Neurotische Teletubbies

In einer fünfminütigen Fernsehansprache malte Staatspräsident Lech Kaczynski ein Katastrophenszenario an die Wand: Entschädigungsansprüche deutscher Vertriebener und Sittenverfall durch die Legalisierung homosexueller Ehen hingen wie das Damoklesschwert über Polen, falls die polnische Regierung den EU-Reformvertrag unterzeichne. Effektvoll untermalt wurde Kaczynskis TV-Auftritt durch die wohldosierte Einblendung altbewährter Abschreckungsbilder: Fotos der Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach, eines frisch vermählten Schwulenpärchens sowie einer in Trauerflor gehaltenen Deutschlandkarte von 1939.

Die homo- und germanophobe Strategie des polnischen Staatsoberhaupts scheint jedoch nicht aufzugehen. Eine vor einer Woche durchgeführte Umfrage ergab, dass 75 Prozent der Polen die Ratifizierung des Vertrags wünschen. Trotz primitiven Populismus einer Regierung, die die Kinderserie „Teletubbies“ durch psychologische Berater analysieren ließ (da einige Regierungsmitglieder hinter dem Handtäschchen von Tinky Winky homosexuelle Propaganda witterten) und klassische Literatur aus den Lehrplänen entfernen wollte, weil Züchtigungsszenen auf den nackten Hintern oder „des Kaisers neue Kleider“ bei Kindern schwule Assoziationen hervorrufen könnten. (fh)

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