Steinbach beleidigt Bartoszewski

Hof in der Nähe von Trutnov (dts. Trautenau) im "Reichsgau Sudetenland".

Hof in der Nähe von Trutnov (dts. Trautenau) im "Reichsgau Sudetenland" (1939 - 1945), das aus annektierten Gebieten der Tschechoslowakei bestand. Foto: privat

Gut eine Woche, nachdem sie Polens Schuld am Ausbruch den Zweitel Weltkriegs suggeriert hat, sorgt Erika Steinbach, CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, erneut für Schlagzeilen. Im heutigen ARD-Morgenmagazin beschimpfte sie Prof. Władysław Bartoszewski, den Deutschland-Beauftragten der polnischen Regierung. Er habe “einen schlechten Charakter”, sagte Frau Steinbach. Ihre Aussagen begründete sie mit “persönlichen Erfahrungen”. Außer, dass Bartoszewski jahrelang die privaten Schreiben, die sie ihm schickte, unbeantwortet ließ, hatte Frau Steinbach keine konkreten Argumente für ihre Abneigung dem ehemaligen Ausschwitz-Häftling gegenüber vorgetragen. (bw)

Aufzeichnung des Gesprächs mit Erika Steinbach im ARD-Morgenmagazin:

Steinbach doch nicht im Stiftungsrat

Der Bund der Vertriebenen (BdV) zieht die Nominierung Erika Steinbachs für den Stiftungsrat des geplanten Berliner Dokumentationszentrums „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ zurück. Frau Steinbach selbst habe nach Auskunft des Präsidiums des BdV gebeten, sie vorläufig nicht für den Stiftungsrat zu nominieren. Aus Protest jedoch will der BdV keinen anderen Kandidaten benennen.

Eine ausführliche Begründung für den vorläufigen Rückzug der Nominierung finden Sie auf der Webseite des BdV unter http://www.bund-der-vertriebenen.de/presse/index.php3?id=829.

 

Dokumentationszentrum: Steinbach will mitreden

Erika Steinbach, Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV) und ehemalige Nicht-Vertriebene gießt erneut Öl ins Feuer der deutsch-polnischen Beziehungen. Sie möchte unbedingt in den Stiftungsrat des geplanten Berliner Dokumentationszentrums „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ einberufen werden. Die Nominierung Steinbachs durch den BdV erzürnte die polnischen Gemüter. Der Deutschland-Beauftragte der polnischen Regierung und in Polen als Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg und Mitbegründer einer Organisation, die Juden aus dem Warschauer Ghetto rettete, hoch verehrte Prof. Władysław Bartoszewski bezeichnete die Bemühungen Steinbachs um einen Sitz im Stiftungsrat des geplanten Berliner Dokumentationszentrums als „Unanständigkeit“ und einen Beweis dafür, dass die polnische Regierung sich in ihrer Versöhnungspolitik geirrt habe.

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Massengrab von 1945 in Malbork entdeckt

Bei Bauarbeiten im Zentrum von Malbork (Marienburg) wurde im vergangenen Jahr ein Massengrab mit Gebeinen von 1.800 Toten entdeckt. Ein Teil der Skelette weist Schussverletzungen auf. Die Toten sind offensichtlich unbekleidet, ohne Dokumente und Schmuck begraben worden. Diese Tatsachen lassen Spekulationen über die Todesumstände und die Identität der im Massengrab verscharrten Menschen freien Raum. Da Marienburg (bekannt duch die gleichnamige Ordensburg) bis 1945 vorwiegend von Deutschen bewohnt war, wird angenommen, dass es sich bei den Toten um von Rotarmisten getötete deutsche Zivilisten handelt. Es kursieren aber auch Gerüchte, dass die Toten polnische oder russiche Zwangsarbeiter sein könnten. Weiterlesen

Neurotische Teletubbies

In einer fünfminütigen Fernsehansprache malte Staatspräsident Lech Kaczynski ein Katastrophenszenario an die Wand: Entschädigungsansprüche deutscher Vertriebener und Sittenverfall durch die Legalisierung homosexueller Ehen hingen wie das Damoklesschwert über Polen, falls die polnische Regierung den EU-Reformvertrag unterzeichne. Effektvoll untermalt wurde Kaczynskis TV-Auftritt durch die wohldosierte Einblendung altbewährter Abschreckungsbilder: Fotos der Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach, eines frisch vermählten Schwulenpärchens sowie einer in Trauerflor gehaltenen Deutschlandkarte von 1939.

Die homo- und germanophobe Strategie des polnischen Staatsoberhaupts scheint jedoch nicht aufzugehen. Eine vor einer Woche durchgeführte Umfrage ergab, dass 75 Prozent der Polen die Ratifizierung des Vertrags wünschen. Trotz primitiven Populismus einer Regierung, die die Kinderserie “Teletubbies” durch psychologische Berater analysieren ließ (da einige Regierungsmitglieder hinter dem Handtäschchen von Tinky Winky homosexuelle Propaganda witterten) und klassische Literatur aus den Lehrplänen entfernen wollte, weil Züchtigungsszenen auf den nackten Hintern oder “des Kaisers neue Kleider” bei Kindern schwule Assoziationen hervorrufen könnten. (bw)

Im Briefkasten: Ein Offener Brief an Erika Steinbach

Italienische BriefmarkeGestern fällt mir beim Öffnen des Briefkastens ein Umschlag entgegen. In der oberen rechten Ecke klebt – ein wenig schief – eine Briefmarke mit der Aufschrift “citta del vaticano”. Der Umschlag muss einige DIN-A4-Seiten enthalten, so dick ist er. Meine Adresse ist mit einem Drucker geschrieben. Aber wer schreibt mir aus Rom? Die Überraschung ist groß. Der Umschlag enthält einen offenen Brief an Erika Steinbach, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen. Weiterlesen