Urlaub Tag 6 – Besuch in Ottmachau und Neisse

Gedenktafel für Wilhelm Freiherr von Humboldt in Ottmachau
Gedenktafel für Wilhelm Freiherr von Humboldt am Schloss in Ottmachau, der in den 1920er Jahren Teile seines Grundbesitzes für den Bau eines Staubeckens verkaufen musste. Foto: Frank Hilbert

Am Tag 6 unseres Urlaubs in Bad Landeck im Glatzer Land steht ein Ausflug nach Ottmachau (Otmuchów) und Neisse (Nysa) an.

Über ein Lehrerehepaar aus dem Münsterland

Vor einer Tafel an einer Zufahrt zum Schloss in Ottmachau (Otmuchów) versuchen eine Frau und ein Mann die deutsche Inschrift einer Tafel zu entziffern.

„Staatsminister Wilhelm von Humboldt erhielt im Jahre 1821 Schloss und Herrschaft Ottmachau als Notation von König Friedrich Wilhelm für seine Verdienste um den Preußischen Staat. Sein Urenkel Bernhard Freiherr von Humboldt-Dachroeden mußte im Jahre 1929 infolge des Staubeckenbaues den Rest der Herrschaft mit Schloß aufgeben.“

Die beiden sind ein Lehrerehepaar aus dem Münsterland, das auf der Rückreise vom Weltjugendtag in Krakau (Kraków) Station in Ottmachau macht, um die Stadt zu besichtigen. Der Lehrer trägt einen Strohhut, der kerzengerade auf seinem Kopf sitzt. Während der 1,90 m große Mann auf uns herabschaut, erzählt er uns, dass seine Vorfahren aus dieser Gegend stammten. Er bedauere es sehr, dass in den deutschen Schulen das Thema Flucht und Vertreibung nicht behandelt werde. Auch die deutsch-polnischen Beziehungen stünden nicht auf dem Stundenplan. Seine Frau beteiligt sich nicht an der Unterhaltung, schaut ihren Mann mit einem ungeduldigen Blick an und zupft ab und zu am Ärmel seines Hemdes. Als er auf die Politik der polnischen Regierungspartei PiS (Recht und Gerechtigkeit) zu sprechen kommt, zerrt sie ihn weiter, sodass nur noch eine kurze Verabschiedung möglich ist. Überrascht und amüsiert bleiben wir an der Gedenktafel zurück und blicken dem abziehenden Lehrerehepaar hinterher.

Das Schloss, in dem ein Hotel untergebracht ist, dümpelt in der Sommersonne vor sich hin.  Das Restaurant ist noch geschlossen. In einem Saal im ersten Stockwerk hat eine Gruppe Teenager – einige von ihnen fein herausgeputzt – andere in Alltagskleidung, Tanzunterricht. Eine freundliche Mitarbeiterin des Hotels verkauft uns Karten für den Turm, von dem man die gesamte Stadt und das Staubecken vor den Toren von Ottmachau überblicken kann.

Badestrand Jezioro Nyskie
Badende am Strand am Jezioro Nyskie in der Nähe der Stadt Neisse (Nysa). Foto: Frank Hilbert

Badepause und Besichtigung der Stadt Neisse (Nysa)

Bei Kohlsdorf (Skorochów) legen wir auf der Weiterfahrt nach Neisse (Nysa) einen Zwischenstopp ein und gehen im Jezioro Nyskie, einem Stausee, baden. Um die Badestelle herum hat sich ein pulsierendes Touristenzentrum mit Zeltplatz, Restaurants, Verkaufsständen, Pensionen und Sommerhütten etabliert. Wir plaudern mit einem polnischen Ehepaar, das in Wien lebt und hier mit seinem Pflegekind den Urlaub verbringt, gehen Baden, schlemmen Eis und genießen im Schatten eines verknorpelten Baumes das Bilderbuchwetter.

Tritonenbrunnen in Neisse (Nysa)
Der Tritonbrunnen in Neisse schuf ein unbekannter Künstler zwischen 1700 und 1701. Er steht in der Nähe des Marktes (Ring). Als Vorbild diente der Tritonenbrunnen von Gian Lorenzo in Rom. Foto: Frank Hilbert

Auf Neisse (Nysa) bin ich schon gespannt. Über die Stadt ist gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die Front gerollt und hat sie zum großen Teil zerstört. In einigen Reiseführern hatte ich gelesen, dass die Stadt nur wenig zu bieten hat. Um so größer ist die Überraschung. Die Stadt ist gepflegt und die historischen Bauten, die den Krieg überstanden haben bzw. wieder aufgebaut worden sind, harmonieren mit der Architektur der Nachkriegszeit. Wir bewundern die barocke Innenausstattung der St.-Peter-und-Paul-Kirche, besichtigen das Kämmereigebäude und die St.-Jakobs-Kirche auf dem Ring. Den dem Schönen Brunnen in der Nähe des Rings krönt seit dem Jahr 2000 wieder der vergoldete preußische Adler. Nur Zeit für einen Besuch des Grabmals von Joseph von Eichendorff (1788-1857), einem bedeutenden Schriftsteller und Lyriker der Romantik, auf dem Jerusalemer Friedhof haben wir nicht.  Auch die Überreste der Festung Neisse aus dem 18. Jahrhundert müssen bis zu unserem nächsten Besuche warten. (fh)

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