Riesengebirge – Wanderung zur Teichbaude

Teichbaude
Teichbaude im Riesengebirge.

Der erste Tag nach unserer Ankunft im Wandern Riesengebirge Polen. Die Meteorologen kündigen schon seit Tagen schönes Wetter für Mitteleuropa an. Sie haben sich mit ihren Wetterprognosen nicht geirrt. Kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen und versperrt den Blick auf die 1.602 m hohe Schneekoppe, den höchsten Gipfel im Riesengebirge. Die Schneekoppe ist jedoch nicht unser Ziel. Heute schonen wir noch unsere Beine und wandern deshalb zur Teichbaude (Schronisko Samotnia), von der gesagt wird, sie gehöre zu den schönsten Bauden im Riesengebirge. Sie liegt idyllisch an einem Bergsee, der von steilen Felswänden umgeben ist.

Um 10 Uhr brechen wir zum Eingang des Nationalparks Riesengebirge auf. Er befindet sich direkt neben der Kirche Wang in Karpacz Górny (dts. Brückenberg). Wir könnten uns die nordische Stabkirche, die um das Jahr 1200 erbaut wurde, von innen ansehen. Es ist aber Sonntag und um 10 Uhr finden in der evangelischen Kirche ein Gottesdienst auf Deutsch statt. Als wir an der Kirche vorbei laufen, treffen gerade einige Gemeindeglieder ein. Sie versammeln sich vor dem Eingang der Kirche und unterhalten sich. Wir gehen zum Eingang des Nationalparks Riesengebirge weiter. Der Eintritt kostet sechs Złoty für Erwachsene (umgerechnet etwa 1 Euro).

Wanderer mit Musikinstrumenten

Laut Wanderkarte benötigt man für die Wanderung zur Teichbaude rund eineinhalb Stunden. Der blau markierte Wanderweg dorthin beginnt steil. Hinter uns laufen eine junge Frau und ein älteres Ehepaar. Wir alle trotten den Berg hinauf. Unsere Kondition kann nicht so schlecht sein. Unsere Mitwanderer überholen uns nicht. Nach etwa dreißig Minuten wird der Weg flacher. Der Wald lichtet sich und gibt den Blick frei auf den Kamm des Riesengebirges, der noch mit Schnee bedeckt ist. Wir alle bleiben stehen und genießen den fantastischen Anblick. Eine Gruppe älterer Männer kommt uns entgegen. Einige von ihnen tragen Musikinstrumente auf ihren Rücken. Als sie meinen Fotoapparat sehen, witzeln sie: Fotografieren sei verboten, das Gebiet, in dem wir uns befänden, sei militärisches Sperrgebiet, Ordnung müsse schließlich sein. Mich hätte vielmehr interessiert, woher sie gerade kommen. Warum sind sie mit Musikinstrumenten unterwegs? Das verraten sie uns natürlich nicht.

Wir stiefeln weiter. Nach zwei Stunden führt der Weg über einen kleinen Hügel. Steile Felswände kündigen das Erreichen unseres Zieles an. Als wir über die Hügel kommen, breitet sich vor unseren Füßen ein kleiner See aus, an dessen linken Ufer eine Baude aus Holz mit Satteldach und mit einem Glockenturm steht. Wir befinden uns jetzt in 1.195 m Höhe. An den Tischen vor der Baude sitzen Wanderer, die Bier trinken und sich angeregt unterhalten. Eine Frau sonnt sich. Wir setzen uns dazu und bestellen zwei Tassen Tee. Den heißen Tee schlürfend genießen wir die Natur um uns herum. Noch hat sich der Frühling in dieser Höhe nicht endgültig durchgesetzt. Den See bedeckt noch eine dünne Eisschicht. Die steilen Felshänge rundherum sind mit einer Schneedecke bedeckt, in die die wärmenden Sonnenstrahlen unzählige Löcher geschmolzen hat, durch die das Felsgestein lugt.  An der Südseite des Kessels sind die Spuren im Schnee zu sehen, die Wintersportler beim Abfahrtslauf hinterlassen haben. Enge Serpentinen sind sie den steilen Abhang hinab gefahren.
Es ist noch früh und wir entschließen uns, zur etwa 15 Minuten entfernten Hampelbaude (Strzecha Akademicka) zu wandern und auf dem gelb markierten Weg entlang des Baches Kleine Lomnitz nach Karpacz zurück zu laufen. Zur Hampelbaude führt ein Weg, der an einem der Hänge aus dem Kessel führt. Oben angekommen, haben wir einen Panoramablick über den Kleinen Teich und die Teichbaude. Die Hampelbaude ist viel größer als die Teichbaude und steht auf einer Bergwiese, die sich in einer Höhe zwischen 1.150 und 1.300 m erstreckt. Die heutige Hampelbaude wurde 1906 aus Stein und Holz errichtet, nachdem ihre Vorgängerin abgebrannt war.

Riesengebirge – Seismograph der Umweltverschmutzung

Wir halten uns hier jedoch nicht lange auf und laufen den gelben Wanderweg Richtung Karpacz hinunter. Eine Stunde soll der Abstieg dauern. Nach 20 Minuten lichtet sich der Wald. Links und  rechts säumen verblichene Baumstümpfe und abgestorbene Bäume den Wanderweg, von der Sonne ausgeblichene Bäume ragen in den Himmel. Sie sind Relikte der Umweltzerstörung. In früherer Zeit haben die Menschen in den mittleren Lagen zwischen 1.000 und 1.250 m Höhe die Fichtenwälder gerodet und mit Fichten wieder aufgeforstet, die für die widrigen Wetterverhältnisse in dieser Höhe nicht geeignet sind. Diese Fichtenart ist anfälliger gegen Schädlinge. Dazu kam die Umweltverschmutzung. Der „Saure Regen“, den der Wind aus den Braunkohlerevieren in der DDR und den Industriegebieten Westdeutschlands und Großbritanniens heran wehte, konnte in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Bresche der Zerstörung durch die Wälder im Riesengebirge schlagen. Doch es gibt Hoffnung für die Natur. Die Schwerindustrie in Tschechien, Polen und der ehemaligen DDR ist inzwischen Pleite oder modernisiert, sodass die Luft sauberer geworden ist. Zwischen den Baumstümpfen wachsen junge Bäume heran. (Text und Foto: Hilbert)

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