Urlaub Tag 5 – Wanderung auf den Großen Heuscheuer

Großer Heuscheuer
Blick vom Großen Heuscheuer im Glatzer Land. Foto: Frank Hilbert

Unser Ziel heute ist der Große Heuscheuer im Nordwesten des Glatzer Landes. Die Fahrt dorthin dauert ca. eineinhalb Stunden und führt uns über Glatz (Kłodzko) und Bad Altheide (Polanica-Zdrój). Unser Auto stellen wir auf einem kostenpflichtigen Parkplatz in Karlsberg (Karłów) ab. Es nieselt, und es ist kühl. Wir trinken deshalb erst einmal Kaffee, um uns aufzuwärmen. Die Kellnerin serviert uns aus Pulver zubereiteten Cappuccino mit Sahnehäubchen aus der Dose, der acht Złoty (knapp unter zwei Euro) pro Tasse und damit genauso viel wie ein Cappuccino aus dem Kaffeevollautomaten kostet. Hoffentlich geht der Tag nicht so weiter, denke ich. Meine Regentage habe ich auch in der Pension gelassen, und der graue Himmel sieht aus, als würde es bald Strippenzieher regnen.

Felsblock mit Gesichtszügen
Ein Felsblock aus Sandstein, der Ähnlichkeit mit einem Gesicht hat. Foto: Frank Hilbert

Die Schöne und das Biest

Der große Heuscheuer ist 919 m hoch, aus Sandstein und ein typischer Vertreter eines Tafelberges. Der Wanderweg von Karlsberg führt zunächst an zahlreichen kleinen Verkaufsständen aus Holz vorbei, an denen die Touristen die typischen Urlaubsmitbringsel kaufen können. In kleinen Holzhütten wird Fastfood serviert. Einen Dinopark lassen wir einfach unbeachtet links liegen. Wir wollen schließlich auf den Berg und nicht durch die Urzeit aus Plastik wandern. Der Aufstieg (gelb markierter Wanderweg) ist steil und führt streckenweise über Treppen. Links und rechts ragen meterhohe Sandsteinblöcke auf, die aussehen, als würden sie aus einzelnen, übereinander aufgetürmten Blöcken bestehen. Einer dieser Blöcke ähnelt dem Gesicht des Biestes aus „Die Schöne und das Biest“ von Christopher Gans. Ein Wanderer schaut dem Biest tief in die Augen und gibt ihm einen Kuss, der ohne Folgen bleibt. Das steinerne Biest verwandelte sich nicht in einen schmucken Prinzen und das Wetter wird auch nicht besser. An anderen Stellen bilden die Berge Labyrinthe, durch die die Wanderwege führen. Die Kinder haben viel Spaß und die Väter unzählige Gelegenheiten, mit ihren Smartphones Selfies zu schießen.

Berghütte PTTK na Szczelińcu
Die Berghütte (Schronisko) PTTK na Szczelińcu auf dem Großen Heuscheuer im Heuscheuer Gebirge im Glatzer Land. Die Wanderer vor der Berghütte stehen nach Karten für den Wanderweg zum Plateau des Berges an. Foto: Frank Hilbert

Höhenangst darf man nicht haben

Die erste Station der Wanderung ist die Baude (Schronisko) PTTK na Szczelińcu auf dem Großen Heuscheuer. Sie steht nur wenige Meter von der Felsenkante entfernt, hinter der es steil dutzende Meter in die Tiefe geht. Auf einer natürlichen Plattform, die das Bergmassiv hier bildet drängen sich die Touristen und schauen in die Tiefe und das Bergvorland. Höhenangst darf man hier nicht haben. Für den weiteren Aufstieg zum Plateau des Berges, der durch beeindruckende Labyrinthe führen soll, wird ein Eintrittsgeld verlangt. Da die Schlange an der Kasse aber gute dreißig Meter lang ist, verzichten wir. Wir entschließen uns, den Weg, den wir gekommen sind, zurückzulaufen und am Kleinen Heuscheuer Richtung Passendorf (Pasterka) zu laufen, wo es eine Baude gibt, in der wir Essen wollen.

Das Innere der Baude ist dunkel, die Wände sind teilweise mit Holz vertäfelt und der Thresen, hinter dem die Kasse und ein Kaffeevollautomat stehen, ist gemauert. Durch eine offene Tür kann ich in die Küche schauen. Den Wirt rufe ich mit einem beherzten Schlag auf eine kleine Glocke auf dem Thresen. Ich bestelle eine mit Käse gefüllte russische Pirogge und habe Zweifel daran, dass ich satt werde, so groß ist mein Hunger. Als ich mir mein Essen von der Essensausgabe, einer engen Durchreiche neben dem Thresen, hole, sind meine Zweifel verflogen. Die Pirogge ist so groß wie eine Pizza Calzone. Hoffentlich schaffe ich die überhaupt. (fh)

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