Gemeinde Sylt: Bekenntnis zur NS-Vergangenheit von Ex-Bürgermeister Heinz Reinefarth

Denkmal des Warschauer Aufstands
Denkmal für den Warschauer Aufstand in der Innenstadt von Warschau. Foto: Frank Hilbert

Anlässlich des 70. Jahrestages des Warschauer Aufstandes wird die Gemeinde Sylt am 31. Juli 2014 zum Gedenken eine Mahntafel am Westerländer Rathaus einweihen. Die Gedenktafel ist auch ein Beitrag zur Aufarbeitung der Westerländer Geschichte.  Denn zwischen 1951 und 1963 war der einstige SS-General Heinz Reinefarth, der an der Niederschlagung des Aufstandes beteiligt war, Bürgermeister der Gemeinde.

1958 zog Reinefarth zudem für die Partei Gesamtdeutscher Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten in den Schleswig-Holsteinischen Landtag ein.

Heinz Reinefarth – der „Schlächter von Warschau“

Während des Warschauer Aufstands, der am 1. August 1944 begann und am 1. Oktober 1944 endete, hatte er das Kommando über eine Kampfgruppe der Korpsgruppe „Von dem Bach“ unter SS-Obergruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski. Damit war Reinefarth maßgeblich an den Verbrechen beteiligt, die während des Aufstands verübt worden sind. In Polen trägt Heinz Reinefarth den Beinamen „Schlächter von Warschau“.
Rund 200.000 Menschen kamen damals ums Leben. Nachdem die Aufständischen die Waffen niedergelegt hatten, wurde Warschau systematisch dem Erdboden gleichgemacht und die Bevölkerung aus der Stadt getrieben oder zur Zwangsarbeit verschleppt.
Für seine „Verdienste“ in Warschau wurde Reinefahrth von den nationalsozialistischen Machthabern mit dem  Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet.

Nach dem Krieg konnte der einstige SS-General beinahe unbehelligt weiterleben. Zwar wurden gegen ihn Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen eingeleitet, die dazu führten, dass er sich in den 1960er Jahren aus der Politik zurückziehen musste. Verurteilt wurde er jedoch nicht. Er starb 1979 auf Sylt. (fh)

Gedenktafel 70. Jahrestag Warschauer Aufstand
Gedenktafel 70. Jahrestag Warschauer Aufstand

Der Text der Mahntafel lautet:

„Warschau, 1. August 1944
Polnische Widerstandskämpfer stehen auf gegen die deutschen Besatzer. Das nationalsozialistische Regime lässt den Aufstand niederschlagen.
Mehr als 150.000 Menschen werden ermordet, unzählige Männer, Frauen und Kinder geschändet und verletzt.
Heinz Reinefarth, von 1951 bis 1963 Bürgermeister von Westerland, war als Kommandeur einer Kampfgruppe mitverantwortlich für dieses Verbrechen.
Beschämt verneigen wir uns vor den Opfern und hoffen auf Versöhnung.
Aus Anlass des 70. Jahrestages des Warschauer Aufstandes.
Sylt / Westerland 2014“

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