Urlaub Tag 3 – Ausflug in das Bergwerk Słoty Stok

Gertruds Stollen in Reichenbach (Złoty Stok)
Im Gertruds Stollen beginnt die unterirdische Tour durch das stillgelegte Bergwerk in Reichenbach (Złoty Stok). Foto: Frank Hilbert

Dicke graue Wolken hängen tief am Himmel. Macht nichts. Dann besuchen wir eben ein Bergwerk und nehmen an einer Führung unter Tage teil. Unser Ziel: ein ehemaliges Goldbergwerk in der Nähe von Reichenstein (Złoty Stok). Es ist nur 20 km von Bad Landeck (Lądek-Zdrój), wo wir wohnen, entfernt. Eine schmale, streckenweise mit Schlaglöchern übersäte Straße führt dorthin. Wir sind genervt. Nur der Anblick der prächtigen Wälder und der Blick über Täler entschädigt für das Gehuppel, das wir ertragen müssen.

Unsere Museumsführerin, die uns durch das Bergwerk führt, ist keine 1,60 m groß, dafür forsch und mit einer Portion Humor ausgestattet. „Man muss mit Schwund rechnen“, sagt sie im Spaß. Es komme hin und wieder vor, dass sie das Bergwerk mit weniger Besucher verlasse als mit ihr hineingegangen seien. Auch lobt sie die Stollen, die speziell für Touristen mit ihrer Körpergröße gebaut worden seien: eng und niedrig. Die Kinder in der Gruppe spricht sie mit „Robaczki“ (Würmchen) an. Wir betreten das Bergwerk über den Zugangsstollen Gertrud. Im Bergwerk ist es empfindlich kalt, Luft und Wände sind feucht. Es tropft von der Decke. Zum Glück haben wir Jacken mitgenommen. Unsere Köpfe schützen Schutzhelme, die wir am Eingang zum Bergwerk erhalten haben. Es besteht Helmpflicht.

Grube „Kopalnia Złota“1961 geschlossen

Zwerg und Goldbarren
Ein Zwerg zwischen Stapeln von Goldbarren. Foto: Frank Hilbert

Bergleute begannen im 13. Jahrhundert mit dem Abbau von Gold bei Reichenstein. Es wurde hier bis in das 17. Jahrhundert hinein gefördert, bis sich er Abbau nicht mehr rentierte. Noch im selben Jahrhundert begann dafür in Reichenbach der Abbau von Arsenerzen. Die Ausstellungen im Inneren des Bergwerks beschäftigt sich in erster Linie mit der Geschichte der Goldgewinnung. In einem Nebenraum eines Stollens stehen Tische mit Reagenzgläsern, die mit bunten Flüssigkeiten gefüllt sind. Ein Mitarbeiter des Museums erklärt die Herstellung von Arsen, bei dessen Gewinnung Gold als Nebenprodukt abfällt. Bei Giftmörder war Arsen als „Mordgift“ sehr beliebt, weil es lange Zeit in den Körpern der Ermordeten nicht nachweisbar war. Weniger bekannt ist, dass es in der Glasindustrie und für die Herstellung von Arzneimitteln verwendet wurde und wird. 1961 wurde das Bergwerk bei Reichenstein geschlossen.

„Bitte nicht ins Waschbecken pinkeln“

Warnschilder aus Industriebetrieben
Warnschilder, ausgestellt im stillgelegten Bergwerk Kopalnia Złota in Niederschlesien. Foto: Frank Hilbert

Die Hauptattraktion der Führung ist ein 8 Meter hoher Wasserfall im Schwarzen Stollen, der Bergleute im 16. Jahrhundert in den Berg getrieben haben. Den meisten Spaß haben Besucher jedoch in einem unterirdischen Raum, dessen Wände mit Warnschildern aus Industriebetrieben übersät sind. Die Warnhinweise sind brutal realistisch: „Repariere die Maschine nicht im laufenden Betrieb. Sonst wirst du dir deinen Hintern mit dem Ellenbogen abwischen müssen.“ Oder: „Bitte nicht ins Waschbecken pinkeln.“ Oder: „Nach beendeter Arbeit ziehe wieder deine Unterhose an.“ Nach einer Stunde ist die Führung beendet. Wir steigen in eine Bergbahn, die uns wieder an die Erdoberfläche bringt. Endstation ist „Kopalnia Złota – Główna“.

Konzert mit Zigeunermusik

Am Abend findet hinter unserer Pension, zwischen Spiel- und Bolzplatz – das Konzert mit Zigeunermusik statt. Eine professionelle Bühne ist aufgebaut und Tische und Stühle stehen bereit. Zwei Mitarbeiter der Pension bereiten den Grill vor. Der Eintritt kostet 20 Złoty (ungefähr 4 Euro). Im Preis enthalten sind eine Bratwurst vom Grill und ein Bier. Ich setze mich an einen Tisch und bekomme sofort Gesellschaft in Form von zwei Damen aus Breslau (Wrocław), mit denen ich sofort ins Gespräch komme. Eine der beiden Frauen, die Mitglieder in einer Freimaurerloge sind, hat lange Zeit in München gelebt. Sie findet die Politik der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel „Klasse“ und sie solle so weitermachen wie bisher. Zwischenzeitlich setzt sich ein Mitarbeiter des Jüdischen Theaters in Warschau an unseren Tisch, der zu den Organisatoren eines jüdischen Festivals in Bad Landeck gehört, das am folgenden Tag stattfindet. Er verschwindet aber gleich wieder. Schade, so habe ich nicht erfahren, ob auch die Direktorin des Theaters Gołda Tencer in Bad Landeck weilt.  (fh)

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