21. Juli 2008 – Höheres Priesterseminar

Höheres Priesterseminar
Das Höhere Priesterseminar in Lublin. Foto: Frank Hilbert

Das Wetter ist heute launisch wie sonst im April – mal Regen, mal Sonnenschein. Ein kurzer Spaziergang durch die Innenstadt. Dabei kommen wir am Höheren Priesterseminar vorbei. Der imposante Komplex, mit dessen Bau Missionare Ende des 17. Jahrhunderts begonnen hatten, ist von einer Mauer umgeben. Der Zutritt ist Besuchern nicht gestattet. Eigentlich. Denn zwischen Weihnachten und Neujahr waren Basia und ich schon einmal in Lublin. Das Eingangstor stand offen und wir schritten hindurch, um ein paar Außenaufnahmen von der Kirche zur Verklärung des Herrn zu machen.

In Frankfurt / M. studiert

Wir waren ungestört, bis der Pförtner ganz aufgeregt auf mich zulief und mir fast flüsternd erklärte, dass der Zutritt Fremden nicht gestattet sei. Just in diesem Augenblick lief eine Gruppe Priester – in langen schwarzen Mänteln und runden Hüten mit breiten Krempen auf dem Kopf – plaudernd an uns vorbei. Der Pförtner wandte sich an einen der Priester und entschuldigte sich für uns. Vielleicht auch dafür, dass er nicht richtig aufgepasst hatte. „Wir haben Gäste“, war die unerwartete Reaktion des jungen Mannes. „Woher kommen Sie“, fragte er uns. „Aus Kiel in Deutschland.“ Sofort wechselte der Priester ins Deutsche, ohne bei der sich anschließenden Konversation auch nur einen Grammatik- oder Ausdrucksfehler zu machen. Er habe einige Jahre in Frankfurt am Main studiert und dort promoviert. Schließlich lädt er uns zu einem Rundgang durch das Priesterseminar ein. Auf diese Weise konnten wir die barocke Inneneinrichtung der Kirche zur Verklärung des Herrn, die endlosen Gänge im Haupthaus bewundern und wurden sogar dem Rektor des Priesterseminars vorgestellt.

Wer darf bleiben, wer muss gehen?

Unser Priester, erfahren wir nach und nach, ist Präfekt und bereitet die Studenten auf ihre verantwortungsvolle Arbeit nach dem Studium vor. Die Studenten müssen nicht nur fachlich den Anforderungen gerecht werden, sondern auch besondere Charaktereigenschaften vorweisen, die sie für den Priesterberuf prädestinieren. Erfüllen sie die Voraussetzungen nicht, müssen sie das Studium abbrechen. Zu seinen Aufgaben gehöre die Entscheidung darüber, erzählt der Präfekt, ob seine Studenten das Studium fortsetzen könnten oder das Priesterseminar verlassen müssten. „Eine sehr schwierige Aufgabe“, seufzt er und schaut recht bekümmert drein. (fh)

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