Stolpersteine der Geschichte

Grabstein des Polen Michał Ignaczak. Die kleine schwarze Gedenktafel haben die Kinder von Ignaczak im Jahr 2003 auf das Grab gelegt. Die Inschrift lautet: Die Erinnerung stirbt nie. Zum 60. Todestag unseres geliebten Vaters, Tochter Irena, Söhne Józef, Stanisław Ignaczak, 15. September 2003
Grabstein des Polen Michał Ignaczak. Die kleine schwarze Gedenktafel haben die Kinder von Ignaczak im Jahr 2003 auf das Grab gelegt. Die Inschrift lautet: Die Erinnerung stirbt nie. Zum 60. Todestag unseres geliebten Vaters, Tochter Irena, Söhne Józef, Stanisław Ignaczak, 15. September 2003 Foto: Hilbert

Bei einem Spaziergang über den Kieler Parkfriedhof Eichhof entdeckte ich ein großes Feld, auf dem die Opfer der Bombenangriffe auf Kiel im Zweiten Weltkrieg beigesetzt worden sind. Stutzig machten mich die ein wenig abseits gelegenen zahlreichen Grabsteine mit ausländischen, darunter auch polnischen, Namen, sowie ein Gedenkstein, dessen Inschrift in russischer Sprache der Menschen gedachte, die in deutscher Kriegsgefangenschaft gestorben waren.

Arbeitserziehungslager Nordmark

Informationen dazu fand ich auf der Webseite der Deutschen Kriegsgräberfürsorge. Auf dem Eichhof wurden auch Häftlinge des Arbeitserziehungslagers „Nordmark“ in Kiel-Hassee beigesetzt. Das Lager war eines von insgesamt 80 solchen Lagern in Deutschland, in denen „Arbeitsscheue“ (Nazi-Terminologie) aus den besetzten Ländern, aber auch „arbeitsunwillige“ deutsche Bürger „erzogen“ werden sollten. Diejenigen der Häftlinge, die nach maximal zwei Monaten im Arbeitserziehungslager als „nicht erzogen“ eingestuft wurden, brachte man in ein Konzentrationslager.

Insgesamt waren zwischen Mai 1944 und Mai 1945 im Lager „Nordmark“ fast 4.000 Menschen verschiedener Nationen – überwiegend Zwangsarbeiter aus deutschen Rüstungsfirmen und landwirtschaftlichen Betrieben – inhaftiert. Fast 600 der Häftlinge starben an Unterernährung, Krankheiten, durch Misshandlungen oder Erschießungen.

Gestapo-Chef Fritz Schmidt

Die Verfahren gegen die Lageraufseher und auch gegen den Kieler Gestapo-Chef, Fritz Schmidt, auf dessen Antrag das Arbeitserziehungslager „Nordmark“ entstanden war, wurden von deutschen Gerichten allesamt eingestellt. (fh)

Arbeitserziehungslager Nordmark in Kiel:

  • Das Lager wurde im Mai und Juni 1944 im Auftrag der Gestapo an der Rendsburger Landstraße in Kiel errichtet.
  • 4.000 – 5.000 Menschen aus unterschiedlichen Ländern waren hier bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges interniert.
  • Das Lager bestand aus 20 Baracken und 48 lichtlosen Einzelzellen.
  • Die Häftlinge arbeiteten in verschiedenen Kieler Unternehmen, z. B. der Brauerei, und wurden bei Bau von Bunkern und bei der Entschärfung von Munition eingesetzt.
  • 578 Häftlinge überlebten die Haftzeit nicht.
  • Zwischen 1971 und 1985 wurden durch kirchliche Initiativen Gedenksteine an der Stelle aufgestellt, an der sich das Arbeitserziehungslager befand.
  • 2002 wurde mit EU-Fördermitteln der Gedenkstein errichtet, der heute immer noch steht.

Internetseite des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

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