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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 1.07 Uhr.
Das Gelände mit den Wirtschaftsgebäuden und der dazugehörige Parkplatz machen einen so ordentlichen und sauberen Eindruck, dass wir glauben, versehentlich in einer der zahlreichen masurischen Pensionen gelandet zu sein. Auf dem Vorhof begrüßt uns in freudiger Erregung und mit wedelndem Schwänzchen ein Schäferhundwelpe, der die Kinder die Strapazen der langen Wanderung sofort vergessen lässt. Das renovierte Forsthaus selbst ist für Besucher nicht zugänglich, aber am Tor der gegenüber liegenden Scheune erscheint eine junge Frau und bittet uns herein. Hier befindet sich eine kleine Gedenkstube, die dem Leben und Schaffen Ernst Wiecherts gewidmet ist. Zur Ausstellung gehören zahlreiche Gegenstände aus dem Privatbesitz sowie alte Ausgaben der Werke des masurischen Schriftstellers.
Die junge Museumsangestellte erzählt uns aus dem Leben von Ernst Wiechert, der eigentlich genauso wie sein Vater Förster werden wollte. Der Vater erkannte jedoch früh die Begabung seines Sohnes und schickte ihn auf ein Gymnasium und anschließend zum Studieren nach Königsberg. Wiechert wurde Lehrer, widmete sich aber zugleich zunehmend seiner weiteren großen Leidenschaft: dem Schreiben. In seinen Romanen besingt er immer wieder die Schönheit seiner ostpreußischen Heimat. Tragische Schicksalsschlage, die ihm nicht erspart geblieben sind (früher Tod seines Bruders, Selbstmord der Mutter, Schreckenserlebnisse des Ersten Weltkriegs, Tod seines Sohnes, Selbstmord der ersten Ehefrau Meta, Kampf gegen Depressionen), legten einen melancholischen Schleier über seine Werke. Während der Nazi-Diktatur machte Wiechert nie einen Hehl aus seiner Abneigung gegen den Nationalsozialismus, was eine Verhaftung und Deportation ins KZ Buchenwald zur Folge hatte. Er verblieb dort zwar nur zwei Monate (Angeblich hatte sich Reichsminister Hermann Göring, ein großer Freund Wiecherts Literatur, für dessen Freilassung eingesetzt.), wurde aber anschließend unter Bewachung und Demütigung nach Berlin geholt. Bis zum Kriegsende im Jahr 1945 stand Wiechert und Aufsicht der Gestapo. Im Jahr 1948 siedelt er in die Schweiz über, wo er zwei Jahre später verstarb. Er wurde auf dem Friedhof in Sträfe am Zürichsee begraben.
Mit einem Gepäck voller neuer Eindrücke verlassen wir das kleine Museum. Inzwischen hat der Regen nachgelassen, zarte Sonnenstrahlen durchbrechen den grauen Himmel. Es kommst uns vor, als winkte uns Ernst Wiechert zum Abschied von einer Wolke zu. (bw)
Werke von Ernst Wiechert: