch immer wieder Gegenstand bei Gerichtsentscheidungen ist.
  • Die Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreizügigkeit
    Mittlerweile konnte eine neue Gesetzeslage jedoch dafür sorgen, dass sehr viele legale polnische Arbeitskräfte auf dem Markt aktiv sind. Sie profitieren von der europäischen Arbeitnehmer- und Dienstleistungsfreizügigkeit, welche seit 1. Mai 2011 in Kraft getreten ist. Diese ermöglicht es, legal in Deutschland zu arbeiten, während die Pflegekräfte in der Regel bei Agenturen versichert und angestellt sind, die sich in Polen befinden – durch deutsche Partneragenturen werden sie nach Deutschland geschickt und benötigen dort keine Arbeitserlaubnis mehr, sondern müssen nur einige festgelegte Zollregularien erfüllen bzw. nach deutschem Recht bezahlt werden. Dies bezieht sich unter anderem beispielsweise auf Mindestlöhne.
  • Noch vor wenigen Jahren sah dieses Bild gänzlich anders aus: vor 2011 war der deutsche Arbeitsmarkt für Staatsbürger aus den östlichen EU-Beitrittsländern noch gesperrt. Private Arbeitsverträge waren mit Haushaltshilfen nur dann zulässig, wenn sie von der Bundesagentur für Arbeit vermittelt wurden. Zudem durften sie zwar putzen, kochen oder Wäsche waschen, pflegen durften sich jedoch nicht – unter anderem waren beispielsweise die Medikamentenvergabe oder das Anlegen von Wundverbände verboten.

Eine Pflegerin hält die Hände einer Patientin
Pflegerinnen aus Osteuropa entlasten die angespannte Lage im Pflegesektor und sind vielen Betroffenen eine wichtige Stütze im Leben.

Wenngleich die Gesetzeslage sich dem steigenden Bedarf angepasst hat und die Bedingungen sich sowohl auf Seiten der polnischen Pflegekräfte als auch auf Seiten der bedürftigen Familien verbessert haben, so herrscht dennoch zu großen Teilen Unsicherheit. Für Laien ist es beispielsweise schwierig beurteilen zu können, ob die entsprechende Fachkraft wirklich legal arbeitet. Hierbei kann jedoch eine einfache und sehr wichtige Frage schnell für Klarheit sorgen: und zwar das Vorhandensein der so genannten A1-Bescheinigung.

  • Die A1-Bescheiningung
    Dieses Dokument besagt, dass die Betreuungskraft im Heimatland ordnungsgemäß sozialversichert ist, wobei die Aushändigung einer solchen Bescheinigung unter strikten Voraussetzungen geschieht. Dazu zählt unter anderem, dass das ausländische Unternehmen den Großteil seines Umsatzes im Heimatland erwirtschaften muss, weiterhin müssen aber auch die Mitarbeiter des Unternehmens primär im Heimatland beschäftigt sein. Für die jeweiligen Pflegekräfte muss demnach also sichergestellt werden, dass sie zuhause eine Vor- und Weiterbeschäftigung vorfinden und nicht zwangsläufig auf die Arbeit in Deutschland angewiesen sind. Hierbei weist der Bundesverband Europäischer Betreuungs- und Pflegekräfte (BEBP) e. V. ausdrücklich darauf hin, dass Familien sich die Bescheinigung in jedem Fall im Original vorlegen lassen sollen.
  • Weisungsrecht
    Ebenfalls wichtig und damit eine weitere Voraussetzung für die legale Entsendung ist ein beständiges Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitnehmer und ausländischen Arbeitgeber, das während des gesamten entsendeten Zeitraums fortbesteht. Hierbei kommt das sogenannte Weisungsrecht ins Spiel, das Auskunft darüber gibt, wer genau der Pflegekraft ihre Anweisungen gibt. Diese müssen durch den ausländischen Arbeitgeber getätigt werden, nicht jedoch direkt von der Familie. In einem solchen Fall würde das Arbeitsverhältnis mit dem ausländischen Arbeitgeber im Grunde nur noch auf dem Papier bestehen und dies wiederum hätte zur Folge, dass die Familie die üblichen Sozialabgaben und Steuern zu tragen hätte, um die sich ansonsten der ausländische Arbeitgeber kümmern müsste. Ist dies der Fall, so könnte die Familie dies im Nachhinein bitter bereuen, da dies mitunter sehr gravierende rechtliche und finanzielle Folgen hat.
  • Mindestlohn
    Zudem gilt auch für ausländische Firmen der deutsche Mindestlohn. Dies ist aber nur der Fall, wenn die Betreuungskraft überwiegend grundpflegerische Tätigkeiten übernimmt.

Kosten und Finanzierung – womit müssen Betroffene und Angehörige rechnen?

Diese Frage ist pauschal kaum zu beantworten, zumal es hierbei vor allem auf die Sprach-, Fach- und sonstigen notwendigen Kenntnisse der jeweiligen Pflegekraft ankommt. Verständlicherweise ist eine Pflegekraft mit guten Deutschkenntnissen, Führerschein, langjährigen Pflegekenntnissen und guten Zeugnissen entsprechend teurer als eine Haushaltshilfe, die gerade erst in Ihrem Beruf begonnen hat und dementsprechend nur geringe Kenntnisse und Erfahrungen vorzuweisen hat. Gerade dann, wenn es sich um eine 24-Stunden-Pflege handelt, können die Kosten durchaus hoch sein und mehrere 1000 € umfassen – um hierbei zu sparen, sollten bei der Anforderung einer Pflegekraft nur die Kenntnisse berücksichtigt werden, die wirklich benötigt werden. Alles andere erhöht nur unnötig die Kosten.

  • Finanzierung über Pflegegeld
    Pflegesachleistungen, mit denen ansonsten die Leistungen eines Pflegedienstes bezahlt werden, können nicht gleichermaßen für Pflegekräfte oder Haushaltshilfen aus Osteuropa übernommen werden. Stattdessen steht Betroffenen lediglich das Pflegegeld zur Verfügung, sofern denn eine Pflegestufe eingereicht wurde und derjenige per Gesetz pflegebedürftig ist. Unter pflege-durch-angehoerige.de können hierfür verschiedene Rechenbeispiele nachgeschlagen werden, um einen groben Überblick zu erhalten.
  • Steuerliche Entlastung
    Wird eine Haushaltshilfe über eine Vermittlungsagentur beschäftigt, so können die Kosten entweder als sogenannte außergewöhnliche Belastung oder als haushaltsnahe Dienstleistungen bei der Steuer geltend gemacht werden. Um dies zu ermitteln, sollte allerdings idealerweise ein Steuerberater aufgesucht werden, alternativ kann auch das Finanzamt befragt werden.

Fazit

Die Finanzierung einer Haushaltshilfe aus Osteuropa bleibt in der Regel sehr stark an den Pflegebedürftigen und deren Familien hängen, Pflegekassen finanzieren den Dienst nur gering mit. Diesbezüglich lohnt es sich also, genau zu ermitteln, ob die Pflegekraft notwendig ist und ob sie sich preislich rechnet – dies hängt auch von der Schwere der Pflegebedürftigkeit, den persönlichen Umständen, den räumlichen Gegebenheiten den Wünschen und Vorstellungen des Betroffenen ab. Sicherlich ist es nicht jedermanns Geschmack, in ein Pflegeheim geschickt zu werden und so kann die Inanspruchnahme einer guten Pflegekraft durchaus eine sehr gute Alternative sein. Weiterhin haben sich auch die Bedingungen seitens der Pflegekräfte verbessert, Gesetze wurden angepasst und der Einstieg als Pflegekraft auf dem deutschen Markt fällt entsprechend leichter.

(Alle Angaben ohne Gewähr.)