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Ausgegeben am Mittwoch, dem 23.05.2012, um 1.42 Uhr.
Vorposten des Deutschen Ordens
Der gotische Backsteinbau, mit Türmchen, die an die Türme der Marienkirche in Frauenburg erinnern, an der Mündung des Flusses Symsarna in die Alle (Lyna) erbaut und als Festung konzipiert, zeugt von der einstigen Bedeutung Heilsbergs als eines der zahlreichen Vorposten des Deutschen Ordens.
Im Jahr 1440 trat Heilsberg dem Prußischen Bund bei, ging aber mit dem Thorner Frieden im Jahr 1466 (Die Urkunde mit den eindrucksvollen Lacksiegeln ist heute in dem in der Burg eingerichteten Museum zu bewundern.) mit der gesamten Region Ermland an Polen über. Für das Bistum war es der Beginn eines goldenen Zeitalters. Die Bischöfe von Ermland standen den Prußischen Ständen vor, d.h. Sie waren die höchsten Amtsträger im Königlichen Preußen. Als einziges Erzbistum der Republik Polen unterstand Ermland direkt der Römischen Kurie. Der Bischof von Ermland trug auch die Senatorenwürde. Zeitgleich mit der Zunahme der politischen Macht durch die Ermländer Bischöfe entwickelt sich Heilsberg zu einem bedeutenden kulturellen und wissenschaftlichen Zentrum. So war der letzte Bischof, der in Heilsberg residierte, kein geringerer als Ignacy Krasicki (1735-1801), ein führender Kopf der intellektuellen Szene Polens. Zu seinen Werken gehören zahlreiche Romane und Gesellschaftssatiren. In den Jahren 1503-1510 lebte Nikolaus Kopernikus im Bischofspalast von Heilsberg, wo er die Stellung des Hofarztes inne hatte. Im Jahr 1749 wurde in der bischöflichen Bibliothek die Originalchronik des Gallus Anonymus, eines der ersten Chronisten, der die Entstehungsgeschichte des polnischen Staates niedergeschrieben hatte.
Kranken- und Waisenhaus
Die Einverleibung Ermlands durch den protestantischen Preußischen Staat im Jahr 1771, die Folge der ersten Teilung Polens war, bedeutete auch einen Niedergang der territorialen Macht der katholischen Bischöfe von Ermland. Nachdem 1795 der letze Bischof von Ermland. Ignacy Krasicki, Heilsberg verlassen hatte, wurde im dem nun leer stehenden Palast das preußische Militär einquartiert. Die Burganlage verfiel. Anschließend wurden dort ein Kranken- und ein Waisenhaus untergebracht. Diese Zweckentfremdung bedeutete für den Bau die Rettung, da seine Abtragung bereits eine beschlossene Sache gewesen war.
Beim Einmarsch der Roten Armee im Jahr 1945 wurde fast die gesamte Altstadt Heilsbergs dem Erdboden gleichgemacht. Nur ein Stadttor (das sog. „Hohe Tor“), die Pfarrkirche und Teil der einstigen Befestigungen überstanden die Verwüstungen der Zweiten Weltkriegs. Auch die eindrucksvolle ehemalige Bischofsresidenz blieb fast unversehrt. Seit 1964 nimmt eine Regionalmuseum den größten Teils des dominanten Bauwerks ein. (Barbara Woyno)
