Sind Bio-Eier wirklich bio?

Foto: pixelio / M. Großmann

Im Rahmen der ARD-Themenwoche „Essen ist Leben“ wurde vorgestern ein Beitrag über die Haltung von Legehennen in Deutschland ausgestrahlt. Die Zustände, unter denen die armen Geschöpfe ihr Dasein in einer Käfig- oder Bodenhaltung fristen müssen, sollen an dieser Stelle nicht extra beleuchtet werden, die kennt mittlerweile fast jeder. Wer sein Frühstücksei mit sich selbst und seinem Gewissen im Reinen verspeisen möchte, entscheidet sich deshalb für Bio. So auch ich – bisher zumindest. Denn die Aufnahmen, die in dem Beitrag gezeigt wurden, lassen an der Berechtigung zur Führung eines „Bio-Siegels“ durch manche Legebetriebe stark zweifeln. Gefilmt wurde ein zertifizierter Biohof: mit überfüllten Ställen ohne natürliches Tageslicht, mit Hühnern teilw. ohne Federn, dafür aber mit deutlichen Spuren von Kannibalismus und mit Verhaltensstörungen. In den Ecken des Stalls lagen überall Tierkadaver herum – einige bereits mumifiziert. Schaurig.

Erstaunlicherweise hatte das Kamerateam hatte vom Halter eine Genehmigung erhalten, in den Ställen zu drehen (was eher eine Ausnahme ist). Um eine Stellungnahme gebeten, antwortete der Züchter, er habe mit dieser Hennenpartie eben kein Glück gehabt. Ansonsten sei es völlig normal, dass die Tiere zum Ende der Legeperiode nackte Hintern hätten. Ins Freie müssten seine Hühner nicht, sie wollten es auch gar nicht, denn sie fürchteten sich vor offenen Flächen und der Gefahr, die von Raubvögeln ausgehe. Darüber hinaus bekämen alle seine Tiere nur natürliches Futter.
Ein Wasserfall von Rechtfertigungen, nur kein einziges Wort darüber, dass glückliche Hühner anders aussehen.

Ich frage mich, wodurch sich diese ausgelaugten Kreaturen und Opfer menschlicher Profitgier von ihren Artgenossen in konventioneller Haltung unterscheiden. Wenn das einzige Kriterium für ein Bio-Huhn der Öko-Weizen ist, mit dem es gefüttert wird, und der anschließende Verkaufspreis der von ihm gelegten Eier, dann werde ich demnächst nach einem Bauernhof in der Umgebung Ausschau halten, wo nur eine Handvoll Hühner mit Hahn und Elan auf einem Misthaufen scharrt. Dann muss es auch kein zertifiziertes Bio-Ei sein. Das utopische Wunschdenken eines Gutmenschen? Nein, nur wieder einmal die Feststellung, dass hinter Masse kein Bio stehen kann. (fh)

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