Riesengebirge – wo die Elbe entspringt

Elbquelle
An der Elbquelle im Riesengebirge prangen die Wappen der Städte, durch die die Elbe fließt. Foto: Frank Hilbert

Eine baumlose Ebene im Riesengebirge, die nur wenige hundert Meter von der Grenze zu Polen entfernt ist. Schnee so weit das Auge reicht. Hohe Holzstangen zeigen die Wanderwege an. Der obere Teil einer niedrigen Mauer aus Felsstein ragt ein Stück aus der Schneedecke heraus. Auf ihr sind Wappen von Städten angebracht. Der Schnee gibt die Namen Lauenburg, Dresden, Hamburg und Magdeburg preis. „An dieser Stelle muss der Betonkranz sein“, ruft ein junger Mann aus einer Gruppe von Leipzigern. „Hier entspringt die Elbe.“ Nichts ist zu sehen. Nur Schnee. Ich hoffe, dass der Schnee die Elbquelle nicht verstopft hat und in der Elbmündung die riesigen Containerschiffe, die täglich aus China kommend die Hansestadt anlaufen, nicht auf dem Trockenen liegen. Wenn die Elbe jetzt kein Wasser mehr führt, hätten sich Airbus und die Stadt Hamburg den Streit mit Umweltschützern über das Zuschütten des Mühlenberger Lochs sparen können.

Rückweg an den Schneegruben vorbei

Meine Frau und ich kehren der Elbquelle den Rücken zu und treten den Rückweg nach Schreiberhau in Polen an – mit einem kleinen Umweg. Wir wollen zu den Schneegruben, die nur eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt sind. Ihre Felswände ragen bis zu 200 m in die Höhe. In ihrer Talsohle sammelt sich Wasser in zwei Teichen. Mit ihrer alpinen Landschaft stehen die Schneegruben unter strengem Naturschutz. Ich stapfe durch den Schnee zu einem der Aussichtspunkte. Von hier aus kann ich die meterdicken Schneewehen sehen, die über die Felskante ragen und aussehen, als würden sie jeden Augenblick in die Tiefe stürzen. Ein kalter Wind weht über die Felskante. Tief unter mir schimmern die beiden Kochelteiche blau und smaragdgrün in der Sonne. Die Luft ist so klar, dass ich bis in das Hirschberger Tal hinabsehen kann.

Baude für Wanderer geschlossen

Zwischen der kleinen und der großen Schneegrube steht eine Baude. Hinter riesigen Fenstern sind Parabolspiegel zu sehen. Wanderer sitzen im Windschatten der Baude und sonnen sich. Bereits 1837 soll Graf von Schaffgotsch an dieser Stelle eine kleine Baude errichtet haben. Sie wurde mehrmals umgebaut, zum Schluss vergrößert und mit einem Turm versehen. Seit 1961 nutzt sie das polnische Fernsehen. Für Wanderer ist die Baude seitdem leider geschlossen. (Text und Foto: Frank Hilbert)

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