Warschauer Zentralbahnhof – falsches Zeitmanagement als Segen

Zentralbahnhof von Warschau (Warszawa Centralna)
Zentralbahnhof von Warschau (Warszawa Centralna). Foto: Frank Hilbert

Das alte Bahnhofsgebäude in Warschau (Warszawa Centralna) sollte komplett durch einen modernen Neubau ersetzt werden. Da sich das Großprojekt bis zur Fußball-Europameisterschaft 2012 jedoch nicht rechtzeitig realisieren ließ, setzte die polnische Bahn nun auf Sanierung. Die edlen Granit- und Marmoroberflächen der Bahnsteige und der großen Halle wurden gereinigt, die Beleuchtung durch eine hellere ausgetauscht und das unterirdische Spinnennetz von Passagen von sämtlichen Einbauten befreit. Manchmal kann falsches Zeitmanagement eben ein echter Segen sein. Trotzdem keine Entwarnung:  Die Fachwelt bezeichnet den Warschauer Zentralbahnhof der Architekten Arseniusz Romanowicz und Piotr Szymaniak zwar als eine „Perle der Architektur“.  Aber davon bleibt die Polnische Bahn unberührt. Nach Aussagen der Geschäftsführung sind die Abrisspläne zwar aufgeschoben, aber ganz bestimmt nicht aufgehoben.

Zur Geschichte des Bahnhofs:
Im Dezember 1975 wurde „Warszawa Centralna“ – eine Bahnbetriebsanlage mit einer unter die Erde gelegten Gleisführung – von der Politführung der Volksrepublik Polen feierlich eröffnet. Bauschäden wurden schon kurz nach der Eröffnung sichtbar. Ursache war Baupfusch als Folge einer von oben verordneten verkürzten Bauzeit. Dazu kam der normale Verschleiß am Gebäude. Schon wenige Jahre nach der Eröffnung wäre eine grundlegende Sanierung des Bahnhofs notwendig gewesen. Doch mehr als 35 Jahre lang geschah nichts.

Stattdessen verschmuddelte das ehemalige architektonische Vorzeigeobjekt im Herzen der – nach der politischen Wende 1989 wirtschaftlich boomenden – Hauptstadt Polens zusehends und wurde zu einem überdimensionalen Obdachlosenasyl und Bahnhofsstrich. Erst am Vorabend der diesjährigen Fußball-Europameisterschaft unternahm die Polnische Bahn den ersten Anlauf, sich ihres Sorgenkinds anzunehmen.

(vgl. http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/kunst_architektur/auferstehung_einer_architektur-ikone_1.15007126.html„).

2 Gedanken zu „Warschauer Zentralbahnhof – falsches Zeitmanagement als Segen“

  1. Der Zentralbahnhof sollte eigentlich die Visitenkarte der polnischen Hauptstadt sein. Das war er bis zur Renovierung mit den unzähligen Verkaufsbuden in den unterirdischen Verbindungsgängen und seinem heruntergekommenen Eindruck mit Sicherheit nicht. Ich bin auf die „Firnis“ gespannt 😉

  2. Wahrscheinlich fängt für viele Touristen Polen an diesem Bahnhof an – Deutsche kommen mit dem Berlin-Warschau-Express. Ich bin aber immer froh, wenn ich den Bahnhof verlasse. Aber das Einkaufszentrum hinter dem Bahnhof, Zlote Tarasy, ist sehr schön!
    Polen-heute.blogspot.com

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