29. Juli – Kazimierz Dolny

Kazimierz Dolny an der Weichsel
Marktplatz mit historischen Häusern in Kazimierz Dolny. Foto: Frank Hilbert

An einem malerischen Flecken, eingebettet zwischen sanften, dicht bewaldeten Hügeln und einer schier unendlichen Zahl von Sandbänken und Nebenarmen der Weichsel, liegt das Städtchen Kazimierz Dolny. Mit seiner Renaissance-Architektur und dem azurblauen Himmel zieht es – vor allem im Sommer – nicht nur Scharen von Touristen an, sondern vor allem Maler und Bildhauer. Auch zahlreiche Prominente aus Funk und Fernsehen haben die Schönheit der Stadt für sich entdeckt und besitzen hier Wochenend- bzw. Ferienhäuser.

Leider trägt die Beliebtheit der Stadt mittlerweile dazu bei, dass der Besucher nicht als Gast, sondern als Melkkuh angesehen wird. An allen Ecken und Enden wird er zur Kasse gebeten. Parkgebühren, Kaffee- und Kuchenpreise sind astronomisch. Fotografieren in Kirchen ist nicht erlaubt – dafür kann man überteuerte und nicht besonders informative Broschüren kaufen. Sogar der Berg der Drei Kreuze (seinen Namen verdankt er drei Kreuzen, die hier zur Erinnerung an die Pestopfer im 18. Jahrhundert errichtet wurden), früher frei zugänglich, wurde von einem Schlaumeier gepachtet. Nun muss jeder, der ihn besteigen möchte, einen kleinen Obolus zahlen – und Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Der Pächter hat mittlerweile eine ansehnliche Taverne vor den Toren der Stadt. Verständlich, dass die Leute Geld verdienen wollen, schade nur, dass dabei der soziale Beitrag auf der Strecke bleibt.

Fährverkehr wegen Hochwassers eingestellt

Die Straßen – umsäumt von prachtvollen Villen – sind in einem katastrophalen Zustand. Für die nur wenige Hundert Meter kurze Strecke (gefährlich unebenes Kopfsteinpflaster) vom Markt bis zum Fähranleger (Mit der Fähre wollten wir zur Schlossruine in Janowiec übersetzen.) haben wir mit dem Auto geschlagene 20 Minuten gebraucht. Dort erlebten wird eine weitere unangenehme Überraschung: Wegen Hochwassers wurde der Fährverkehr eingestellt. Fluchend drehten wir und weitere in die Irre geführten Autofahrer um. Es gab nur einen Weg zurück – das holprige Tuckerkopfsteinpflaster. Warum wurde in der Stadt kein Infoschild aufgestellt, dass die Fähre nicht verkehrt? Aus Gleichgültigkeit, Dummheit, oder war es den Villenbesitzern zu teuer?

Ein Lichtblick war dagegen das Hotelrestaurant „Dom Turysty“, das in einem alten Getreidespeicher westlich der Stadt untergebracht ist. Das von einem Park umgebene Lokal ist selbst im Hochsommer eine erholsame Oase, das Essen ist vorzüglich (und preiswert), die Bedienung überaus freundlich. (fh)

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