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Deutsch-sowjetischer Grenz- und Freundschaftsvertrag (Hitler-Stalin-Pakt)

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Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) und Deutschland unterzeichneten den Deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag am 28. September 1939. Er stellt eine Ergänzung des Deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrag, der auch als Hitler-Stalin-Pakt bezeichnet wird, dar. Im Hitler-Stalin-Vertrag hatten die beiden Länder bereits das östliche Mitteleuropa in Interessensphären aufgeteilt. Estland, Lettland, Bessarabien und Ostpolen lagen in der sowjetischen Interessensphäre. Im Vertrag vom 28. September wurde zusätzlich Litauen der Sowjetunion zugesprochen.
Ein weiterer wesentlicher Punkt des Grenz- und Freundschaftsvertrages ist eine Vereinbarung über die Umsiedlung von Minderheiten.

Moskau, den 28. September 1939

Die Deutsche Regierung und die Regierung der UdSSR betrachten es nach dem Auseinanderfallen des bisherigen polnischen Staates ausschließlich als ihre Aufgabe, in diesen Gebieten die Ruhe und Ordnung wiederherzustellen und den dort lebenden Völkerschaften ein ihrer völkischen Eigenart entsprechendes friedliches Dasein zu sichern. Zu diesem Zecke haben sie sich über folgendes geeinigt:

Artikel I
Die Deutsche Reichsregierung und die Regierung der UdSSR legen als Grenze der beiderseitigen Reichsinteressen im Gebiete des bisherigen polnischen Staates die Linie fest, die in der anliegenden Karte eingezeichnet ist und in einem ergänzenden Protokoll näher beschrieben werden soll.

Artikel II
Beide Teile erkennen die in Artikel I festgelegte Grenze der beiderseitigen Reichsinteressen als endgültig an und werden jegliche Einmischung dritter Mächte in diese Regelung ablehnen.

Artikel III
Die erforderliche staatliche Neuregelung übernimmt in den Gebieten westlich der in Artikel I angegebenen Linie die Deutsche Reichsregierung, in den Gebieten östlich dieser Linie die Regierung der UdSSR.

Artikel IV
Die Deutsche Reichsregierung und die Regierung der UdSSR betrachten die vorstehende Regelung als ein sicheres Fundament für eine fortschreitende Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen ihren Völkern.

Artikel V
Dieser Vertrag wird ratifiziert und die Ratifikationsurkunden werden sobald wie möglich in Berlin ausgetauscht werden. Der Vertrag tritt mit seiner Unterzeichnung in Kraft.

Ausgefertigt in doppelter Urschrift in deutscher und russischer Sprache.

Für die Deutsche Reichsregierung: v. Ribbentrop

In Vollmacht der Regierung der UdSSR: W. Molotow

Vertrauliches deutsch-sowjetisches Protokoll

Moskau, den 28. September 1939

Die Regierung der UdSSR wird den in ihren Interessengebieten ansässigen Reichsangehörigen und anderen Persönlichkeiten deutscher Abstammung, sofern sie den Wunsch haben, nach Deutschland oder in die deutschen Interessengebiete überzusiedeln, hierbei keine Schwierigkeiten in den Weg legen. Sie ist damit einverstanden, dass diese Übersiedlung von Beauftragten der Reichsregierung im Einvernehmen mit den zuständigen örtlichen Behörden durchgeführt wird und dass dabei die Vermögenswerte der Auswanderer gewahrt bleiben.
Eine entsprechende Verpflichtung übernimmt die Deutsche Reichsregierung hinsichtlich der in ihren Interessengebieten ansässigen Personen ukrainischer oder weißrussischer Abstammung.

Für die Deutsche Reichsregierung: v. Ribbentrop

In Vollmacht der Regierung der UdSSR: W. Molotow

Geheimes deutsch-sowjetischen Zusatzprotokoll

Die unterzeichneten Bevollmächtigten stellen das Einverständnis der Deutschen Reichsregierung und der Regierung der UdSSR über folgenden fest:
Das am 23. August 1939 unterzeichnete geheime Zusatzprotokoll wird in seiner Ziffer 1 dahin abgeändert, dass das Gebiet des litauischen Staates in die Interessensphäre der UdSSR fällt, weil andererseits die Wojewodschaft Lublin und Teile der Wojewodschaft Warschau in die Interessensphäre Deutschlands fallen (vgl. die Karte zu dem unterzeichneten Grenz- und Freundschaftsvertrage). Sobald die Regierung der UdSSR auf litauischen Gebiet zur Wahrnehmung ihrer Interessen besondere Maßnahmen trifft, wird zum Zwecke einer natürlichen und einfachen Grenzziehung die gegenwärtige deutsch-litauische Grenze dahin rektifiziert, dass das litauische Gebiet, das südwestlich der in der anliegenden Karte eingezeichneten Linie liegt, an Deutschland fällt.
Ferner wird festgestellt, dass die in Geltung befindlichen wirtschaftlichen Abmahnungen zwischen Deutschland und Litauen durch die vorstehend erwähnten Maßnahmen der Sowjetunion nicht beeinträchtigt werden sollen.

Für die Deutsche Reichsregierung: v. Ribbentrop

In Vollmacht der Regierung der UdSSR: W. Molotow

Geheimes deutsch-sowjetisches Zusatzprotokoll

Moskau, den 28. September 1939

Die unterzeichneten Bevollmächtigten haben bei Anschluss des deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages ihr Einverständnis über folgendes festgestellt:
Beide Teile werden auf ihren Gebieten keine polnische Agitation dulden, die auf die Gebiete des anderen Teiles hinüberwirkt. Sie werden alle Ansätze zu einer solchen Agitation auf ihren Gebieten unterbinden und sich gegenseitig über die hierfür zweckmäßigen Maßnahmen unterrichten.

Für die Deutsche Reichsregierung: v. Ribbentrop

In Vollmacht der Regierung der UdSSR: W. Molotow