Maulkorb für Pater Boniecki

Dem für seine liberalen Ansichten bekannten Pater Adam Boniecki wurde durch die Oberen des Marianerordens bis auf weiteres untersagt, sich in der Öffentlichkeit zu äußern. Der ehemalige Chefredakteur der katholisch-liberalen Wochenzeitschrift „Tygodnik Powszechny“ hatte in den vergangenen Wochen mehrmals in verschiedenen Medien kritisch Stellung zu den seiner Ansicht nach „unzeitgemäßen und mit den christlichen Grundsätzen unvereinbaren“ Versuchen der katholischen Kirche, die polnische Gesellschaft zu klerikalisieren, bezogen.

Der 77-jährige Priester und Intellektuelle ist nicht der erste Geistliche, den die katholische Kirche mundtot machen möchte. Was es bedeutet, sich gegen die Kirchenoberen aufzulehnen, musste auch der mittlerweile verstorbene Jesuitenpater Stanisław Musiał am eigenen Leib erfahren. In seiner Forschungsarbeit über die polnisch-jüdischen Beziehungen prangerte er die Gleichgültigkeit und Feindschaft der katholischen Kirche in Polen gegenüber den Juden im Zweiten Weltkrieg an. Er erwartete von der Kirche ein klares Wort zu deren Verfehlungen im Holocaust und eine Stellungnahme zu dem auch heute noch unter den Geistlichen weit verbreiteten Antisemitismus. Dafür wurde er von der Amtskirche mehrfach scharf ermahnt und mit Redeverboten belegt. Musiałs Angst vor seinen Vorgesetzten war so groß, dass er die Autoren eines Buches, das ein ausführliches und bewegendes Interview mit ihm beinhaltet, bat, mit der Veröffentlichung bis zu seinem Tod zu warten.

Roma-Gemeinde betreut

Wie schwer es sich die katholische Kirche mit Andersdenkenden aus den eigenen Reihen macht, zeigt auch der Fall des Paters Stanisław Opocki, der in einem kleinen Dorf in Südpolen fast 30 Jahren lang eine ärmliche Roma-Gemeinde betreut hat – allen Widerständen zum Trotz. Für seine Arbeit erntete er anonyme Schmähbriefe und Drohungen von den polnischen Nachbarn. Anstatt ihn in seinem Engagement für die Menschen und gegen die rassistische Diskriminierung zu unterstützen, wurde er vor kurzem von der Amtskirche in eine andere Gemeinde versetzt, mit der Begründung, man wolle auf diese Weise „den Konflikt zwischen den Roma und den Polen dämpfen“. (fh)

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