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Im Museum des Warschauer Aufstands. Foto: Frank Hilbert
Im Museum des Warschauer Aufstands. Foto: Frank Hilbert

Im Zuge privater Familienforschung stieß ich im Internet auf ein Interview mit der Tochter meines Urgroßonkels, in dem sie über das Leben und Wirken ihres Vaters erzählt. Den besagten Urgroßonkel finde ich besonders spannend, weil er um seiner Verdienste für Polen im polnischen „Brockhaus“ – der Encyklopedia PWN – verewigt wurde und für mich eine wertvolle Quelle auf der Suche nach weiteren Vorfahren ist.Er war Mineraloge und Dekan der Chemischen Fakultät an der Technischen Universität (Politechnika) in Warschau. Im Zweiten Weltkrieg verlor er zwei Söhne (Der jüngere der Brüder, Andrzej, fiel bei der Verteidigung der Technischen Universität während des Warschauer Aufstands.) und unterrichtete trotz drohender Sanktionen seitens der deutschen Besatzer an der im Untergrund agierenden Geheimen Universität in Tschenstochau. Ihm ist auch zu verdanken, dass ein großer Teil der Sammlung des Instituts für Mineralogie und Geologie sowie der Bestände der Warschauer Hauptbibliothek vor der Vernichtung durch die Deutschen gerettet werden konnten.

Das Interview, das mich natürlich brennend interessiert, liegt in Form einer digitalisierten Audio-Aufnahme vor und wird im Nationalen Digitalarchiv (Narodowe Archiwum Cyfrowe – NAC), das dem Polnischen Ministerium für Kultur und Nationales Erbe untersteht, verwahrt. Mit der Signatur der Audio-Datei, die ich im Archivkatalog gefunden hatte, wandte ich mich per E-Mail an das NAC mit der Bitte, mir die Datei zugänglich zu machen.

Selbstverständlich finde ich es angemessen, dass Archive für ihre (manchmal recht umfangreichen) Recherchen und sonstigen Dienstleistungen Gebühren erheben. Auch für die aufwendige Verwahrung und Katalogisierung der Bestände regnet es kein Geld vom Dach. Die Kosten, die mir das Nationale Digitalarchiv in Warschau vorab nannte, hauten mich aber doch ein wenig um: Für eine digitale Kopie der 110-minütigen Aufnahme wird eine Gebühr in Höhe von 1100 Zloty (entspricht etwa 260 Euro) erhoben!

Ungehört meine Einwände, dass ich mit einer simplen MP3-Datei zufrieden wäre und keinen goldenen Tonträger benötige … (bw/fh)

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