Friedhofshyänen – Blumenklau auf Friedhof in Lublin

Powązki-Friedhof in Warschau
Powązki-Friedhof in Warschau. Foto: Frank Hilbert

Morgen ist Allerheiligen, ein katholischer Feiertag, dessen Wurzeln in die vorchristliche Zeit hineinreichen. Der Ahnenkult in Polen ist seit der heidnischen Zeit ungebrochen stark: Am ersten November erstrahlen die Friedhöfe in Kerzenlicht, die Menschen gedenken ihrer Toten, indem sie deren Gräber aufsuchen und diese mit Blumen und Gestecken schmücken. Zugegeben, eine leicht morbide, aber auch schöne Tradition. Leider gibt es unter den Friedhofsbesuchern auch zwielichtige Gestalten, deren Geldgier selbst vor Anstand und Pietät keinen Halt macht. Während meines Aufenthalts in Lublin suchte ich das Grab meiner Urgroßeltern auf, zündete zwei Grablichter an und stellte eine Vase mit einem hübschen Chrysanthemenstrauß hin. „Der bleibt dort bestimmt nicht lange stehen“, schallte es plötzlich von der Seite. Eine ältere Frau blickte abwechselnd zwischen mir und dem Blumenstrauß. „Den holt sich bestimmt jemand, um ihn wiederzuverkaufen.“ Ich zuckte skeptisch mit den Schultern. Wer tut schon so etwas. Am nächsten Tag kam ich aber erneut zum Friedhof. Und was sah ich da? Zwei ausgebrannte Lichter… und keinen Chrysanthemenstrauß. (fh)

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