Riesengebirge – Wanderung zum Grenzpass

Horni Mala Upa im Riesengebirge
In der Vorsaison scheint der kleine tschechische Grenzort Horni Mala Upa im Riesengebirge wie ausgestorben. Foto: Frank Hilbert

Schon vor über einhundert Jahren hat es hier einen Grenzübergang an der damaligen österreichisch-preußischen Grenze gegeben. Heute trennt die Grenze Tschechien und Polen. Auf der tschechischen Seite beginnt gleich hinter dem Grenzübergang der Ort Horni Mala Upa. Auf der polnischen Seite steht ein Gebäude der Grenzwacht und die Baude Na Przeleczy Okraj (früher Schlesische Grenzbaude), in der es auch Übernachtungsmöglichkeiten gibt.

Unsere Wanderung beginnen wir im unteren Teil von Karpacz am Krucze Skaly (dts. Rabenstein). Der erste Teil führt uns durch den Eulengrund (Sowia Dolina). Es gibt zwei kleine Sehenswürdigkeiten gleich auf den ersten Metern. Auf der rechten Seite erinnert die Aufschrift auf einem Granitstein daran, dass hier vom 13. bis zum 15. Jahrhundert Gold und Silber abgebaut wurden. Ein Stück weiter bergauf steht die Anlage eines Wasserspeichers aus dem Jahr 1926, der immer noch in Betrieb ist. Bis zum Kamm des Riesengebirges, der an dieser Stelle Eulenpass heißt und 1.164 m hoch ist, geht es stetig bergauf. Das letzte Stück des Weges ist sehr steil und führt durch einen dichten Nadelwald. Wir sind diesen Weg vor einigen Jahren im April schon einmal gegangen. Es hatte damals gerade geschneit. Knietief im Schnee versinkend stapften wir bergauf.

Horni Mala Upa – der einsame Grenzübergang

Nach Horni Mala Upa laufen wir auf dem rot markierten Wanderweg weiter, der auf der tschechischen Seite entlang führt. Er ist fast durchgehend asphaltiert und fast eben, sodass sich unsere geschundenen Knochen von den Strapazen der letzten Tage  ein wenig erholen können. Horni Mala Upa ist eine Enttäuschung. Es gibt hier viele Pensionen, Restaurants, eine Touristeninformation mit Wechselstube und ein Geschäft. Aber heute wirkt es wie ausgestorben. Die wenigen Einheimischen scheinen sich im einzigen Restaurant, das geöffnet hat, versammelt zu haben. In der Kneipe sitzen – Bier trinkend und rauchend – Tschechen. Die Luft ist zum Schneiden. Also raus aus der Kneipe und auf nach Polen in die frühere Schlesische Grenzbaude. Dazu müssen wir erst einmal den offiziellen Grenzübergang passieren. Der tschechische Grenzbeamte freut sich sichtlich, als wir mit ihm ein paar Brocken tschechisch wechseln. In der Baude bestellen wir etwas zu trinken, setzen uns an die Tische vor der Baude und genießen die wärmende Sonne. Ein klappriges Taxi kommt den Berg herauf, hält an und vier ältere deutsche Damen steigen aus. Sie sind gut gelaunt. Tratschend und lachend verschwinden sie über den Grenzübergang nach Tschechien. Wir machen uns auf den Weg nach Karpacz. Zurück wollen wir den grün markierten Weg nehmen, der am Tabaksteig (Tabaczana Sciezka) entlang führt. Nach einigen Metern sehen wir zwei polnische Grenzbeamte im Gras sitzen und sich unterhalten. Beinahe beiläufig fragt uns einer: „Zielona do Karpacza?“ (dts. „Den grünen Weg nach Karpacz?“) Eine überaus intelligente Frage. Einen anderen Wanderweg gibt es hier nicht.

Das Wetter, ein Sechser im Lotto

Vom Rückweg ist meine Frau begeistert. Der Weg führt nur leicht bergab und bietet einen phantastischen Blick über Kowary, Karpacz und bis nach Jelenia Gora. Man blickt wie aus einem Flugzeug auf die Täler herab. Das Wetter ist auch wie ein Sechser im Lotto. Seit Beginn unseres Urlaubs haben wir nur Sonnenschein bei Temperaturen über 20 Grad Celsius. Unsere Wintersachen haben wir (An dieser Stelle klopfe ich auf die Holztäfelung in unserem Zimmer.) wohl umsonst eingepackt. (Text und Foto: Hilbert)

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