Bad Warmbrumm (Cieplice) – „Wenn man ins Kuralter kommt“

Bad Warmbrunn (Cieplice)
Fußgängerpromenade in Bad Warmbrunn (Cieplice) am Fuße des Riesengebirges. Foto: Frank Hilbert

Ein kleines Café. Im Kühlfach stehen hinter Glas selbst gemachter Kuchen und Torten. An den winzigen runden Tischen sitzen zwei ältere Ehepaare aus Deutschland. Das eine kommt aus Heilbronn, das andere aus der Nähe von Hamburg. Genaueres erfahren wir nicht. „Es ist schön hier“, sagt der Ehemann aus Heilbronn. „Es gefällt uns auch“, sagt der andere. „Wir zahlen für drei Wochen Kur nur 2.000 Euro“, sagt der eine. „In Swinemünde kann man auch sehr gut kuren“, erwidert der andere. „In den 2.000 Euro ist alles inklusive. Auch die Anwendungen“, sagt der Heilbronner. „Viele fahren jetzt nach Swinemünde“, spricht der andere unbeirrt weiter. „So ist das, wenn man ins Kuralter kommt“, meint der Heilbronner. „Eine Szene wie aus Loriot“, murmelt meine Frau, während sie ihren Espresso schlürft.

Wir verlassen das Café in Cieplice (Bad Warmbrunn). Der Kurort am Fuße des Riesengebirges – gleich neben Jelenia Góra – hat sich seine verträumte Größe erhalten: ein riesiger Park, einige Kurhäuser, Villen, Mietshäuser aus der Vorkriegszeit, zwei Kirchen, ein klassizistisches Theater, in dem im Sommer regelmäßig Konzerte stattfinden, und nur einige wenige Neubauten. Der Stolz des Ortes ist jedoch das Palais Schaffgot aus dem 18. Jahrhundert. Es steht an der Hauptstraße, in der keine Autos fahren dürfen und auf der es sich deshalb ungestört flanieren lässt. Das tun wir auch von einem zum anderen Ende, nicht ohne die katholische Kirche am Westende und die evangelische Kirche am Ostende der Hauptstraße in aller Ruhe besichtigt zu haben.

Kurhaus in Bad Warmbrunn (Cieplice)
Kurgäste beim Mittagstisch in einem Kurhaus in Bad Warmbrunn (Cieplice). Foto: Frank Hilbert

Anschließend biegen wir am Schaffgotschen Palais in den Park ein, in dem ein Kurhaus aus dem 19. Jahrhundert steht, dessen eine Fassade fast völlig aus Fenstern besteht. Wir gehen hinein und gelangen in einen riesigen Saal, dessen Decke mit kunstvollen Bildern verziert ist. In den Ecken stehen Palmen. Der Rest des Saales ist mit Tischen gefüllt, an denen Kurgäste aus Deutschland sitzen. Eine Kellnerin fährt mit einem Servierwagen durch die Tischreihen und schöpft mit einer Kelle aus einer großen Porzellanschüssel Suppe in die Teller der Gäste. Schweigend löffeln die – ausschließlich deutschen – Kurgäste ihre Suppen. Nur das Klappern der Löffel auf Porzellan ist zu hören.

Zurück in Karpacz stellen wir unser Auto vor dem Hotel ab und laufen hinab ins Zentrum von Karpacz, nach Karpacz Dolny. Eine knappe halbe Stunde dauert die Wanderung bis dorthin. Wir wollen das Museum für Sport und Touristik besichtigen. Es ist in einem traditionell aus Holz erbauten Haus aus dem 19. Jahrhundert untergebracht und steht gleich hinter der Kirche. Ich erwarte eine langweilige Ausstellung und erlebe eine Überraschung. Im Museum erfahren wir viel Interessantes über das Leben der Bergleute im Mittelalter und der frühen Neuzeit, über Heilkundler und über die Arbeit der Bergwacht. Erst nach fast 45 Minuten verlassen wir das Museum. Ein Besuch lohnt sich. (fh)

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