Polish Online
Polen: Übersetzungsdienst & Reiseinfos
Barbara Anna Woyno M. A. - Übersetzungen polnisch-deutsch-polnisch

Hauptnavigation

Lubliner Union von 1569

<< zur Übersicht

1569 wurde während einer Zusammenkunft des Sejm in Lublin die Union zwischen Polen und Litauen beschlossen, die sogenannte Lubliner Union. Sie bildete bis zur Teilung Polens die Grundlage für das Nebeneinander beider Länder im Rahmen eines Staates.

Der erste gemeinsame Sejm (Reichstag) von Polen und Litauen tagte vom 10. Januar bis zum 12. August 1569 auf der Burg in Lublin und war von König Sigismund II. einberufen worden. Auf der Tagesordnung der Versammlung stand die Umwandlung der Personalunion zwischen Polen und Litauen in eine Realunion.

Burg in Lublin
Auf der Burg in Lublin tagte 1569 der erste gemeinsame Sejm von Polen und Litauen, der die Lubliner Union beschloss Foto: Barbara A. Woyno

Der erste gemeinsame Sejm (Reichstag) von Polen und Litauen tagte vom 10. Januar bis zum 12. August 1569 auf der Burg in Lublin und war von König Sigismund II. einberufen worden. Auf der Tagesordnung der Versammlung stand die Umwandlung der Personalunion zwischen Polen und Litauen in eine Realunion.

Grund dafür war auf der einen Seite das drohende Ende der Herrscherdynastie der Jagiellonen. Alle drei Ehen, die König Sigismund II. eingegangen war, waren kinderlos geblieben.
Auf der anderen Seite gab es außenpolitische Bedrohungen. Moskau versuchte seinen Machteinfluss auf Livland auszuweiten. Daran hatte das Jagiellonenreich kein Interesse und schloss 1557 ein Schutzbündnis mit der livländischen Konföderation, obwohl mit Moskau ein Waffenstillstand geschlossen worden war, der noch bis 1562 Bestand haben sollte. Moskau auf der anderen Seite brach den Waffenstillstand 1558, indem es in Livland einfiel.
Polen konnte den Kampf für sich entscheiden und Livland ging an Polen. Um die Machtbasis gegen den erstarkenden Nachbarn im Osten weiter abzusichern, musste das Jagiellonenreich die eigene Position durch eine staatsrechtliche Vereinigung Polens mit Litauen stärken.

Der polnische und der litauische Adel, der am in Lublin tagenden Sejm teilnahm, verständigten sich auf einen gemeinsamen Reichstag, der den König und Großfürsten in einer Person zu wählen hatte (Wahlmonarchie). Als Krönungsort bestimmte der Sejm Krakau und zum Tagungsort der gemeinsamen Reichstage Warschau.

Der Sejm beschloss in Lublin außerdem:

  • eine gemeinsame Außenpolitik und eine gemeinsame Münze,
  • jeweils eigene Verwaltungen,
  • jeweils ein eigenes Heer, eigene Finanzen und eine jeweils eigene Rechtsordnungen.

Nach der Lubliner Union bestand die Republik aus:

  • den beiden Reichen Polen und Litauen,
  • den beiden Lehnsherzogtümern Preußen und Kurland sowie
  • einem gemeinsamen Herzogtum Livland.

Die administrative Aufteilung sah wie folgt aus:

  • Großpolen, 12 Wojewodschaften einschließlich Masowien und Preußen,
  • Kleinpolen, 11 Wojewodschaften,
  • Litauen, 11 Wojewodschaften mit Livland.

In der Gründungsurkunde hieß es über das Ziel der Realunion:

...in einem unteilbaren und ununterschiedenen Corpus, einem ungeteilten und einer gemeinsamen Republik, mit welcher sich zwei Staaten und Nationen ein Volk entwickeln und herausbilden wird.

Die Unionsakte von Brest von 1595/1596, durch die die orthodoxe Kirche im Unionsstaat dem Primat des Papstes unterstellt wurde, rundete die Realunion ab.

Personalunion Litauen-Polen:

Der Lubliner Union war die Personalunion zwischen Polen und Litauen vom 14. August 1385 vorausgegangen. König Ludwig der Große von Ungarn, der seit dem 17. November 1370 auch König von Polen war, starb 1382 und hinterließ seine beiden Töchter Maria und Jadwiga. Maria erhielt die ungarische Krone und ihre jüngere Schwester Jadwiga erbte den polnischen Thron. Die Krönungsfeierlichkeiten fanden am 15. Oktober 1384 statt. Jadwiga war zu diesem Zeitpunkt erst 11 Jahre alt. Der nächste Schritt bestand darin, Jadwiga zu vermählen. Es begann ein Machtkampf um die Thronfolge, aus der der litauische Fürst Jagiello als Sieger hervorging. Er heiratete Jadwiga und bestieg den polnischen Thron.

Im Gegenzug für die polnische Krone machte der litauische Fürst weitreichende Zugeständnisse. So ließ er sich und alle Nichtchristen in Litauen taufen, fügt seine Länder Polen hinzu und versprach, sich um die Rückgewinnung aller früheren polnische Gebiete zu bemühen. Damit war die Personalunion zwischen Polen und Litauen geboren. (fh)