2. August – Orthodoxe Kirchen am Bug und Wasserwerfer in Lublin

Kloster des Hl. Onufry
Kloster des Hl. Onufry in Jabłeczna. Foto: Frank Hilbert

Es ist eine typische Neubauwohnung aus sozialistischen Zeiten. Ein Wohnzimmer voller Bücher, ein Mini-Schlafzimmer, ein Mini-Kinderzimmer, Küche und ein fensterloses Bad. Wir sind zu Gast bei einer älteren Dame in Włodawa, das 80 km von Lublin direkt an der weißrussischen Grenze liegt. Der türkische Kaffee auf dem Tisch durchflutet das Wohnzimmer mit einem angenehmen Duft. Noch schwimmt in meiner Tasse der Kaffeesatz an der Oberfläche. Vorsichtig rühre ich ihn mit einem Teelöffel unter. Den ganzen Tag waren wir auf Einladung unser Gastgeberin mit dem Auto unterwegs und haben die Gegend nördlich von Włodawa erkundet.

Orthodoxe Kirchen

Kein Reiseführer in deutscher Sprache bietet ausführliche Informationen über die kleinen Dörfer in dieser Gegend mit ihren katholischen und orthodoxen Kirchen. In Kodyń konnten wir ein wundersames Marienbild bewundern, das im 17. Jahrhundert von dem polnischen Adligen Mikolaj Sapieha aus Rom entwendet wurde. Aus Reue stiftete Sapieha mehrere Kirchen, unter anderem die in Kodyń, in der heute das Bild hängt. Papst Urban VIII. exkommunizierte ihn trotzdem. Die zweite Sehenswürdigkeit in Kodyń ist ein Kreuzweg. Die Figuren in den Kreuzwegstationen haben Häftlinge aus Konzentrationslagern geschnitzt. In Kosomłoty hat uns ein Priester die kleine griechisch orthodoxe Kirche aufgeschlossen und uns Interessantes über die Geschichte und die reiche Innenausstattung erzählt. Im orthodoxen Kloster in Jabłeczna haben wir im Schatten der Bäume Abkühlung vor der drückenden Hitze gesucht. Vor dem Hintergrund der Dorfidylle von Sławatycze mutet ein hochmodernes Gebäude aus Stahl und Glas, in dem der Grenzschutz (Hinter dem Bug liegt schon Weißrussland.) untergebracht ist, beinahe surrealistisch an.

Vater von einem Deutschen erschossen

Zurück in Włodawa machen an der Kaffeetafel Fotos von den Kindern und Enkelkindern unserer Gastgeberin und einer Kirche irgendwo in der Umgebung die Runde. Unsere zweite Reisebegleiterin erzählt mir, das auf dem Kirchenfriedhof der Vater unserer Gastgeberin begraben ist. 1941 oder 1942 hat ein deutscher Soldat ihn auf der Türschwelle seines Hauses erschossen. Die Mutter wurde in das Konzentrationslager Majdanek deportiert und dort wenige Tage vor der Befreiung des Lagers ermordet. Ich möchte von ihr wissen, ob es einen Anlass für die Ermordung der Eltern gegeben hat. Vermutlich haben die Deutschen gedacht, dass der Vater Mitglied der polnischen Widerstandsbewegung, der Heimatarmee, war, erfahre ich. „Ein konkreter Grund war für die Deutschen nicht unbedingt notwendig, um einen Polen zu töten“, fügt sie hinzu. „Manchmal reichte nur ein schiefer Blick.“

Angst vor Fußballfans

Bis wir am Abend wieder in Lublin eintreffen, wundere ich mich über die Mannschaftswagen der Polizei und die Wasserwerfer, die auf einem Parkplatz unterhalb des Domes stehen. Die Auflösung des Rätsels gibt es wenige Minuten später. Motor Lublin spielt gegen Widzew Łodź. Unser bewachter Parkplatz liegt zwischen dem Hauptbahnhof und dem Stadion. Überall steht Polizei. Straßen sind abgesperrt. Busse mit grölenden Fans biegen auf den Stadionparkplatz ein, der direkt neben unserem Parkplatz liegt. Der Parkplatzwächter ist ganz aufgeregt. Sein Rattler (vielleicht 20 cm groß) ist noch nervöser und übertönt mit seinem Gekläffe die Polizeisirenen. Als wir den Parkplatz verlassen, verrammelt der Wächter das Gelände. Schranke und Tor bleiben heute Nacht geschlossen, hoffe ich. (fh)

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