Sanislaw Wielgus – Mitarbeiter der polnischen Staatssicherheit?

Erzbischof Stanislaw Wielgus hat das Amt der Metropoliten der Erzdiözese Warschau übernommen.
Kurz vor Weihnachten berichtete die Zeitung „Gazeta Polska“ erstmals, Wielgus habe mehr als 20 Jahre dem kommunistischen Geheimdienst als Informationszuträger gedient. Die polnische Bischofskonferenz verteidigte Wielgus und verurteilte den „Angriff auf die Kirche“. Wilgus selbst sagte, der Inhalt der Geheimdienstakten, die das Institut der Nationalen Erinnerung (poln. IPN – Instytut Pamieci Nardowej) aufbewahrte, interessiere ihn nicht. Am 2. Januar kündigte er schließlich in einem Interview mit der „Gazeta Wyborcza“ an, gleich nach seiner Amtseinführung als Metropolit von Warschau werde er die Historische Kommission der polnischen Bischöfe bitten, die ganze Angelegenheit aufzuklären. In einer Presseerklärung vom 5. Januar gab er zu, 1978 eine „Vereinbarung über Zusammenarbeit“ mit der Staatssicherheit unterzeichnet zu haben. Aus den mittlerweile veröffentlichten Geheimdienstakten geht hervor, dass Wielgus von 1967 bis etwa 1980 Informant der Staatssicherheit war und Informationen über polnische Geistliche lieferte. 1973 soll er sich auf Vorschlag des polnischen Geheimdienstes um ein Humboldt-Stipendium in Westdeutschland beworben und dafür einen Auslandspass benötigt haben. Aus den Akten geht auch hervor, dass er vom Geheimdienst für seine „Auslandsdienste“ geschult wurde, um u. a. den Radiosender Freies Europa sowie polnische Emigrantenkreise in Deutschland und Schweden auszuforschen.
Die Meinung der polnischen Öffentlichkeit zu der Affäre ist geteilt: 23 % der Gefragten fordert den Rücktritt des Erzbischofs, genauso viele meinen, er solle sein Amt bis zur vollständigen Klärung der Vorwürfe niederlegen. 22 % der Befragten ist der Meinung, dass die Entscheidung beim Papst liege und dass die Gläubigen sich der päpstlichen Anordnung unterordnen sollten. (fh)

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