Behördengang: Asterix lässt grüßen

Kieler Oper und Rathaus
Das Kieler Rataus (li.) und das Kieler Opernhaus. Foto: Frank Hilbert

Behördengänge sind ein Quell literarischer Inspiration. Am frühen Morgen des gestrigen Tages bin ich durch tiefen Schnee zum Kieler Rathaus gestapft, um den neuen Personalausweis meines stressgeplagten Göttergatten abzuholen. Üblicherweise werden im Rathaus Wartenummern vergeben, für Ausweisabholer gilt diese Regel nicht. Ich musste mich in eine lange Schlange einreihen und geschlagene 45 (!) Minuten in einem überhitzten Raum ohne eine einzige Sitzmöglichkeit zwischen anderen schnaubenden Leidensgenossen (Datenschutz?) ausharren. Als ich endlich an der Reihe war, klingelte das Telefon des Sachbearbeiters, und nun wurde erst einmal mit einem Kollegen mehrere Minuten lang ungestört das aktuelle Mittagsmenü der Rathauskantine erörtert. Nach dem Telefongespräch musterte  die graue Amtseminenz mit einem traurigen Ausdruck in den Augen die Gesichter der Wartenden und seufzte tief, die Welt hätte sich heute gegen ihn verschworen.  

Anschließend wandte sich der Mann doch noch meiner Wenigkeit zu. Er warf einen langen prüfenden Blick auf die mir von meiner besseren Hälfte ausgestellte Vollmacht, schaute dann noch länger auf den Bildschirm seines Computers und meinte schließlich, dass mir der neue Ausweis nicht ausgehändigt werde, da ich den alten nicht dabei hätte und dieser auch nicht „behördlich als verlustig“ gemeldet sei.  Nun, selber schuld, dachte ich mir und kehrte unverrichteter Dinge unlustig wieder heim.

Heute früh startete ich einen neuen Versuch, nun aber mit dem alten Ausweis in der Tasche. Wieder über eine halbe Stunde anstehen. Bei nur einem besetzten Arbeitsplatz (von insgesamt vier) drängt sich die Frage auf, ob das Kieler Bürgeramt schon die Weihnachtsferien eingeläutet hat. Glatteis gab es heute jedenfalls nicht. Die Betriebskantine macht auch erst gegen Mittag ihre Türen auf. Oder werden schon um 9 Uhr Wettrennen zur Kaffemaschine veranstaltet? Na ja, jedenfalls nach erneuter gründlicher Prüfung aller von mir mitgebrachten Unterlagen händigte mir der Sachbearbeiter den ersehnten Ausweis endlich aus. Ein Blick auf das Foto genügte jedoch, um festzustellen, dass es sich nicht um den Ausweis meines Mannes handeln konnte. Der Vor- und Nachname stimmten, auch das Antragsdatum war dasselbe, nur der Mann war nicht der meinige. Eine Kollegin wurde herbeigerufen, um mit vereinten Kräften gelang es doch noch, das Knäuel zu entwirren: Die Anträge und Ausweise von zwei Personen, die zufällig genauso heißen und am selben Tag einen neuen Ausweis beantragt haben, wurden vertauscht. Mein Mann scheint einen Namensvetter zu haben, was unsere Beamten anscheinend ein wenig überfordert hat. Nach langer Suche gab der Panzerschrank in der Ecke des Raumes doch den Personalausweis meines Mannes heraus.  „An allem sind die von der Antragsstelle schuld. Sehen Sie, sogar der alte Ausweis wurde bei uns nicht richtig registriert“, schimpfte der graue Herr. Anschließend folgte eine Hasstirade mit ausführlicher Aufzählung sämtlicher Todesarten, die der Herr seinen Kollegen von der Antragsstelle an den Hals wünschte und die ich an dieser Stelle nicht wiederholen möchte. Offensichtlich war die Welt heute erneut nicht auf seiner Seite. Mit dem nun richtigen Ausweis in der Hand wünschte ich dem Herrn trotz allem einen angenehmen Tag und hoffte im Stillen, die Rathauskantine würde ihm zu Mittag einen Klaren genehmigen. (fh/bw)

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